Jahrgang 
1915
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Glogau, der ſchon tags zuvor von ſeinem Ferienurlaub zurückgekehrt war, hatte als Hauptmann der Landwehr den Befehl erhalten, ſich am dritten Mobilmachungstage, alſo am Morgen des 4. Auguſt, in Weimar bei dem neu zu formierenden Landwehr⸗Infanterie⸗Regiment 83 zu ſtellen. Nachdem er am 3. Auguſt in der Mittagsſtunde die Leitung der Anſtalt dem unterzeichneten Profeſſor Hüpeden übertragen hatte, begab er ſich nach Weimar.

Am Morgen des 4. Auguſt wurde der Unterricht mit einer gemeinſamen Kriegsandacht begonnen, und es war ein bewegter Augenblick, als am Schluſſe der Andacht die nachſtehenden zündenden Worte zur Verleſung kamen, mit denen ſich Herr Direktor Glogau von der Anſtalt ſchriftlich verabſchiedet hatte:

Meine hochverehrten Herren Kollegen! Meine lieben Schüler!

Dem Rufe meines Königs folgend, kann ich nicht mehr vor Euch hintreten ſo rufe ich Euch auf dieſem Wege ein herzliches Lebewohl zu! Der furchtbarſte Völkerkrieg, den die Weltgeſchichte je geſehen, iſt durch die Ruchloſigkeit frecher Mordbuben uns aufgedrängt worden. Wir ſahen ihn kommen: gilt es doch in letzter Linie dem auf allen Kulturbahnen ſieghaft vorausſchreitenden Deutſchtum, gegen das ſich die Horden der Neider von allen Seiten verſchworen haben! Ein Rieſenkampf ſteht uns bevor; nur wenn wir alle Kraft einſetzen, können wir obſiegen. Auch an Euch, liebe Schüler, ergeht der Ruf des Vater⸗ landes. Wer von Euch die Waffen tragen kann, wird ſich das weiß ich zu der Ehre drängen, Blut und Leben für die heilige Sache einzuſetzen! Aber auch den andern bringt die nie dageweſene Stunde neue, nie geahnte Aufgaben. Ich verlaſſe mich darauf, daß jeder einzelne von Euch, ſtolz darauf, unſeres erhabenen Kaiſers Mitſchüler zu ſein, wett⸗ eifern wird, das teure Friedrichsgymnaſium in allererſter Reihe marſchieren zu laſſen!

Eine gewaltige Zeit iſt es, die Ihr durchlebt, zeigt Euch der Größe des Augenblickes würdig! Nur durch ſeine überlegene Sittlichkeit: Frömmigkeit, Vaterlandsliebe, Treue, Ge⸗ horſam und Ordnung wird deutſches Weſen den Sieg erringen. Dazu verhelfe uns Gott! Er halte ſeine ſtarke Hand gnädig über unſer Land, unſer Heer, unſern Kaiſer! Und ihm, dem vielgeliebten Herrſcher und Heerführer, bringen wir in dieſer Stunde unſere Huldigung dar: Er lebe hoch, hoch, hoch!

Mit jubelnder Begeiſterung ſtimmten alle aus vollem Herzen ein. Noch an demſelben Tage meldeten ſich 16 Primaner zur Notreifeprüfung, nachdem ſie die väterliche Einwilligung und das Zeugnis über ihre Felddienſttauglichkeit beigebracht hatten. Am 5. Auguſt fiel der Unterricht wegen des allgemeinen Bettages aus. Am 6. Auguſt fand die abgekürzte ſchriftliche Reifeprüfung ſtatt, vormittags wurde der deutſche Aufſatz, nachmittags die lateiniſche Arbeit angefertigt. Die beſchleunigte mündliche Prüfung, die Profeſſor Hüpeden als ſtellvertretender Direktor leitete, fand am Vormittag des 7. Auguſt ſtatt, ſo daß in der Mittagsſtunde bereits 14 Oberprimaner und 1 Unterprimaner mit dem Reifezeugnis zum Heeresdienſt entlaſſen werden konnten. Zwei von ihnen waren bereits militärpflichtig, die andern traten als Kriegsfreiwillige ein.

Am 4., 5. und 6. Auguſt waren ſchon die Herren Kandidaten Wagner, Dr. Spohr und Fenner zu den Fahnen einberufen.

Nun ließ es auch den Schülern keine Ruhe. Im Laufe der nächſten Wochen verließen noch die Anſtalt, um als Kriegsfreiwillige in die Armee einzutreten, aus UI: Hübner, Kurzrock, Landgrebe und Scheel; aus 0 II: Seelig, Rüdiger, Böttcher, Achenbach, Colonius; aus U II: Körber und Nielebock. Dieſen 11 Schülern konnte auf Grund des Min.⸗Erl. vom 11. Auguſt noch nachträglich die Reife für die nächſthöhere Klaſſe zuerkannt werden.

So waren es der Direktor, 3 Lehrer und 26 Schüler, die das Friedrichs⸗Gymnaſium verließen, um für das bedrohte Vaterland die Waffen zu ergreifen. Da im Laufe des Winters noch 1 Ober⸗ lehrer und 4 weitere Kandidaten einberufen wurden, ſo traten im ganzen 9 Lehrer und 26 Schüler des Friedrichs⸗Gymnaſiums unter die Waffen.

Erſatz für die ausgefallenen Lehrkräfte wurde zunächſt dadurch geſchaffen, daß die beiden Primen in Religion, Lateiniſch und Griechiſch vereinigt und die Herren Seminar⸗Kandidaten Bachmann und Kleeberg mit einer größeren Anzahl Unterrichtsſtunden beauftragt wurden. Denn auch Herr Profeſſor Dr. Piſtor mußte vertreten werden, da er bis zu Michaelis krankheits⸗ halber beurlaubt war. Als dann am 21. Auguſt Herr Kandidat Dr. Heinrich Ries vom Wilhelms⸗