a. M. wurden aus gleicher Veranlassung Glückwunschschreiben übersandt.— An der Provinzial- versammlung zu Wildungen beteiligten sich der Direktor und die Herren Professor Zergiebel, Theisen, Oberlehrer Dr. Heuser, Pietschker, Hintz, Weber, Laubert und Askevold. Herr Oberlehrer Pietschker wohnte auch der vorangehenden hessischen Religionslehrerversamm- lung in Wildungen bei, ebenso Herr Zeichenlehrer Allwohl dem Zeichenlehrertage in Dresden. Herr Oberlehrer Askevold unternahm in den Sommerferien und der anschließenden Schulwoche eine fünfwöchentliche Studienreise nach Nordfrankreich und Paris.
Das wichtigste, die Schule betreffende Ereignis war der Beschluß der Städtischen Körper- schaften, die Schule von Ostern 1906 ab zu einer Oberrealschule auszugestalten. Infolge der hauptsächlich auf dem starken Bevölkerungszuwachs Deutschlands beruhenden wesentlichen Steige- rung der Anforderungen, die auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens eingetreten ist, entwickelten sich seit dem Jahre 1882 aus den Realschulen allmählich in immer stärkerem Maße Oberrealschulen. Für ihre Gründung war der Gedanke maßgebend, daß die mit dem Einjährigen-Zeugnis abschließende Realschule keine volle Abrundung der geistigen Entwickelung auf dem Boden der modernen Bil- dung gewähre, daß sie zu zeitig abbreche, um den gesteigerten Anforderungen zu genügen, die, neben den Laufbahnen mit akademischer Vorbildung, insbesondere der kaufmännische Beruf, Technik und Industrie heutzutage stellen, daß anderseits unsere Weltstellung auch für diese Zweige erstklassige und in jeder Hinsicht tüchtig vorgebildete Kräfte erfordere. Die Oberrealschule ist in keiner Weise eine Fachschule, sondern wie das Gymnasium und das Realgymnasium eine allgemeine Bildungsanstalt, in welcher der ganze Mensch mit allen seinen Kräften, sowohl denen des Verstandes wie der Phantasie, des Gemütes und des Willens, in Zucht genommen werden soll. Sie beruht in ihrem inneren Wesen auf der Uberzeugung, daß die modernen Kulturvölker aus sich selbst heraus so gediegene Geisteswerte geschaffen haben(Shakespeare, Goethe. Bismarck u. s. w.), daß auch an ihnen die Jugend in einer Weise herangebildet werden kann, die sie zu den höchsten Aufgaben befähigt. Indem die Oberreal- schule die alten Sprachen(nicht die antike Bildung!) von den verbindlichen Unterrichtsfächern völlig ausscheidet, kann sie neben den ethischen Fächern mit um so größerem Nachdruck die Muttersprache, die beiden modernen Fremdsprachen, Mathematik, Naturwissenschaften und Zeichnen pflegen und diese Fächer mit einer so ausgiebigen Stundenzahl ausstatten, daß das Ziel mit einer gewissen Leich- tigkeit erreicht wird. Nachdem durch den Allerhöchsten Erlaß vom 26. November 1900 die Gleich- wertigkeit der Oberrealschulbildung mit derjenigen der Lateinschulen ausgesprochen und den Abi- turienten der Oberrealschulen auch der Zutritt zu den Universitäts- und Hochschulstudien eröffnet worden war, erwarb sich diese neueste Schulform, die den veränderten Verhältnissen des modernen Lebens Rechnung trägt und doch ihren Schülern auch den Zugang zu den höheren Berufen und Studien offenhält, im großen Publikum schnell immer allgemeinere Anerkennung. Waren noch 1870 unter rund 400 höheren Schulen nur 13(= 3%) Realschulen vorhanden, so betrug die Zahl der lateinlosen höheren Lehranstalten im Jahre 1900 bereits 175 von im ganzen 626 Schulen.= 28%. Im Jahre 1902 besuchten die lateinlosen höheren Schulen in Preußen bereits 51 194 Schüler= 29%, in Deutschland 105 712 Schüler= 35%. Sie verteilten sich auf 67 Oberreal- und 276 Realschulen, im ganzen auf 343 lateinlose Anstalten. Seitdem ist eine weitere starke Steigerung eingetreten.
Auch die hiesige Realschule hat an dem allgemeinen Aufschwung des lateinlosen höheren Schulwesens lebhaften Anteil genommen. Ihre Schülerzahl entwickelte sich im Laufe der Jahre wie folgt:


