Jahrgang 
1882
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übersieht und etwa unter Anleitung des Programms einer technischen Hochschule, sich dieselbe zer- legt, wird wahrscheinlich zu dem Resultate kommen, dass keine der Fakultäten unserer Univer- sitäten mit Ausnahme der medizinischen ein umfassenderes Studium erfordert, als die Abteilung der technischen Hochschule für Architektur, Ingenieurwissenschaft und Maschinenbau; und es wird gerechtfertigt erscheinen, dass diese einesteils gleiche Ansprüche an die Vorbildung stellen, als jene, andernteils gleichfalls dem Beispiele jener folgend, in dem Gange des Unterrichts alle Hemmnisse zur Seite halten, welche der Erreichung dieses Ziels wenigstens mit den besseren ihrer Schüler im Wege stehen könnten. So hat sich auf den technischen Hochschulen namentlich das Bedürfnis der Lehr- und Lernfreiheit kurzum akademischer Freiheit aus dem Interesse dieserbesseren fühlbar gemacht und zur Geltung gebracht.

Man wird zugeben, dass der Bedarf unserer Industrie an Technikern durch solche, welche jenes hohe Ziel der technischen Hochschulen wirklich oder wenigstens annähernd erreichen, nicht gedeckt wird, dass aber für die weitaus grösste Zahl der Stellungen, welche Techniker einzunehmen berufen sind, eine Ausbildung in dem oben angezeigten Umfange auch nicht nötig ist; man wird auch zugeben, dass jenes Ziel wegen unzureichender geistiger Anlagen oder materieller Mittel für Viele unerreichbar ist, dass aber darum die Technik noch nicht auf ihre Kräfte zu verzichten braucht, sie selbst den Zutritt zu einer technischen Laufbahn, zu lohnenden und angenehmen Stellungen sich noch nicht zu versagen Ursache haben. Diesen jungen Leuten eine ihren Kräften, wie den an sie dereinst zu stellenden Anforderungen entsprechende Ausbildung zu geben, ist die Aufgabe der technischen Mittelschulen. Nicht das ist ihr Ziel, dass ihre Schüler den höchsten Aufgaben ihres Berufes sich dereinst gewachsen zeigen, sondern dies, dass sie für die bei ihrem Eintritte in den Beruf nächstliegenden Aufgaben das gehörige Verständnis mitbringen, Fertigkeit und Ubung in der Lösung dieser Aufgaben, sowie Geschick in den erforderlichen Handfertigkeiten sich angeeignet haben. Dem Standpunkte ihrer geistigen Entwickelung gemäss und gewiss nicht zum Nachteile für ihre Ausbildung wird der Unterricht schulmässig betrieben; es haben also die Lehrer die Ver- pflichtung, dafür zu sorgen, dass das Verständnis des Unterrichtsstoffs von Seiten der Schüler wirklich erreicht werde, und es sind die darauf abzielenden Veranstaltungen von ihnen zu treffen, wie es an jeder Schule in bekannter Weise Gebrauch ist. Insbesöndere sollen die Lehrer der ex- akten Wissenschaften, der mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächer, sich ohne jede Rück- sicht auf das in Hinsicht jenes Zieles Unentbehrliche beschränken. Nicht die Wissenschaften, als solche, sind auf der Anstalt zu lehren, sondern die dem Techniker nützlichen Ergebnisse derselben sind in ihrem wissenschaftlichen Zusammenhange darzulegen und einzuüben. Namentlich kommt es darauf an, die Methode dieses Unterrichts nicht nur an sich anregend, sondern auch so zu ge- stalten, dass das Denkvermögen des Schülers in einer Weise beschäftigt werde, welche mit dem bei Lösung technischer Aufgaben sich vollziehenden Denkprocesse übereinstimmt.

Die voraufgehenden Bemerkungen bilden ebensoviele Gegensätze dem Grade, nicht der Art nach in dem Wesen der technischen Mittelschule zu dem der Hochschule. Betrachten wir noch den Eintritt der Schüler, welche die eine oder die andere Anstalt absolviert haben, in die prak- tische Laufbahn, so werden die von den Hochschulen kommenden bei Annahme ihrer ersten Stel- lungen aus der Sphäre, in welcher sich ihre Gedanken vorher bewegt haben, herabsteigen müssen zu sehr viel einfacheren Aufgaben. Tüchtige Leute werden sich hier bald einfinden und durch ihre Leistungen ihre Vorgesetzten überzeugen, dass ihre Kräfte auch grösseren Anforderungen ge-