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Gymnaſium zur Fortſetzung ſeines Probejahrs dem Friedrichs⸗Gymnaſium überwieſen und am 24. Auguſt Herr Kandidat Ludwig Stern als wiſſenſchaftlicher Hilfslehrer mit der Vertretung des Herrn Dr. Piſtor beauftragt war, konnte der Unterricht von da ab lückenlos durchgeführt werden.
Mit Schluß des Sommerſemeſters verließen uns die Herren Seminar⸗Kandidaten Bachmann und Kleeberg. Herr Bachmann ging als Probekandidat an das hieſige Wilhelms⸗Gymnaſium, während Herr Kleeberg dem Goethe⸗Gymnaſium in Frankfurt a. M. zu weiterer Beſchäftigung überwieſen wurde. Am 13. Oktober wurde der Seminar⸗Kandidat Herr Dr. Otto Kuhring der Anſtalt zur praktiſchen Ausbildung überwieſen. Gleichzeitig wurde genehmigt, daß der Oberlehrer a. D. Herr Profeſſor Dr. Martin“), der in dankenswerter Bereitwilligkeit ſeine Dienſte der Schule freiwillig angeboten hatte, für das Winterhalbjahr in OII und UIII je 2 Religionsſtunden aushilſsweiſe erteilte. Inzwiſchen war auch Herr Profeſſor Dr. Piſtor ſoweit wieder hergeſtellt, daß er 8 Stunden in UII wieder übernehmen konnte. Am 16. November wurde Herr Kandidat Dr. Ries und am 10. Dezember Herr Kandidat Stern zum Heeresdienſt einberufen. Für den letzteren trat aber ſchon am 12. Dezember Herr Kandidat Groß vom Gymnaſium in Limburg als wiſſenſchaftlicher Hilfslehrer ein und übernahm den Unterricht des Herrn Stern, während Herr Dr. Kuhring für Herrn Dr. Ries eintrat, wobei allerdings einige Verſchiebungen notwendig wurden. Bald aber wurden von neuem Anderungen nötig, als am 1. Februar Herr Profeſſor Temme zum Heeresdienſt einberufen, am 7. Februar Herr Kandidat Kuhring zur Vertretung an die Städtiſche Realſchule beurlaubt und am 18. Februar auch Herr Kandidat Groß zum Landſturm eingezogen wurde. Nun wurden die Stunden des Herrn Profeſſor Temme und des Herrn Dr. Kuhring in der Weiſe verteilt, daß das Turnen der I mit dem der 0 II vereinigt, der griechiſche Unterricht in U III Herrn Profeſſor Martin, der Unterricht in IV Herrn Seminar⸗Kandidat Hermann Heller vom Wilhelms⸗Gymnaſium übertragen wurde und Herr Profeſſor Piſtor ſeinen Unterricht wieder in vollem Umfang ſelbſt übernahm. In den Unterricht des Herrn Groß teilten ſich die Herren Stoll, Hüpeden, Hebel, Paul und Israel, vorübergehend auch Herr Heller. Inzwiſchen war jedoch Herr Kandidat Groß von der Behörde als unabkömmlich reklamiert und kehrte am 22. März an die Anſtalt zurück.
So konnte der Unterricht während des ganzen Schuljahres, abgeſehen von einigen Turn⸗ ſtunden, die in IV und V ausfallen mußten, ohne ÜUnterbrechung durchgeführt werden; aber unter dem beſtändigen Wechſel der Lehrer hatten doch einige Klaſſen ziemlich zu leiden. Faſt gar nicht iſt durch den häufigen Wechſel berührt worden die O I, UI, O0I, O III und VI; am meiſten die IV. und V, wie aus der Überſicht über die Stundenverteilung leicht erſehen werden kann.
Auch unter den Schülern der Anſtalt machte ſich in dem abgelaufenen Jahr ein ſtärkerer Wechſel als ſonſt bemerkbar. Aus den öſtlichen und weſtlichen Grenzbezirken kamen bei Beginn des Krieges mehrfach, namentlich jüngere Schüler auf einige Zeit zu hieſigen Verwandten und beſuchten vorübergehend die Anſtalt. Als ſich ſpäter die Verhältniſſe geklärt hatten und ein feindlicher Einfall nicht mehr zu befürchten ſtand, gingen ſie zum Teil wieder in ihre Heimat zurück. Andere dagegen ſind für die Dauer des Krieges ganz nach Caſſel übergeſiedelt und werden erſt nach dem Krieg wieder die Anſtalt verlaſſen. Als Mitte November ein Teil der militärpflichtigen männlichen Bevölkerung aus den Grenzorten Oberſchleſiens vorübergehend auf einige Wochen nach Heſſen⸗Naſſau verpflanzt war, befanden ſich darunter auch eine Anzahl Schüler vom Königlichen Gymnaſium in Ols. Elf von ihnen wurden durch Verfügung vom 23. XI. dem Friedrichs⸗Gymnaſium über⸗ wieſen und haben hier den Unterricht bis zum 8. XII. beſucht. Am 9. XII. fuhren ſie, da inzwiſchen die Gefahr eines ruſſiſchen Einfalls beſeitigt war, wieder in ihre Heimat zurück. Die Schüler waren während der 14 Tage hier in Privatquartieren untergebracht. Es waren die Unterprimaner Ludwig Haukohl und Martin Müller, die Oberſekundaner Herbert Friedrich und Fritz Gruß, die Unterſekundaner Gerhard Gerſtenberger, Georg Pauli, Otto Weygandt und Georg Zimmer⸗ mann, ſowie die Obertertianer Walter Grimm, Ferdinand Pawlidte und Kurt Radtki.
*) Karl Martin, geb. in Grebenſtein am 16. Dezember 1848, beſuchte das Gymnaſium zu Caſſel bis 1867, ſtudierte in Marburg, Erlangen und Göttingen, beſtand Auguſt 1870 in Marburg die theologiſche und im Februar 1874 in Göttingen die philologiſche Prüfung, wurde alsdann dem Friedrichs⸗Gymnaſium in Caſſel über⸗ wieſen und hier ſeit April 1874 als Hilfslehrer beſchäftigt, war dann vorübergehend in Schmalkalden tätig und ſeit 1875 als Oberlehrer am Gymnaſium in Weſel und ſpäter in Kreuznach angeſtellt. Im September 1914 trat er in den Ruheſtand und ſiedelte Anfang Oktober nach Caſſel über.


