Jahrgang 
1930
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3. Zur Geschichte der Anstalt

Die Aufnahmeprüfung für Sexta fand am Ende des vorigen Schuljahres statt; 60 Sextaner wurden aufgenommen. Zu Beginn des Schuljahres betrug die Schülerzahl 575 in 21 Klassen.

Das neue Schuljahr begann am 10. April 1929 mit einer Andacht und der Aufnahmeprüfung für die Klassen von Quinta an aufwärts.

Der Dezernent der Anstalt, Herr Oberschulrat Dr. Grau, wohnte dem Unterricht am 18. April und 13. Dezember in mehreren Klassen bei.

Da der Gedenktag des 40 jährigen Bestehens unserer Schule in die arbeitsreiche Zeit der ersten Schultage fiel, wurde die Gedenkfeier auf ruhigere Zeit verschoben und am 2. Oktober unter Mit- wirkung des Orchesters und der Schülerkapelle ge- halten. Eine Denkschrift zu dieser Feier erschien im Druck und wurde an die Schüler und ehe- maligen Schüler der Anstalt, soweit uns ihre An- schrift bekannt war, abgegeben.

Der größere Ausflug fand am 14. 16. Juni statt und führte die Oberklassen zum Teil in drei- tägigen Wanderungen nach Weimar, in das Kali- gebiet der Rhön, in das Sauerland, die Wildunger Berge, die Mittel- und Unterklassen in die nähere Umgebung unserer Stadt.

Der Feier des 10 jährigen Bestehens der Verfassung am 11. August 1929, die durch die Schülerkapelle und Orchester einen würdigen Rahmen erhielt, wohnte Herr Oberschulrat Dr. Grau bei und überreichte als Auszeichnung dem Unterprimaner Karl Brebeck das von der Reichsregierung gestiftete Werk Deutsche Einheit, deutsche Freiheit. Die Fest- rede hielt Herr Studienrat Hopf.

Der körperlichen Ausbildung und dem sportlichen Leben der Schule wurde auch in diesem Schuljahr eifrige Pflege zuteil. Die Schlagballwettspiele im August brachten uns in der A-Klasse die Stadt- und Provinzmeisterschaft, das Städteschild sowie die Bezirksmeisterschaft von Westdeutschland. Damit kam die Mannschaft in den Kampf um die Preußenmeisterschaft, der uns allerdings einen Erfolg diesmal noch nicht bescherte. Als Be- lohnung für die eifrige und erfolgreiche Arbeit wurde der Wettspielmannschaft der Aufenthalt in Berlin um einen Tag verlängert.

Während des Winterhalbjahres trugen die Klassen unter sich im Geräteturnen einen Wettkampf aus, welcher als ersten Sieger der ganzen Schule die Vb, als zweiten die Va und als dritten die UIIIc ergab. Daneben war die Arbeit auf den Turn- und Sportplätzen eine sehr rege.

10 Wandertage gaben den Schülern Gelegenheit, ihre engere Heimat näher kennenzulernen.

Auch das Musikleben der Schule stand in Blüte. Der Musikunterricht hat sich das Ziel gesetzt, nicht nur in den dafür bestimmten Unterrichtsstunden den Schülern die Werke unserer Großen nahe zu bringen, sondern das gesamte Schulleben zu durch-

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dringen und alle Schulveranstaltungen zu veredeln. Seit Jahren schließen sich ja bereits an jede Montagmorgenandacht der Vortrag eines wert- vollen Kunstwerks auf der Orgel, ein Vortrag des Schülerorchesters oder Gesangsvorträge von Lehrern und Schülern an. Im vergangenen Schuljahr wurden nun einzelne Andachten und eine Reihe von Schul- festen und Schulfeiern durch Ausbau des musi- kalischen Teiles verschönt. Außerdem fanden zwei Schulkonzerte statt, und die Abendendunter- haltungen enthielten ein reiches musikalisches Programm.

Die Arbeitsgemeinschaften der Schule umfaßten hauptsächlich die Gebiete der Physik, der deutsch- kundlichen Fächer und der Fremdsprachen.

Für das Schulleben wesentlich war die Einführung der zweiten Fremdsprache in der Deutschen Ober- schule, die das Lehrerkollegium, den Elternbeirat und eine Elternversammlung in eingehenden Aus- sprachen beschäftigte. Als Ergebnis der Besprech- ungen wurde der Antrag gestellt, Latein als zweite Fremdsprache einzuführen; der Antrag wurde von der Behörde genehmigt.

Zum ersten Male mündete eine Zubringerklasse in die Obertertia der Deutschen Oberschule ein. Zwar wurde die Schülerzahl dieser ersten Deutschen Oberschulklasse recht beträchtlich, doch gelang es bald, die Schüler zu einer Klassengemeinschaft zu verschmelzen.

Mit unseren früheren Schülern verband uns ein reger Briefverkehr; insbesondere sandte unser früherer Schüler Herbert Strauß aus Chile wiederholt Zeit- schriften, welche seine erfolgreiche Tätigkeit im Dienst der Körperschulung bekundeten.

Die schriftliche Reifeprüfung fand in der Woche vom 27. 31. Januar, die mündliche Reifeprüfung vom 11.14. März 1930 unter der Leitung des Direktors statt. Alle Prüflinge, die in die Reife- prüfung eingetreten waren, bestanden.

Die feierliche Entlassung der Abiturienten fand in der üblichen Form am Vormittag des 25. März im Festsaal der Schule statt. Der Direktor be- handelte in seiner Abschiedsrede das Verhältnis des Einzelnen zu seinem Volk. Studienrat Dr. Gaebel hatte den Abiturienten einen Spruch ge- widmet, der von ihren Kameraden in künstlerischer Form ausgeführt und ihnen als Gedenkblatt an die Schule überreicht wurde. Am Abend vereinigte ein gemütliches Beisammensein im Ständehaus die Schüler der Oberklassen mit ihren scheidenden Kameraden, die Eltern mit dem Lehrerkollegium. Durch solche gemeinsame Feiern soll versucht werden, die überständig gewordenen Abiturienten- kommerse und ähnliche Veranstaltungen durch Feiern schönerer Form und besseren Inhalts zu erseten.

Am 9. April führte uns die Schlußandacht, welche zu einer kleinen Passionsfeier ausgestaltet wurde, vor Schluß des Schuljahres noch einmal zusammen.