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Mit der Einübung der Gymnaſialkapelle(Blasorcheſter) gab ſich Hausmeiſter Lorenz große Mühe. Sie betätigte ſich bei öffentlichen Veranſtaltungen verſchiedener Art und erfreute die Bewohner der Stadt durch gelegentliche Platzkonzerte.
2. Der Zeichenunterricht wurde nach den„Richtlinien“ erteilt. Bei ihm macht ſich durch die ſtarke Zunahme der Schülerzahl der Mangel eines Zeichenſaales von Jahr zu Jahr mehr bemerkbar. So müſſen jetzt die Arbeiten und Übungen, ſoweit ſie nicht im Freien vor⸗ genommen werden können, in teilweiſe ungünſtig beleuchteten Klaſſenzimmern und auf dicht be⸗ ſetzten Bänken erledigt werden. Bei dieſen ſchwierigen Verhältniſſen bedeutete es eine gewiſſe Erleichterung, daß der Unterricht in der 37 Schüler zählenden Untertertia mit Genehmigung des Provinzialſchulkollegiums in 2 Abteilungen gegeben werden konnte.
3. Für die Leibesübungen wurden gemäß den„Richtlinien“ 7 Turn⸗ und 5 Spielab⸗ teilungen mit je 2 Wochenſtunden gebildet. Leider beſitzt die Anſtalt keine eigene Turnhalle und iſt daher auf die ſtädtiſche Turnhalle— die einzige der Stadt— angewieſen, die von der Bürgerſchule, der höheren Mädchenſchule und mehreren Turn⸗ bezw. Sportvereinen mitbenutzt wird. Auf dieſe Weiſe iſt ſie bei ungünſtiger Witterung und im Winter während der Tages⸗ und Abendſtunden faſt ununterbrochen beſetzt, ſo daß kaum Zeit zu ausreichender Lüftung vor⸗ handen iſt.
Für das Turnen im Freien ſtehen ein geräumiger Platz bei der Turnhalle und ein großer Spielplatz außerhalb der Stadt auf der ſogenannten Hauer zur Verfügung.
Nach den Beſtimmungen der neuen Reifeprüfungs⸗Ordnung wurde die Prüfung im Turnen zum erſten Male in zwei Abſchnitten unter dem Vorſitz des Direktors abgehalten. Der erſte Abſchnitt umfaßte die volktümlichen Übungen. Geprüft wurden am 5. 11. 1927: 100 m Lauf, Hochſprung, Weitſprung, Speerwerfen, Ballweitwurf, Kugelſtoßen. Der zweite Teil der Prüfung, Üübungen am Reck, Barren und Pferd, fand am 25. 2. 1927 ſtatt.
Am Turnen und Spielen nahmen auf Grund eines ärztlichen Gutachtens nicht teil: im Sommer 9, im Winter 13 Schüler. Wegen der ungünſtigen Zugverbindungen mußte der größte Teil der Fahrſchüler(im Sommer 44, im Winter 39) von der Teilnahme an den Spielnach⸗ mittagen befreit werden, weil ſie ſonſt erſt abends, teilweiſe ziemlich ſpät nach Hauſe zurück⸗ kehren konnten.


