Jahrgang 
1915
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Aus dem Reingewinn des am 25. Februar veranstalteten Konzerts wurden 120 M zu Wohltätigkeitszwecken für unsere Krieger verwendet.

Vom 22. Februar ab sammelten die Schüler aller Klassen eifrig Goldgeld. Es konnten im ganzen für 28 880 M Goldstücke bei der Reichsbank in Papiergeld umgetauscht werden.

Während des ablaufenden Schuljahres waren im ganzen einschließlich späterer Ein- berufungen sieben ordentliche Lehrer, fünf Kandidaten sowie der Schuldiener beim Heere. Den Oberlehrern Dr. Küster und Dr. Pfister wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Jener wurde im September in der Schlacht an der Marne verwundet, dieser fand am 23. Oktober 1914 bei Radhinghem, nordwestlich von Lille den Heldentod. Die Begeisterung mit der er eigentlich nur garnisondienstfähig ins Feld gezogen war, hat ihn durch 13 Gefechte und Schlachten nicht verlassen, wie seine Kameraden und Vorgesetzten übereinstimmend berichteten. Nach Eintreffen der Trauerkunde wurde in der fünften Vormittagstunde des 13. November in der Aula eine Trauerfeier veranstaltet, bei der der Direktor die Gedäéhtnisrede hielt.

Von den Schülern der Anstalt, die von der Schulbank weg als Kriegsfreiwillige ins Feld zogen, fanden den Heldentod fürs Vaterland:

1. Georg Riemenschneider, aus Cassel(Kriegsabiturient). Er fiel am 19. November in Russisch-Polen als Angehöriger des 83. Inf.-Regts.

2. Friedrich Freudenstein, aus Gudensberg(Oberprimaner). Er fiel am 22. Dezember in Rußland als Angehöriger des 83. Inf.-Regts.

3. Herbert Hartung, aus Cassel(Obersekundaner). Er fiel am 15. Dezember bei Lodz als Angehöriger des 167. Inf.-Regts.

4. Herbert Wellnitz, aus Cassel(Obersekundaner). Er fiel am 16. Dezember in Polen als Angehöriger des 167. Inf.-Regts.

Der jungen Helden wurde vom Direktor in der Morgenandacht ehrend gedacht, ihre Bilder finden in ihren früheren Klassenzimmern einen Ehrenplatz.

An den Tagen, an denen die Siegestelegramme eintrafen, oder wenn das am Nach- mittag geschah an den folgenden Vormittagen wurde der Unterricht ganz oder teilweise aus- gesetzt, nachdem die Schüler entweder in den Klassen oder in der Aula über die Bedeutung des Sieges unterrichtet waren. Dies geschah am 22. August(Sieg bei Metz), am 3. September (Sieg bei Reims), am 3. November(Einnahme von Belgrad), am 8. Dezember(Sieg bei Lodz), am 18. Dezember(Sieg in Polen), am 13., 17. und 23. Februar(Siege östlich der masurischen Seen).

Am 1. März in der fünften Vormittagstunde hielt Herr Fleischhut, z. Z. Leutnant im 11. Pionierbataillon, den Schülern einen Vortrag über seine Kriegserlebnisse in Belgien und Frankreich.