Jahrgang 
1894
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vater, Seine Durchlaucht der Fürſt Georg Victor einer Lungenentzündung nach unſagbaren Leiden erlegen ſei. Der Direktor gab dem Gefühl der allgemeinen Trauer über dieſen herben Verluſt in einer Anſprache an die Schüler Ausdruck, in der er auf die hohen Tugenden und Verdienſte des hochſelig Entſchlafenen mit warmen Worten hinwies. An den Beiſetzungsfeierlichkeiten, die während der Pfingſtferien am 23. Mai in Arolſen und Rhoden ſtattfanden, beteiligte ſich eine große Zahl von Lehrern und Schülern. Für das Landesgymnaſium hatte der hochſelige Fürſt ſtets ein warmes Herz, und die Anſtalt hat in ihm einen treuen Gönner und Wohlthäter verloren. Sein Name wird darum bei ihr allezeit in Ehren bleiben.

Von langen qualvollen Leiden fand am 29. Mai im Landkrankenhaus zu Arolſen durch den Tod Erlöſung ein braver, vielverſprechender Schüler, der Untertertianer Rudolf Conradi. In weiten Kreiſen zeigte ſich die lebhafteſte Teilnahme an dem Schmerze der ſchwergeprüften Eltern. Der Begräbnisfeier in Helmſcheid am 1. Juni wohnten tiefergriffen ſämtliche Lehrer und Schüler der Anſtalt bei.

Vom 19. bis 22. Juni wurden von den Primanern die üblichen Probearbeiten geſchrieben.

Die Sommerferien dauerten vom 2. bis 31. Juli. Während der Ferien war der ordentliche Gymnaſiallehrer Weidenbach zu einer S8wöchigen militäriſchen Übung eingezogen. Als ſein Ver⸗ treter war 6 Wochen lang der wiſſenſchaftliche Hilfslehrer Hermann Zülch an der Anſtalt thätig.

An dem Feſte, welches am 15. Auguſt die Stadt mit dem ganzen Kreiſe des Eiſenbergs bei Eröffnung der neuen Eiſenbahn Arolſen⸗Corbach feierte, beteiligten ſich auch die Gymnaſiaſten in gebührender Weiſe, indem ſie mit der Gymnaſialfahne und unter den Klängen der Schülerkapelle den Feſtzug vom Bahnhof nach der Stadt mitmachten.

Das Sedanfeſt wurde durch einen Redeakt in der Aula gefeiert. Profeſſor Waldſchmidt hielt die Feſtrede über das Leben und Wirken des Freiherrn von Stein. Der herkömmliche Ausflug am Nachmittag mußte wegen des ſchlechten Wetters leider unterbleiben.

Die ſchriftliche Prüfung der Abiturienten wurde vom 15. bis 19. Auguſt vorgenommen. Die mündliche Prüfung fand unter dem Vorſitz des Herrn Provinzial⸗Schulrats, Geheimrats Dr. Lah⸗ meyer am 21. September ſtatt. Sämtlichen 5 Abiturienten wurde das Reifezeugnis zuerkannt.

Aufgaben für die ſchriftliche Prüfung. Deutſcher Aufſatz: Wodurch iſt die Geſchichte berechtigt, nach dem Sturze des weſtrömiſchen Reiches einen neuen Zeitraum zu beginnen? Überſetzung aus dem Griechiſchen ins Deutſche: Lyſias gegen Eratoſthenes§. 4 9. Überſetzung aus dem Franzöſiſchen: Lanfrey, Histoire de Napoléon I. Mathematik: 1) Ein Kaufmann bezahlte von ſeinem 26. Jahre an an eine Verſicherungsge⸗ ſellſchaft am Anfang eines jeden Vierteljahres 150 Mark ein. Nach 20 Jabren ſiebt er ſich durch den Rückgang ſeines Geſchäfts gezwungen, die Prämie auf 75 Mark zu erniedrigen. Er zahlt dieſe noch 15 Jahre lang und ſtirbt. Wieviel muß die Geſellſchaft ſeinen Erben auszahlen, wenn 3% gerechnet werden? 2) Ein Sehnenviereck zu konſtruieren aus: b+ e*= s:, Mittellinie von c nach a= t, F vom Dreieck AB0= g: und c: d = m: n. 3) Ein Dreieck zu berechnen aus F, a+ b*==: und te. F= 3060 qm; al+ b⸗= 15602 qm; te= 72111 m. 4) Wie groß iſt der Radius einer Kugel, deren Volumen gleich dem eines geraden abgeſtumpften Kegels iſt, wenn gegeben ſind: die Seite s des Kegels, der Neigungswinkel« derſelben gegen die Grundfläche und die Summe der Radien der beiden Grundflächen s,. Iſt die Kugel von Kork und taucht ſie h, m in das Waſſer ein, wie läßt ſich daraus das ſpezifiſche Gewicht des Korkes beſtimmen? s= 79,35 cm: œ= 620° 14˙ 15; s,= 93,84 cm; h,= 31,5 cm.

Die Herbſtferien dauerten vom 23. September bis 8. Oktober. Nach den Ferien traten 8 neue Schüler ein.

Vom 13. bis 16. Dezember wurden von den Primanern die Probearbeiten geſchrieben.