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Schlachtfelde ſelbſt und verwandelte ſo den ſtrategiſchen Nachteil der Trennung in den taktiſchen Vorteil einer völligen Umfaſſung des Feindes.“
Alſo Moltke. Wohl war es König Wilhelm bang an jenem blutigen Tag von Königgrätz, dem 3. Juli 1860. Im letzten Augen⸗ blicke erſt war die Schlacht beſchloſſen worden. Voll Sehnſucht hing ſein Blick am fernen Horizont. Von dorten mußte ja der Kronprinz kommen, der den Tag entſcheiden ſollte. Und er kam, eben noch im rechten Augenblick. Moltkes Rechnung hatte geſtimmt; darum konnte er auch dem König auf dem Schlachtfeld tröſtend ſagen:„Euere Majeſtät gewinnen heute nicht nur die Schlacht, ſondern den Feldzug.“ So ſpricht nur die in ſich gefeſtigte Kraft.—„Il mondo casca, die Welt bricht zuſammen“— in dieſe Worte des Kardinal⸗Staatsſekretärs Antonelli läßt ſich das Staunen der Welt über den unerhörten Erfolg der preußiſchen Waffen zuſammenfaſſen. Die Times ſchrieben damals: „Der böhmiſche Feldzug hat die Thaten Julius Cäſars und ſelbſt des Rieſen von Auſterlitz überboten.“
Mit dem Tage von Uöniggrätz war die Hauptarbeit gethan. Zwar ließ ſich Moltke durch das Dazwiſchenreden Napoleons nicht irre machen. Sein Ziel war Wien. In raſchem Laufe gings der Donau zu; ſchon lag die Hauptſtadt vor den Augen der Sieger— da wurde am 206. Juli in Nikolsburg ein Wafeenſtillſtand abge⸗ ſchloſſen, dem einen Monat ſpäter der Prager Friede folgte.
Über die tiefern Urſachen des Krieges von 1866 ſagt Moltke im 3. Bande ſeiner Schriften:„Der Urieg von 1800 iſt nicht aus Notwehr gegen die Bedrohung der eigenen Exiſtenz entſprungen, auch nicht hervorgerufen durch die öffentliche Meinung und die Stimmen des Volkes; er war ein im Kabinett als notwendig erkannter, längſt beabſichtigter und ruhig vorbereiteter Kampf nicht für Ländererwerb, Gebietserweiterung oder materiellen Gewinn, ſondern für ein ideales Gut— für Machtſtellung. Dem beſiegten Ooſterreich wurde kein Fuß⸗ breit ſeines Territoriums abgefordert, aber es mußte auf die Hegemonie in Deutſchland verzichten. Die Reichsfürſten trugen ſelbſt die Schuld, wenn das alte Kaiſertum ſeit Jahrhunderten ſchon nicht mehr deutſche, ſondern Hauspolitik trieb. Gſterreich erſchöpfte, während es die deutſchen Weſtmarken ungeſchützt ließ, ſeine Kräfte in Eroberungen jenſeits der Alpen, ſtatt dort, wohin die Donau den Weg zeigte. Sein Schwerpunkt lag außerhalb, der Preußens in Deutſchland. Preußen fühlte ſich ſtark und berufen, die Führung der deutſchen Stämme zu übernehmen. Der bedauerliche, aber unvermeidliche Ausſchluß eines


