III. Jahresbericht.
Das Schuljahr begann am 14. April 1890. Die Pfingstferien dauerten vom 24. bis 28. Mai, die Sommerferien vom 7. Juli bis 2. August, die Herbstferien vom 29. September bis 11. Oktober, und die Weihnachtsferien vom 24. Dezember 1890 bis 6. Januar 1891.
Mit dem Beginn des Schuljahres trat zu den sechs Klassen Sexta bis Unterprima die Ober- prima als 7te hinzu. Die Anstalt erreichte dadurch ihre volle Klassenzahl. Wie schon im vor- jährigen Bericht bemerkt wurde, hatte das Königliche Provinzial-Schulkollegium unmittelbar nach dem Ausfall der Versetzungsprüfung der Unterprimaner beim Herrn Unterrichts-Minister den Antrag auf Anerkennung der Schule als einer berechtigten Realschule gestellt. Kurze Zeit darauf traf die Antwort ein, dass die Leistungen der Schule, wie sie in jener Prüfung zum Ausdruck gekommen, den Anforderungen entsprechen; zugleich aber knüpfte das Königliche Ministerium mit der städtischen Verwaltung in der Frage des Neubaues Verhandlungen an, welche erst im dritten Vierteljahre ihr Ende erreichten. Das Ergebnis dieser Verhandlungen war, dass die alten Abmachungen, welche vor der Auflösung der Königlichen Gewerb- und Handelsschule zwischen der Schulaufsichtsbehörde und der Stadtverwaltung getroffen waren, von neuem bestätigt wurden. Der Staat stellt weiterhin bis spätestens Ostern 1898 die notwendigen Räumlichkeiten in dem Gebäude Friedrich-Wilhelmsplatz 6 der Schule zur Verfügung, und die Stadt verpflichtet sich bis spätestens Ostern 1898 die neue Schule in einem eignen Gebäude unterzubringen.
Wenn auch die Lage des jetzt benutzten Schulgebäudes als eine günstige bezeichnet werden muss, so wird doch das Verhältnis der vorhandenen Plätze zu der Schülerzahl, besonders in den unteren Klassen, ein derartiges, dass der Neubau schon für die allernächste Zeit ein dringendes Bedürfnis ist. Wie im vorjährigen Jahresberichte erwähnt, sind die Klassen- räume so beschaffen, dass für jede Klassenstufe durchschnittlich nicht mehr als 30 Schüler unter- gebracht werden können. Die zahlreichen Anmeldungen machten es notwendig, davon abzuweichen; es mussten in Sexta und Quinta so viel aufgenommen werden, als der Raum in den zwei grössten vorhandenen Zimmern überhaupt erlaubt. Die Grösse der übrigen Klassenzimmer gestattet aber nicht ein Aufrücken der gleichen Anzahl von Schülern in die mittleren und oberen Klassen. Des- halb ist möglichste Beschleunigung des Neubaues dringend zu wünschen.
Im Dezember traf von seiten des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums die Nachricht ein, dass„zufolge der Mitteilung des Herrn Reichskanzlers vom 27. November die Anerkennung der neuen Schule als einer militärberechtigten Realschule mit rückwirkender Kraft für den diesjährigen Ostertermin(1890) durch das nächste Gesamtverzeichnis der militärberechtigten höheren Lchranstalten zur öffentlichen Kenntnis gebracht werden wird.“
Infolge dessen wurde den unten näher bezeichneten Schülern der Berechtigungsschein für den einjährig-freiwilligen Militärdienst ausgehändigt. Auf den Antrag der beiden beteiligten Direk- toren erhielten die beiden Realschulen unterscheidende Namen; und zwar einigte man sich dahin, die beiden Schulen nach ihrer Lage zu bezeichnen. So erhielt die alte Realschule den Namen „Realschule in der Hedwigstrasse“, unsere Anstalt, welche vor der Hand noch kein festes eigenes Heim hat, bis auf weiteres die Bezeichnung„Neue Realschule.“
Nachdem die Frage der Anerkennung der neuen Anstalt erledigt war, erfolgten folgende Beförderungen: Der Wahl des bisherigen Leiters der Anstalt zum Direktor wurde durch allerhöchste


