Jahrgang 
1882
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empfindlich sind, weil auf der ersten Stufe dieser Laufbahn der kameradschaftliche Geist der Stu- dierenden auf der Hochschule die Unterschiede der Vorbildung zu verwischen pflegt. Möge jeder von uns, die wir berufen sind, als Eltern oder Angehörige unserer Kinder, als Lehrer oder Lehr- herrn, durch Weisungen oder Ratschläge mehr oder weniger bestimmenden Einfluss auf die Wahl des Lebensberufs des heranwachsenden Geschlechtes, auf Anordnungen, die in dieser Hinsicht zu treffen sind, auszuüben, eingedenk sein, dass wir das wahre Glück der unserer Pflege und Obhut anvertrauten Jugend nur durch solche Ratschläge befördern werden, welche sich in jedem einzelnen Falle streng an das Gegebene, wie es in dem Grade und der Art der Fähigkeiten des jungen Mannes und in seinen äusseren Lebensverhältnissen thatsächlich vorliegt, halten; dass das praktische Leben selbst Mittel und Wege hat, die vorhandenen Fähigkeiten nicht nur zu entfalten, sondern auch weiter zu entwickeln und demgemäss die äussere Lebensstellung zu heben; dass aber die hierzu erforderliche Beharrlichkeit und Kraft des Willens nur bei denjenigen erwartet werden kann, die gelernt haben ihre Wünsche und Bestrebungen den gegebenen Verhältnissen unterzuordnen kurzum: dass das Glück nur bei der Zufriedenheit wohnt, wir sonach alles hintenan zu halten haben, was mit dem Anschein jenes zu befördern, ganz die Anlage dazu hat, diese zu untergraben.

Die Erscheinung, dass den technischen Mittelschulen nur ein sehr kleiner Bruchteil derjenigen Gewerbtreibenden sich zuwendet, welche mit Sekundaner-Bildung zum Fachstudium übergehen, muss, wie die hier eingehenden Anfragen beweisen, andererseits dem Umstande beigemessen werden, dass die Vorstellungen von dem Lehrgange und den Lehrzielen dieser Anstalten und somit auch von deren Nutzen dem Publikum noch wenig geläufig sind.

Es ist schon mehrfach dem Publikum dargelegt worden, dass die Unterrichtsfächer unserer Anstalt dieselben sind, als auf den technischen Hochschulen, dass hier wie dort in den Berufs- wissenschaften nicht nur praktische Regeln für die Herstellung etwa einer Baukonstruktion, eines Maschinenteils ete. gegeben, sondern gleichzeitig die Gründe erörtert werden, aus welchen man diese oder jene Anordnung trifft. Die Einführung dieses Zweckbegriffs macht jene Lehrfächer zu wirklichen Unterrichtsgegenständen, insofern neben der Erwerbung nützlicher Kenntnisse der Ver- stand geschärft, das Urteil geübt, sowie endlich dem Schüler die Gewohnheit anerzogen wird, seine Denkkraft selbständig zu gebranchen.

Dem angeführten Gemeinsamen in dem Lehrgange beider Arten von technischen Lehranstalten stehen die Unterschiede gegenüber, welche aus der Verschiedenheit in dem Standpunkte der Vor- bildung ihrer Schüler und aus der ihrer Lehrziele entspringen. Vorab muss hier bemerkt werden, dass die Einrichtung einer durch allgemeine Verordnungen geregelten Laufbahn für Maschinen- techniker, die sich dem Staatsdienste widmen wollen, wie sie für Architekten und Bauingenieure längst besteht, und durch die Sitte, dass ungleich mehr Studierende, als der Staatsdienst wirklich erfordert, Staatsprüfungen abzulegen sich vorsetzen, in diesen Berufsfächern der Charakter des Studiums sich vielleicht unbemerklich, aber unwillkürlich den Bedürfnissen des Staatsdienstes, wie sie in den bei den Prüfungen zu genügenden Anforderungen zum Ausdruck kommen, nähert. Diese Aufgabe liegt nicht auf dem Wege, welchen unsere Anstalt ihre Schüler zu führen hat.

Ubrigens stellen sich die technischen Hochschulen das Ziel, die Studierenden in den mathe- matisch-naturwissenschaftlichen Disciplinen und in den Berufsfächern so weit zu führen, dass sie je nach ihren Anlagen zur Lösung der höchsten Aufgaben ihres Berufes, somit dazu befähigt werden, dereinst die Theorie oder Praxis ihres Berufsfachs zu bessern und zu Krderm. Wer die Aufgabe