Jahrgang 
1927
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II. Bericht über die Lehrer.

a. Zu Beginn des Schuljahres wurden die nur vorübergehend hier beſchäftigten Studien⸗ aſſeſſoren Kleeberg und Becker an das Friedrichsgymnaſium bezw. das Realgymnaſium II in Kaſſel überwieſen. Den Lehrauftrag Beckers übernahm der bis dahin an der Oberrealſchule in Schmalkalden wirkende Studienaſſeſſor Heuer.

Am 15. April führte der Dezernent der Anſtalt Oberſchulrat Profeſſor Dr. Zühlke in der erſt ſeit kurzer Zeit fertig geſtellten Aula Studiendirektor Dieterich in ſein neues Amt ein. Außer den vollzählig verſammelten Lehrern und Schülern waren Vertreter der ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden erſchienen. Nach dem ChorgeſangGott grüße dich ergriff der Herr Oberſchulrat das Wort, um zunächſt dankbar des ſeitherigen Leiters der Anſtalt zu gedenken, den Krankheit gezwungen habe, allzu früh aus dem Amte zu ſcheiden. Dieſem Dank im Namen der Aufſichtsbehörde Ausdruck zu geben, ſei ihm, dem Dezernenten der Anſtalt, Herzensſache. Studiendirektor Armbröſter habe in ſchwerer Kriegs⸗ und Nachkriegszeit das Landesgymna⸗ ſium in vorbildlicher Weiſe geleitet; als Mann von väterlicher Güte und lauterm Charakter habe er eine große Zahl von Schülern im Sinne des deutſchen Idealismus erzogen. Der Redner ſprach den Wunſch aus, daß Studiendirektor Armbröſter in Marburg, wo er im Ruheſtand lebe, ein recht langes otium cum dignitate beſchieden ſein möge.

Sich an Studienrat Dr. Kürſchner wendend dankte er ihm mit herzlichen Worten für die gewiſſenhafte und gute Führung der Direktoratsgeſchäſte während der Krankheit des Direktors.

Alsdann begrüßte er Studiendirektor Dieterich, der durch ſeine langjährige Tätigkeit als Mitarbeiter im Provinzialſchulkollegium in Kaſſel von höherer Warte aus eine genaue Kenntnis des geſamten höhern Schulweſens gewonnen habe. Das werde ihm in ſeinem neuen Amte in beſonderm Maße zu ſtatten kommen. Als Dezernent der Anſtalt überbrachte er dem neuen Direktor in freundſchaftlichen Worten des Gedenkens an die gemeinſame Tätigkeit die Glückwünſche der Aufſichtsbehörde und überreichte ihm die Beſtallungsurkunde des Herrn Miniſters für Wiſſenſchaft, Kunſt und Volksbildung. Landrat Klapp zugleich im Namen des dienſtlich verhinderten Herrn Landesdirektors, Bürgermeiſter Meinecke, Pfarrer Gottheis und Studien⸗ rat Dr. Kürſchner als Vertreter des Lehrkörpers und der Schülerſchaft ſprachen gleichfalls ihre Glückwünſche zum Antritt des neuen Amtes aus.

Darauf ſprach Studiendirektor Dieterich in längerer Rede über die Bedeutung und den erzieheriſcen Wert des humaniſtiſchen Gymnaſiums, insbeſondere der alten Sprachen, in der mehr dem Materialismus als dem Idealismus zuneigenden Gegenwart und widerlegte die immer neu erhobenen Vorwürfe gegen das Gymnaſium. Ausgehend von Zweck und Ziel der Erziehung führte er aus, welchen erzieheriſchen Wert die alten Sprachen im Zuſammenwirken mit den andern Fächern des Gymnaſiums beſitzen, einen Wert, der auch heute noch nicht an Bedeutung verloren habe. Wenn es den Lehrern gelinge, durch lebensvolle und lebenwirkende Vermittlung des Stoffes die Schüler zu freudiger Mitarbeit anzuregen und