Im Zeichen- und Kunstunterricht wurde im Sinne der Neuordnung auf der Unterstufe der Hauptwert auf das freie phantasiemäßige Schaffen gelegt. Die Stoffe wurden in erster Linie den kulturkundlichen Fächern entnommen.
Begabte Schüler der mittleren, insbesondere aber der oberen Klassen wurden mit den verschiedenen Techniken der graphischen Künste verftraut gemacht. War in den jahren zuvor schon mit dem Linolschnitt und semem Druck begonnen worden, so hatten wir nun im leßten jahre durch Anschaffung einer Kupfer- druckpresse die Möglichkeit, auch die Radierung zu pflegen und durch eigenes Schaffen auch auf diesem Gebiete tiefer in das Wesen der GCraphik einzu-— dringen. Vorerst wurden Ubungen in dem Kaltnadel- verfahren vorgenommen.
Die angewandte Kunst fand in den mittleren und oberen Klassen besondere Berücksichtigung durch Schaffung von Plakaten nach eigenen Entwürfen für Schulunterhaltungsabende usw.
Die Kunstschrift— Antiqua und Fraktur— wurde auf allen Stufen geübt und fand für die verschie- densten Zwecke der Schule Anwendung.
Im engsten Zusammenhang mit dem Zeichnen wurde die Kunstbefrachtung getrieben. Besonderes Augen- merk wurde in diesem jahre auf die Kunst Albrecht Dürers gerichtet. Zur 400. Wiederkehr seines Todes- fages wurde im Treppenhaus eine Ausstellung von Reproduktionen nach seinen Werken veranstaltet. Mit den oberen Klassen wurden ferner besucht die staatliche Gemäldegalerie, die Jubiläumsausstellung der hiesigen Kunstakademie, die jJahresausstellung der Kunstgewerbeschule sowie bedeutende Aus- stellungen des Kunstvereins.
11—
In der Arbeitsgemeinschaft für Kunstgeschichte mit den Schülern der Oberklassen stand' die nieder- ländische Kunst unserer Galerie in dem Mittelpunkt der Betrachtungen und in der Reifeprüfung wurde in Ubereinstimmung mit den einschlägigen Bestimmungen auch in der Kunstgeschichte geprüft.
Im Werkunterricht fanden im letzten jahre zwei Kurse statt: einer im Buchbinden und der andere in Schreinerarbeiten. Die Tischlerwerkstatt wurde in ihrer Ausstattung so vervollkommnet, daß Behin- derungen der Arbeit durch Mangel an Werkzeug nicht mehr in Frage kommen.
In beiden Kursen arbeiteten die Schüler nicht nur für sich, sondern schufen auch mancherlei für die Schulausstattung: so Tische und Stühle für den Schüleraufenthalfsraum, Bilderrahmen, Bühnenaus- stattungsstücke für Schilleraufführungen, Anschau- ungsmaterial für die Erdkunde, Herstellung von Burgen usw.
Leibesübungen. jede Klasse hatte wöchentlich zwei Turn- und zwei Spielstunden. Einige Klassen mußten zu Turn- bzw. Spielabteilungen zusammengeschlossen werden, sodaß insgesamt 18 Turn- und 10 Spiel- abteilungen vorhanden waren. Geturnt wurde in der Halle oder im Freien, je nach den Erfordernissen des Unterrichts oder des Wetters. Die Spielabteilungen übten auf den Sportpläßen am Waldauer Fußweg und — ein Teil der Oberklassen— in der Hessenkampf- bahn. Während des Winters trat Turnen an Stelle des Spiels, doch benußten viele Klassen günstige Tage zum Spielen und Uben im Freien.
3. Bericht über die Lehrer.
Mit Beginn des Schuljahres 1927 schieden aus dem Lehrerkollegium aus:
Studienassessor Georgd Eardt, der dem Wil- helmsgymnasium Kassel und Studienassessor Her-— mann Heinz, der dem Realgymnasium I, Kassel, überwiesen wurde, sowie die Studienreferendare Walter Mangçdold und Hermann Wienecke, die zur Ableistung ihres zweiten Vorbereitungsjahres an die Oberrealschule I Kassel übergingen.
Neu frafen ins Lehrerkollegium ein: Der Zeichen- lehrer Hans Huning,*) der Studienassessor Dr. Johannes Meilinger, der Studienassessor Dr. Hans Petersen und der Studienassesor Dr. Bernhard Umbach.
Am 1. Juni wurden Studienreferendar Wilhelm Schulze und am 12. Okfober der Studienreferendar Wilhelm Schmidt zur pädagogischen Ausbil- dung der Schule überwiesen.
*) geb. 17. 1. 1802 zu Dortmund, besuchte die Ober- realschule in Essen und Hagen i. W., später die Kunst- gewerbeschule in Kassel und die Kunstakademie in Kassel. Er bestand die Zeichenlehrerprüfung 1914, die Werklehrerprüfung 1023 und die Turnlehrerprüfung Ostern 1926
Am 27. September schied Studienreferendar Lud- wig Gölzhäuser nach bestandener pädagogischer Prüfung aus dem Lehrerkollegium aus. Während des Schuljahres wurden die Studienassessoren Dr. Bern— hard Besser und Dr. Georg Hofmann zu Studienräten gewählt.
Am 1. Oktober schied Studienassessor Dr. Jo— hannes Meilinger aus dem Lehrerkollegium aus, um als Studienrat an die Aufbauschule nach Hom- berg zu gehen. An seine Stelle trat Studienassessor Friedrich Gâädeke, bisher am Oberlyzeum Kassel.
An Forfbildungskursen und Lehrgängen nahmen ten: Der Unterzeichnete an der amtlichen Direktorenkon- ferenz der Provinz Hessen-Nassau vom 23. bis 25. Mai 1927.
Obersiudienrat Gass: RHiauptversammlung des Förderungsverein für den mathematischen Unterricht in Frankfurt a. M.; Herbst 1927: Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner in Göttingen; 5. bis 7. 1. 1928: Kursus über die Verwendung des Rechenstabes im Unterricht in Kassel; Ostern 1928: Hauptversammlung des Förderungsvereins für den mathematischen Unterricht in Stuttgart.


