Jahrgang 
1915
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Im übrigen war der Unterricht in dieſer Kriegszeit manchen unvermeidlichen Hemmungen und Störungen ausgeſetzt. Zunächſt war die in den erſten Tagen der Mobilmachung beſonders hochgehende patriotiſche Erregung einem ruhigen Unterrichtsbetrieb nicht günſtig. Es wurde deshalb auch von einer behördlichen Ermächtigung Gebrauch gemacht und der Unterricht Donnerstag, den 6. Auguſt geſchloſſen und erſt am 11. Auguſt vormittags wieder aufgenommen. Dazu kam, daß viele Schüler auf dem Lande bei der Einbringung der Ernte behülflich ſein wollten. Am 4., 5. und 6. Auguſt wurden zu dieſem Zwecke auf den Wunſch ihrer Eltern 45 Schüler beurlaubt, 10 aus UI, 17 aus 0 II, 14 aus UII, 3 aus 0 III und 1 aus UIII, die meiſten bis zum 15., einige bis zum 22. Auguſt. In der UI mußte daher der Unterricht bis zum 15. Auguſt überhaupt aus⸗ fallen und wurde erſt am 17. Auguſt wieder aufgenommen. Die Schüler hatten ſich auf die verſchiedenſten Gegenden verteilt. So waren 8 Schüler in Harmuthſachſen, 7 in der Umgegend von Grebenſtein, 9 in Dorla tätig, andere in Weimar, Ehrſten, Hümme, Asbach, Carlsdorf, Frielendorf, Weiſenhaſel, Udenborn, Felsberg, Siebertshauſen u. a. Einige von ihnen, die der Erntearbeit ſelbſt nicht gewachſen waren, haben bei Beaufſichtigung der Erntearbeiter wertvolle Dienſte geleiſtet.

Für einige Zeit hatten ſich auch im Auguſt und September 18 Schüler, meiſt Radfahrer, wochenweiſe dem Roten Kreuz zur Verfügung geſtellt, und durften ſich an Lazaretten und Bahnhöfen im Dienſt des Vaterlandes betätigen. Es waren aus O0 II 3, aus UII 8, aus OIII 5 und aus IV 2 Schüler.

Vom 18.23. Januar fand die Reichswollwoche ſtatt. Auch hieran beteiligten ſich durch Abholen von Wollſachen an je 2 Tagen 35 Schüler, aus UI 6, aus OII 14, aus UII 4, aus O III 11, aus UIII 11 und aus VI 2 Schüler.

Weniger beteiligt waren die Schüler beim Goldſammeln. Von 16 Schülern, die ſich auf dieſem Gebiet betätigten, wurden 1910 in Gold der Reichsbank zugeführt. Als die Militärbehörde zur Ablieferung aller Patronen und Patronenhülſen aufgefordert hatte, brachten die Schüler der IV, V und VI ſehr bald 3 Kilogramm ſolcher Hülſen herbei, die im Artilleriedepot abgeliefert wurden.

Im Anſchluß an den oben mitgeteilten Miniſterialerlaß vom 16. VIII., in dem die Samm⸗ lung und militäriſche Vorbereitung der heranwachſenden Jugend nach den vom Kriegsminiſterium gegebenen Richtlinien angeordnet war, erſchien am 4. September in allen Caſſeler Zeitungen ein Aufruf des Herrn Oberſtleutnant a. D. Müller⸗Hempfing, des Abteilungsführers beim Kriegs⸗ bekleidungsamt, worin die Caſſeler Jugend, ſoweit ſie noch nicht waffenfähig war, zur Bildung einer Kriegsjugendwehr, die alle ſchon beſtehenden Jugendorganiſationen umfaſſen und Geiſt und Körper zielbewußt auf den zukünftigen Waffendienſt vorbereiten ſolle, für Sonntag, den 6. Sept., nachmittags 3 Uhr, auf den Kaſernenhof des 83. Inf.⸗Regts. eingeladen wurde. Die Jugend ſtrömte in ſolcher Menge herbei, daß nicht, wie urſprünglich beabſichtigt war, drei, ſondern vier Jugendbataillone gebildet wurden. Die Jungmannſchaften ſind auf die Bataillone nach Stadtbezirken verteilt, und dieſe haben ihre Sammelplätze in den Kaſernen, die in dem betreffenden Stadtteil liegen. Darnach heißen ſie Bataillon I 83, Bat. II 83, Bat. 167 und Bat. 11. Seit dem 6. Sept. finden an jedem Sonntag Nachmittag die verſchiedenartigſten Ubungen teils auf dem Kaſernenhof teils im Gelände ſtatt. In Caſſel ſind neben der älteren Jugendwehr von 1618 Jahren die jüngeren Schüler zwiſchen 13 und 16 Jahren in beſonderen Kompagnien vereinigt. Die Mitglied⸗ ſchaft iſt natürlich ganz freiwillig. Aus dem Friedrichsgymnaſium traten im ganzen 70 Schüler der Jugendwehr bei; und zwar aus I 6, aus OII 16, aus UII 7, aus O III 14, aus U III 17 und aus IV 10. Von Lehrern betätigten ſich beſonders Herr Kandidat Stern und Herr Kandidat Dr. Kuhring.

In der großen und erhebenden Zeit, die dem deutſchen Volke jetzt geſchenkt iſt, war das Beſtreben der Schule ſelbſtverſtändlich auch darauf gerichtet, die Schüler die gewaltigen Ereigniſſe der Tage miterleben zu laſſen, ihre Eindrücke zu vertiefen und für das Leben fruchtbar zu machen. Dieſem Zwecke dienten neben den wöchentlichen gemeinſamen Kriegsandachten in erſter Linie die Siegesfeiern, die meiſt ſo begangen wurden, daß nach der dritten oder vierten Stunde der Unterricht abgebrochen und die Schüler in der Aula verſammelt wurden, wo dann ein Choral an⸗ geſtimmt, ein geeignetes Schriftwort verleſen, die Bedeutung des Sieges dem Verſtändnis der Jugend nahegebracht und die vorbildliche todesmutige Treue und opferwillige Hingabe unſerer wackeren Krieger in anſchaulichen Bildern vorgeführt wurde. Mit Gebet und dem Geſang eines religiös⸗