Jahrgang 
1915
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Schneider, der im Januar, während kurzer Krankheit, durch den Gärtner Fritz Haschke ersetzt wurde.

Der Ausbruch des Weltkrieges im August brachte selbstverständlich auch für uns mancherlei Störungen und Veränderungen des regelmäßigen Unterrichtsbetriebes. Aber anderseits machten sich auch hocherfreuliche Wirkungen des gewaltigen Ereignisses in Fülle bemerkbar. Der Beweis wurde erbracht, daß unsere heutige Jugend der großen Taten und Erfolge ihrer Väter und Ahnen nicht unwert ist. Dieselbe machtvolle Begeisterung, die in früheren Zeiten des Krieges und der Gefahr das deutsche Volk und die deutsche Jugend ergriff, ist auch im Jahre 1914 wieder zu heller Flamme aufgelodert. Im Unterricht und bei sonstigen. Gelegenheiten hatten Lehrer und Erzieher überreichlich Gelegenheit, auf die empfänglichen Herzen der Zög- linge einzuwirken. Das herrliche Beispiel, das Lehrer und ältere Schüler gaben, verfehlte nicht, seinen tiefen Eindruck auf die jüngeren Kameraden.

Da gleich bei Beginn des Krieges fünf Lehrer und drei Kandidaten von uns zur Fahne eilten, so wurde vom 6. bis einschließlich 10. August der Unterricht ganz ausgesetzt. Aus den Klassen OI bis OIII gingen 58 Jünglinge zum Teil kaum oder noch nicht 17 jährig als Kriegsfreiwillige, Fahnenjunker oder Eingezogene zum Heere. Die Oberprima hörte auf zu sein, da der letzte Schüler, der eines körperlichen Leidens wegen nicht mit ins Feld konnte, der Oberrealschule I überwiesen wurde. Die Unterprima wurde bis Michaelis mit der Obersekunda vereinigt, ebenso wurden zeitweise die Obertertien und von Michaelis ab auch die Untersekunden verbunden, da von diesem Zeitpunkt an noch eine weitere Lehrkraft fehlte.

Im August. und September beteiligte sich die Anstalt nach Fühlungnahme mit der Land- wirtschaftskammer und der Ortsgruppenleitung desWandervogel an den Maßnahmen zur freiwilligen Erntehilfe. Gegen hundert Schüler konnten ausgesandt werden. Lehrer der Anstalt, beaufsichtigten gelegentlich die Arbeitsstätten. Die Einrichtung entsprach im allgemeinen den gehegten Erwartungen.

Zahlreiche andere Schüler waren zu gleicher Zeit in Lazaretten, im Polizeidienst usw. als Radfahrer und Helfer tätig.

Im Schulgebäude wurde eine Liebesgabensammelstelle eingerichtet. Mancherlei Gegen- stände(Wollsachen, Bücher, Zigarren, Zigaretten, Erfrischungen, besonders Fruchtsäfte und Marmeladen) wurden gebracht und in geordneter Weise der Liebesgabensammelstelle in der Wolfschlucht zugeführt.

Eine aufgehängte Sammelbüchse ergab bis zum 6. III. als Kriegsspende den Betrag von 73,06 M, der zu verschiedenen Wohltätigkeitszwecken der Geschäftsstelle des Casseler Tageblattes übersandt wurde.

Am Sedantage spendeten die Schüler den sonst alljährlich für das Waldfest eingezahlten Betrag zur Unterstützung bedürftiger Krieger und Kriegerfamilien. Es wurden 193,05 M an die Stadthauptkasse abgeliefert.

Die SchülerchronikWeltkrieg wurde in 171 Stück regelmäßig bezogen, wofür bis Ende Februar 555,15 M an den Hilfsverein Deutscher Frauen zum Besten der Kinder im Felde stehender Männer gesandt wurden.

In derReichswollwoche entsandte die Anstalt 32 Schüler als freiwillige Helfer.

Im Januar und Februar wurden 20 kg Patronenhülsen usw. gesammelt und an das Artillerie-Depôt abgeführt. Die Vergütung von 5 M wurde der Geschäftsstelle des Casseler Tageblatts zur Verwendung für die Ungezieferplage im Osten übermittelt.