— 15 Behandlung der Dampfmaschinen und Wasserräder(diess für die Maschinenbauer etwas spezieller), sowie der wichtigeren Abschnitte aus der mechanischen Technologie, für die zukünftigen Architekten eine Uebersicht über die Geschichte der Architektur, nebst Uebungen in jenen Disziplinen, und für die zukünftigen Architekten im Entwerfen von Wohngebäuden und Aehnlichem.— Der Unterschied hinsichtlich der Ausbildung unserer Schüler und der Polytechniker in diesen Fächern liegt nun nicht darin, dass jene Disziplinen auf der einen Anstalt in streng wissenschaftlichem Gewande vorgetragen werden, auf der anderen nicht— etwa auf der höheren Gewerbeschule„mehr praktisch“! In dieser Beziehung ist die Methode ganz dieselbe; die streng wissenschaftliche ist fur diese Stufe der Ausbildung überhaupt die am meisten praktische. Jener Unter- schied muss vielmehr zunächst darin gesucht werden, dass bei uns der Unterricht in jenen Disziplinen sich auf einen etwas kleineren Kreis beschränkt, seltenere Spezialitäten, welche die Uebersicht erschweren würden, vielleicht übergangen werden; und dass er sich ferner über eine grössere Zeit verbreitet; während er auf den polytechnischen Hochschulen einerseits vollständiger ist, andererseits auf eine kürzere Zeit zusammengedrängt wird. Bei uns ziehen sich Repetitionen des Dagewesenen durch die ganze Schulzeit und kehren namentlich auf verschiedenen Stufen der Aus- bildung wieder, um mit der gesteigerten geistigen Kraft dasselbe nochmals zu durch- denken, so die Sicherheit des Wissens, die Schärfe des Auffassens, als das Selbst- vertrauen des Schülers fördernd. Ein weiterer und wohl der wesentlichste Unterschied besteht aber darin, dass das eine der Institute eine Hochschule mit akademischer Preiheit der Studirenden, das andere eine Schule ist, die bei ihren Schülern ein im Wesentlichen gleichmässiges Fortschreiten Aller zu verlangen ein Recht hat, dadurch das wirkliche Unterrichten(ich unterscheide: Unterrichten und„Lesen“) erleichtert und in jeder Beziehung eine grössere Gewähr bietet, dass der kleinere Kreis des Wichtigen auch wirklich verstanden und erlernt werde. Hieraus sollte meines Dafürhaltens dann folgen, dass diejenigen, welche ihre Vorbildung für die oberen Kurse der polytech- nischen Schulen auf der höheren Gewerbeschule sich erworben haben, ein leichteres und vollkommneres Verständniss für die höheren und schwierigeren Aufgaben der polytechnischen Hochschulen mitbringen, als. die grosse Mehrzahl derjenigen, welche das Nämliche unter gleichzeitigem Genuss„akademischer Freiheit“ gehört haben. Ich darf nicht verschweigen, dass es auch kompetente Stimmen giebt, welehe hierüber anders urtheilen: die Zeit mag entscheiden!— Andererseits soll natürlich nicht bestritten werden, dass die einer Hochschule zukömmliche Behandlungsweise jener Wissenschaften für gewisse Individualitäten— für solehe, die, wie Lessing gelegentlich sagt, doppeltes Futter brauchen, die zuträglichere ist; sowie für solche Schüler allgemeiner Bildungs- Anstalten, bei welchen die Neigung für einen technischen Beruf erst in der Prima zum Durehbruch kommt, oder deren Angehörige die Absolvirung der allgemeinen Bildungs- Anstalt prinzipiell wünschen, die auch jung und frisch genug sind, es zu können— der Weg durch die unteren Kurse der polytechnischen Schulen der nähergelegene ist.
Jahrgang
1874
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