den Lebens- und Studiengang des letzteren sind die nötigen Angaben bereits in dem Oster- programm von 1889, S. 66 enthalten, der erstere giebt von seinem Lebenslauf folgenden Abriss: Oskar Bethge, geboren am 5. März 1862 zu Stargard in Pommern, evangelischen Bekennt-
nisses, Sohn des Oberpostkassenrendanten und Rechnungsrates B. Bethge zu Cassel, besuchte von
Ostern 1869 bis 1873 die Realschule zu Cassel. von da ab bis Herbst 1881 das hiesige Gymnasium
(Lyceum Fridericianum), widmete sich bis Ostern 1885 auf den Universitäten Marburg und Greifs-
wald dem Studium der deutschen Philologie, der Geschichte und Geographie und bestand am
29. Oktober 1886 die Prüfung für das höhere Lehramt. Vom Herbst 1886 bis Herbst 1887 genügte
er seiner Militärpflicht, leistete darauf an dem hiesigen Realgymnasium das Probejahr ab und war
an derselben Anstalt als Hilfslehrer bis Ostern 1890 thätig.
Durch Beschluss des Kuratoriums vom 19. Dezember 1889 wurde im Einverständnis mit den städtischen Behörden und mit Genehmigung des Kgl. Prov.-Schulk. die eine der vor- handenen Hilfslehrerstellen von Ostern v. J. ab in eine ordentliche Lehrerstelle verwandelt. Hierdurch, sowie durch Veränderungen an den beiden anderen hiesigen städtischen höheren Schulen, wurde eine nahezu allgemeine Vorrückung des zur Gehaltsgemeinschaft gehörenden Lehrerkörpers ermöglicht. In den Genuss der neuen Stelle gelangte der wissenschaftliche IIilfs- lehrer Herr Gally.
Am 7. Mai verliess uns Herr Kaplan Wiegand, welcher seit November 1884 den katholischen Religionsunterricht an der Realschule erteilt hat, um in Eschwege eine Pfarrer- stelle zu bekleiden. Unsere besten Wünsche haben den scheidenden Herrn in sein neues Amt begleitet. An seine Stelle als Religionslehrer trat vom 29. Mai ab Herr Kaplan Jestädt.
Friedrich Wilhelm Jestidt, geb. den 4. August 1865 zu Fulda, katholischer Konfession, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt von Ostern 1877 bis Ostern 1886. Er studirte darauf ½ Jahr an der Universität zu Würzburg, dann 3 Jahre an dem Priesterseminar zu Fulda, wo er nach bestandenem Examen am 21. Dezember 1889 zum Priester geweiht wurde. Vom 1. Januar bis Anfag Mai 1890 fungirte er als Kaplan in Schmalnau, Kreis Gersfeld.
B) Vaterländische und andere Festlichkeiten.
An den Geburts- und Sterbetagen der Kaiser Wilhelm I. und Friedrich wurde in der vorgeschriebenen Weise die letzte Vormittagsstunde der Erinnerung an die dahin- geschiedenen Monarchen gewidmet.
Am 2. September vorigen Jahres, als dem 20. Gedenktage der Schlacht bei Sedan, wurde das Andenken daran von der Realschule gleich den anderen hiesigen höheren Lehr- anstalten morgens durch eine gröſsere allgemeine und öffentliche Feier begangen. Am Nach- mittag unternahmen die Schüler unter Begleitung der Lehrer weitere Märsche.
Am 25. Oktober begingen wir den 90. Geburtstag des General-Feldmarschalls Grafen von Moltke durch eine Vorfeier in der Aula. Dieselbe wurde eingeleitet durch den Ge- sang eines Chorals, es folgte der Vortrag eines von Herrn Kollegen Walter in Bockenheim zur Feier des Tages verfassten und uns freundlichst übersandten Gedichtes, dann die Festrede des Herrn Dr. Meinhoff, in welcher er ein Lebensbild des greisen Heerführers entwart, weiter eine Reihe dem Tage angemessener Deklamationen; die Feier schloss mit einem Chor-Gesang.
Die erste Morgenstunde des letzten Schultags des Jahres 1890, der 23. Dezember, wurde, wie im vorhergehenden Schuljahre, zu einer kleinen Vorfeier des Weihnachtsfestes ver- wandt, bei welcher unter dem Lichterglanz cines Christbaums die zwei Gedichte„der Weihnachtsbaum“ von H. Seidel und„des fremden Kindes heiliger Christ“ von F. Rückert


