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derſelben aus dem neuen Reiche konnte nur durch ein ſpäteres Bündnis annähernd erſetzt werden. Aber unvergleichlich mächtiger iſt Deutſch⸗ land ohne Oſterreich geworden, als es zuvor mit Oſterreich geweſen iſt.“ So war Gſterreich ausgeſchieden aus dem alten Bunde; Preußen war jetzt Herr im deutſchen Hauſe. Norddeutſchland ward geeint, die Brücke nach dem Süden ward geſchlagen; auch die letzte Schranke deutſcher Sinheit mußte fallen. Moltke ſetzte einige Hoffnung auf das Zoll⸗ parlament. Im Januar 1868 ſchrieb er an ſeinen Bruder Adolf: „Das im März zuſammentretende Zollparlament wird zeigen, ob die deutſche Nation gewillt iſt, die Gelegenheit zu nützen, welche unſer Herrgott alle paar Jahrhunderte einmal bietet, zu der Sinigung zu gelangen, nach der alles ſchreit, ſingt und feſttafelt, die aber dann zu⸗ meiſt nicht in die Schablone paßt, welche jeder einzelne Stamm für ſich, abweichend von allen anderen, dafür macht. Ohne äußern Swang kommt ſo etwas nicht zuſtande, und früher oder ſpäter werden wir den Kampf darum zu beſtehen haben.“ Moltke hatte recht. Mit wem der Kampf zu führen war, darüber konnte kaum ein Zweifel ſein. Unſere galliſchen Nachbarn drüben über dem Wasgenwald em⸗ pfanden die Niederlage von Uöniggrätz härter faſt als Oſſterreich ſelbſt. Rache für Sadowa!— das ward die Loſung. Höflich, doch entſchieden lehnte Bismarck die Forderungen und Anerbietungen der Pariſer Regierung ab; nicht einen Augenblick ließ er Napoleon im Zweifel, daß das deutſche Schwert nicht in der Scheide roſte. Schon im April 1867, als Napoleon von Holland Luxemburg zu erwerben trachtete, glaubte und wünſchte Moltke, die Stunde der Entſcheidung ſei gekommen, Bismarck aber wollte, obwohl auch er an einer end⸗ gültigen Abrechnung mit dem Frankreich Ludwigs XIV. und Napoleons I. nicht zweifelte, den Frieden erhalten, ſo lange Preußens Ehre dies erlaubte. Der Handel endete mit einem Siege der preußiſchen Diplomatie und einer völligen Niederlage Napoleons, die auch der Glanz der Pariſer Weltausſtellung, die Moltke im Gefolge ſeines Königs im Mai desſelben Jahres beſuchte, nicht verhüllen konnte. Moltke arbeitete bereits im Winter 1868/69, während er tiefes Leid um die am Weihnachtsabend 1868 durch den Tod ihm allzufrüh entriſſene Gattin trug, ſeiner Pflicht getreu, den Ariegsplan gegen Frankreich aus. Hierüber ſagt er in ſeiner Geſchichte des deutſch⸗ franzöſiſchen Krieges:„Der vom Chef des Generalſtabs eingereichte und vom König genehmigte Feldzugsplan faßte von Haus aus die Eroberung der feindlichen Hauptſtadt ins Auge, welche in Frankreich von größerer Bedeutung iſt als in anderen Ländern. Auf dem Wege 6


