Jahrgang 
1891
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Sprachen zu Marburg, Berlin, London und Paris. Vom 1. Januar 1884 bis Herbst 1885 bekleidete er eine Erzieherstelle und genügte vom 1. Oktober 1885 bis 1. Oktober 1886 seiner Militärpflicht zu Wiesbaden. Nach- dem er am 26. Februar 1886 zu Marburg die Staatsprüfung bestanden hatte, leistete er vom Herbst 1886 bis Herbst 1887 an der Realschule zu Wiesbaden sein Probejahr ab. Nach zweijährigem Aufenthalte im Ausland kehrte er Herbst 1889 an diese Anstalt zurück und war an derselben bis Herbst 1890 als wissenschaftlicher Hilfslehrer beschäftigt. Am Anfange des laufenden Schuljahres wurde der katholische Religionslehrer Herr Kaplan Wiegand nach Eschwege versetzt. An seiner Stelle übernahm Herr Kaplan Jestädt den kath. Religions-Unterricht, zunächst vertretungsweise, durch Verfügung des Königlichen Provinzial- Schulkollegiums vom 28. Oktober 1890 als wissenschaftlicher Hilfslehrer für den katholischen Reli- gions-Unterricht an den hiesigen 3 städtischen höheren Schulen. Herrn Kaplan Wiegand begleiten unsere besten Wünsche in seinem neuen Wirkungskreis.

Friedrich Wilhelm Jestädt, geboren zu Fulda am 4. August 1865, besuchte von Ostern 1877 an das Gymnasium seiner Vaterstadt. Von Ostern 1886 an widmete er sich dem Studium der Theologie. Er besuchte zunächst bis Herbst 1886 die Universität Würzburg, sodann die philosophisch-theologische Lehr- anstalt zu Fulda. Im Dezember 1889 bestand er daselbst sein Examen in der Philosophie und Theologie und wurde darauf zum Priester geweiht. Vom 1. Januar 1890 ab wirkte er sodann als Kaplan in Schmalnau, Kreis Gersfeld, und wurde am 1. Mai 1890 als Kaplan nach Kassel versetzt.

Die Geburts- und Todestage der in Gott ruhenden Kaiser Wilhelm I und Friedrich wurden in der durch den Ministerialerlass vom 23. Juli 1888 vorgeschriebenen Weise begangen. Am Sedantage beteiligte sich die Schule an dem Festzuge der Bürger und der Schuljugend Kassels auf denBowlinggreen, nachdem am Nachmittage des 1. September die Anstalt durch einen Aus- flug mit Musik eine Vorfeier veranstaltet hatte. Ziel des Ausfluges war der Platz an der Rasen- allee oberhalb des Saurasens. Dort hielt Herr Oberlehrer Foertsch, nachdem die Schüler um die Fahnen einen Kreis geschlossen, in Vertretung des durch eine militärische Dienstleistung verhin- derten Dirigenten eine Ansprache, welche in einem Hoch auf den Kaiser gipfelte. Nach einiger Zeit ertönte das Zeichen zu den Wettspielen. Zunächst wurden solche klassenweise ver- anstaltet; den Höhepunkt bildete ein Fünfkampf der Primaner im Laufen, Hoch- und Weitspringen, Stabwerfen und Ringen. Später wurden noch mehrere Gruppen Freiübungen und mit Musikbe- gleitung ein Reigen vorgeführt. In fröhlichster, begeisterter Stimmung rückten die Festteilnehmer, die Sieger mit Eichenkränzen geschmückt, gegen 8 Uhr in der Stadt wieder ein. Nach einer An- sprache des Berichterstatters im Schulhofe schloss mit einem Hoch auf das geeinte deutsche Vaterland die erste gemeinsame Feier der jungen Anstalt.

Am Tage vor Moltke's Geburtstage, am 25. Oktober 1890, fiel der Unterricht aus; Morgens 9 Uhr fand im Saale eine Feier statt, bei der Herr Beinhauer die Festrede hielt.

Der Geburtstag Sr. Majestät unseres Kaisers und Königs wurde am 27. Januar Morgens im festlich geschmückten Saale der Anstalt durch eine öffentliche zahlreich besuchte Schulfeier begangen, von welcher die Behörden, Eltern und Freunde der Schule durch gedruckte Einladungen in Kenntnis gesetzt worden waren. Die Festrede hielt der ordentliche Lehrer, Herr Emil Zergiebel, indem er ausführte, in wiefern sich das Dichterwort:Was du ererbt von deinen Vätern hast, Erwirb es, um es zu besitzen! auf unseren Kaiser anwenden lässt.

Am 6. und 7. Juni fanden die Turnfahrten statt. Das Nähere darüber s. S. 11.

Am 20. Januar wurde der Unterricht ausgesetzt; Lehrer und Schüler gingen zum Zwecke des Schlittschuhlaufens auf den Aueteich