Jahrgang 
1892
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14 III. Chronik des Gymnaſiums.

Das neue Schuljahr begann am 6. April mit der Aufnahme 29 neuer Schüler. Das Lehrer⸗ kollegium hatte in ſeinem Beſtande eine nicht unbedeutende Veränderung dadurch erfahren, daß mit dem Schluſſe des vorigen Schuljahres unſer langjähriger Kollege, der ordentliche Lehrer Albert Leiß als Oberlehrer an das Realgymnaſium in Wiesbaden verſetzt worden war. Alles was die Schule ſeiner treuen, gewiſſenhaften Amtsthätigkeit verdankt, und was er den Kollegen als liebenswürdiger Freund und Genoſſe geweſen iſt, es wird ihm allezeit unvergeſſen bleiben.

Durch Verfügung Königlichen Provinzial-⸗Schulkollegiums vom 23. März wurden die Kollegen Hebel, Weidenbach und Wende zu den nächſthöheren Lehrerſtellen befördert; dem letzteren wurde zugleich die Verwaltung der Bibliothek übertragen. Als wiſſenſchaftlicher Hilfslehrer ward der Anſtalt der bisherige Hilfslehrer am Gymnaſium zu Hanau Dr. Ferdinand Spohr aus Caſſel zu⸗ gewieſen. Da der Geſundheitszuſtand des letzteren bald einen längeren Urlaub notwendig machte, trat mit dem 21. April an ſeine Stelle der Kandidat Heinrich Otto aus Wiesbaden.

Die feierliche Vereidigung des ordentlichen Lehrers Alexander Wende fand am 14. April ſtatt.

Am 1. Mai beteiligte ſich das ganze Gymnaſium an den Feſtlichkeiten zu Ehren Sr. Durchlaucht des Fürſten und Ihrer Hoheit der Fürſtin, Seiner jungen Gemahlin, bei Hochderen Einzug in die Reſidenz Arolſen. Mit fliegender Fahne und klingendem Spiel rückten unſere jugendlichen Scharen mit ihren Lehrern in die Stadt, nahmen im Spalier den ihnen zugewieſenen Platz ein und be⸗ grüßten bald darauf den nahenden Zug der Höchſten Herrſchaften mit ſchmetternder Fanfare und donnerndem Hochruf. Im Reſidenzſchloß angekommen, geruhte das Hohe Fürſtenpaar noch eine beſondere Huͤldigung des Corbacher Gymnaſiums entgegenzunehmen. So marſchierte denn die fröhliche Schar in den Schloßhof, ließ abermals ein brauſendes Hoch auf das Hohe Paar erſchallen und zog dann unter begeiſtertem Mützenſchwenken und jubelndem Hörnerklang vor den Augen der Höchſten Herrſchaften vorüber in die Stadt zurück zum Rheiniſchen Hof, wo auf gnä⸗ digſten Befehl Sr. Durchlaucht eine reichbeſetzte Frühſtückstafel bereit ſtand, die hungernden und durſtenden Seelen zu erquicken. In gehobenſter Stimmung über ſolche Beweiſe landesväterlicher Huld und in dem ſchönen Bewußtſein, einen wundervollen, von reinſter Feſtfreude und patriotiſchem Hochgefühl erfüllten Tag verlebt zu haben, kehrten wir abends in die traute Muſenſtadt Corbach zurück. Allen Teilnehmern an der Fahrt wird dieſer Tag eine ſchöne Erinnerung für das ganze Leben bleiben.

Vom 22. bis 25. Juni wurden von der Prima die üblichen Probearbeiten geſchrieben.

Die Sommerferien dauerten vom 4. Juli bis 1. Auguſt.

Das Sedanfeſt wurde durch einen Redeakt in der Aula gefeiert. Gymnaſiallehrer Weidenbach hielt die Feſtrede und behandelte das Thema: General⸗Feldmarſchall Moltke als Stratege. Der Nachmittag wurde auf derAlten Wieſe in fröhlichem Treiben und munterm Spiel verbracht.

Die ſchriftliche Prüfung der Abiturienten wurde vom 17. bis 20. Auguſt vorgenommen. Die mündliche Prüfung fand unter Vorſitz des Herrn Provinzial⸗Schulrats, Geheimrats Dr. Lahmeyer am 17. September ſtatt. Den 5 Abiturienten wurde das Reifezeugnis zuerkannt, 3 von ihnen wurden von der mündlichen Prüfung befreit.

Aufgaben für die ſchriftliche Prüfung. Deutſcher Aufſatz: Worauf beruht die weltgeſchichtliche Bedeutung von Athen, Rom und Jeruſalem? Deutſche Überſetzung aus dem Griechiſchen: Xen. Hell. V. 2,§. 11 16.