Jahrgang 
1892
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Mathematik: 1) Aus einer Familie ſollen ſich 9 junge Männer zur Ausloſung für den Kriegsdienſt ſtellen, aus einer andern 7. Sie werden in dieſelbe Gruppe von je 30 Mann gebracht, aus welcher 12 zum Dienſt kommen. Welche Wahrſcheinlichkeit iſt, daß darunter 5 aus der erſten und 3 aus der zweiten ſind? Der dritte Näherungs⸗ wert des Bruches iſt anzugeben. 2) Ein Sehnentangentenviereck zu konſtruieren aus: a, der von c auf a gefällten Senkrechten h und der Differenz der Winkel ae und 5. 3) Unter welchem Winkel muß ein Lichtſtrabl auf ein Prisma mit dem brechenden Winkel y und den Brechungsexponenten n fallen, wenn die Ablenkung des Strahles ein Minimum werden ſoll? Der Wintel y iſt gleich dem Winkel eines Dreiecks, von dem gegeben ſind: e, a h und a. c= 118 cm, a b= 21,584 cm, α= 14° 29 40. 4) Ein Trapez rotiert um ſeine größte Grundlinie a. Wie groß iſt das Volumen des entſtebenden Körpers, wenn a, b, c und d des Trapezes gegeben ſind? a= 175 cm, b 120 em, c= 95 cm, d= 85 em.

Am 25. Auguſt feierte die Stadt Corbach und das Gymnaſium ein ſeltenes Feſt: den 100 jäh⸗ rigen Geburtstag des Freiherrn Chriſtian Karl Joſias von Bunſen und die Enthüllung und Einweihung des ihm von der Stadt Corbach in Gemeinſchaft mit der von Bunſenſchen Familie errichteten Denkmals vor dem Südportal der St. Kilianskirche. Von Angehörigen Bunſens wohnten der Feier perſönlich bei 1) als Vertreter des verſtorbenen älteſten Sohnes Heinrich: deſſen Schwie⸗ gerſohn Herr Cheney Garfit; 2 3) Ernſt von Bunſen, K. Kammerherr, und Frau Eliſabeth, geb. Gurney; 45) die Witwe des K. Legationsrates Karl, Frau Marie von Bunſen geb. Waddington, nebſt Tochter Beatrice; 6 10) Georg von Bunſen und Frau Emma geb. Birbeck nebſt zwei Töchtern(Marie und Hildegard) und dem jüngſten Sohne Waldemar, Portepée⸗Fähnrich im 12. Huſaren⸗Regiment; 1113) Frau Marie geb. von Bunſen, verwitwete Harford, nebſt zwei Töchtern, Alice und Agnes; 1415) Freiherr von Deichmann und Frau Hilda, geb. von Bunſen, des Kammerherrn E. von Bunſen Tochter. Die Feier wurde mit einem Aktus in der Aula des Gymnaſiums eröffnet. In ſeiner Feſtrede ſchilderte der Direktor zunächſt die vielfachen innigen Beziehungen der Liebe und Dankbarkeit, welche das Gymnaſium mit dem großen Gelehrten und Staatsmanne von Bunſen und ſeiner Familie verknüpften, wies hin auf die wertvollen Vermächtniſſe der Bunſenſchen Bibliothek und der Bunſenſchen Stiftung, die an der Anſtalt den Namen ihres größten Schülers für alle Zeit in geſegnetem Andenken erhalten würden, und ging dann mit einem Hinweis auf die jüngſte Gabe der hochherzigen Familie, das ſtrahlende Bild des Ge⸗ feierten, das von Lorbeer umkränzt vor der Rednerbühne ſtand, zu einer Betrachtung ſeines Lebens und Wirkens über. In großen Zügen zeichnete Redner das Lebensbild Bunſens als das eines gottbegnadeten Menſchen, dem es beſchieden war, zu immer lichteren Höhen emporzuſteigen und ſeinem Volke ein Wegweiſer und Führer zu werden. Mit einer Ermahnung an die Schüler, dieſem großen Vorbildeder Treue, der Liebe, der Demut, der Gottesfurcht in ihrem Leben nach⸗ zueifern, ſchloß die Rede.

In langem Zuge begaben ſich darauf die Feſtteilnehmer unter den Klängen der Gymnaſial⸗ kapelle auf den freien Platz vor der Altſtädter Kirche, wo unter Geſang der beiden Liedertafeln und mächtig ergreifenden Anſprachen des Herrn Prof. Waldſchmidt und des Herrn Pfarrrer See⸗ hauſen der Hauptteil des Feſtes, die Enthüllung und Einweihung des Denkmals, in glänzender Weiſe ſich vollzog. Es folgte darauf ein wohlgelungenes Kirchenkonzert in dem altehrwürdigen Gottes⸗ hauſe, und ein allgemeines Feſtmahl im Göddeſchen Saale bildete den Schluß des herrlichen Feſtes.

Am 19. September widerfuhr dem Gymnaſium die hohe Ehre, von Seiner Durchlaucht dem Fürſten und Ihrer Hoheit der Fürſtin eines Beſuches gewürdigt zu werden. Nach feierlichem Empfang an der Pforte zu den alten Kloſterräumen erfolgte die Vorſtellung des Lehrerkollegiums und die Beſichtigung der Aula, worauf unter brauſendem Hurrah der zuſammengeſtrömten Men⸗