Jahrgang 
1909
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III. I ahresbericht,

Das Schuljahr begann am 27. April 1908 mit der Prüfung der für die Klassen Quinta bis Unterprima angemeldeten Schüler. Die für Sexta angemeldeten waren bereits am Freitag, den 10. April, geprüft worden. Im ganzen wurden 109 Schüler aufgenommen, 83 in Sexta, 26 in den übrigen Klassen.

Die Verwaltungs-Kommission der Oberrealschule I bestand aus den Herren Oberbürger- meister Müller(Vorsitzender), Stadtschulrat Bornmann bis zum 1. Okt. 1908, seitdem Stadt- schulrat Bobritz, Großhändler F. W. Schoppach und Kommerzienrat Vogt als Mitgliedern des Stadtrats: den Herren Hofapotheker Nagell, Rechnungsrat Stippich und Sanitätsrat Dr. med. von Wild als Stadtverordneten und dem Unterzeichneten.

Im Bestande des Lehrerkollegiums sind gegen das Vorjahr mehrfache Veränderungen vorgekommen. Es verließen uns Ostern H. Oberl. Dr. Kusche, der an die Realschule in Lübeck überging, und H. Zimpel, welcher eine Lehrerstelle an der Deutschherren-Mittelschule in Frankfurt a. M. übernahm.

Herr Prof. Seibt sah sich durch Gesundheitsrücksichten gezwungen, auch nach Ostern 1908 Urlaub zu nehmen. Mit tiefem Bedauern sahen wir den hochgeschätzten Amtsgenossen, der sich bei den Kollegen allgemeiner Verehrung erfreute, nach 33 jähriger ersprießlicher Tätig- keit am 31. Oktober von der Anstalt scheiden. Bei der Abschiedsfeier, welche die Schule an dem genannten Tage im Festsaale abhielt, konnte ihm der Unterzeichnete den Roten Adler- orden 4. Kl. und als Zeichen der Freundschaft seiner Kollegen die Marmorbüste Beethovens mit den herzlichsten Wünschen für sein ferneres Wohlergehen überreichen.

Ein schwerer Verlust traf die Anstalt am 18. Dezember durch das Hinscheiden des Herrn Prof. Gally. Ein langjähriges schweres Leiden hatte den lebensfrischen und unermüdlich tätigen Lehrer gezwungen, im Herbst einen halbjâhrigen Urlaub zu nehmen, von dem wir Besserung und Stärkung erhofften. Doch ein sanfter Tod erlöste den verehrten Kollegen, uns allen un- erwartet, von seinen Leiden. In ihm verlieren wir einen treuen, zuverlässigen Freund und Mit- arbeiter, einen fröhlichen, anregenden Genossen, einen hervorragenden Lehrer von reichem Wissen und hoher pädagogischer Begabung. Sein Andenken wird im Gedächtnis seiner Kollegen wie seiner Schüler in Ehren weiterleben.

Neu traten in das Kollegium ein: H. Oberl. Ehringhausi¹) vom Realprogymnasium in Eupen und H. Lehrer Kuntze ²) von der Bürgerschule in Lauchstedt.

¹) Friedrich Ehringhaus, geboren am 7. Februar 1875 in Windecken, Kreis Hanau, besuchte das Gym- nasium zu Fulda und studierte in Marburg, Halle und Berlin Theologie und Philologie. Nach Ablegung der ersten theologischen Prüfung im Herbst 1897 wurde er Erzieher und Lehrer am ev. Pädagogium in Godesberg a. Rhein. Im Sommer 1899 bestand er in Bonn die Prüfung pro facultate docendi. Nachdem er das militärische Dienstjahr ab- geleistet hatte, wurde er Rektor der Lateinschule in Wächtersbach. 1901 legte er die zweite theologische Prüfung in Cassel ab und wurde dann Pfarrer in Hohenzell. Seit Herbst 1904 wirkte er als Oberlehrer am Realgprogymnasium in Eupen. Im Winterhalbjahr 1907,08 nahm er am Turn- und Schwimmlehrer-Kursus in Bonn teil.

²) Felix Kuntze wurde am 14. September 1878 zu Wahren bei Leipzig geboren. Er besuchte das Seminar zu Weißenfels a. S., bestand 1899 die Befähigungsprüfung und wurde in Bischdorf, Bez. Merseburg, angestellt. 1902 legte er die Prüfung zur festen Anstellung ab. Im Winterhalbjahr 1902/03 nahm er am Turnlehrerbildungskursus in Halle teil. Er folgte dann einer Berufung nach Bad Lauchstedt, wo er bis Ende März 1908 tätig war. In den Jahren 1904 bis 1908 beteiligte er sich an einem staatlichen Zeichenkursus und an verschiedenen Spielkursen.