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korps nach dem Centrum der Monarchie in Bewegung geſetzt wurden, der Schutz der Rheinprovinz einem gleichſam improviſierten Heer,— beſtehend aus der 15. Diviſion und den in den Bundesfeſtungen und in den Elbherzogtümern abkömmlich gewordenen Truppen— anver⸗ traut blieb. Der Transport von 285000 Mann war in der ge⸗ gebenen kurzen Friſt nur durch gleichzeitige Benutzung aller Eiſenbahn⸗ linien zu ermöglichen; dieſe enden aber bei ZHeitz, Halle, Herzberg, Görlitz und Freyburg an der Landesgrenze. Dort mußten die zuerſt anlangenden Schelons notwendig das Eintreffen der letzten abwarten, um die Korps in ſich zu formieren. Mancher richtig urteilende Militär mag erſchrocken geweſen ſein über die Herſplitterung der Streitkräfte auf einer Linie von 50 Meilen, wenn er für den ſtrategiſchen Auf⸗ marſch anſah, was nur die unvermeidliche Vorbereitung für denſelben war. Durch Fußmärſche wurden indes ſofort die einzelnen Korps in drei große Heerkörper verſammelt. Eine andere geographiſch gebotene Notwendigkeit, welche durch keinerlei Anordnung zu umgehen, war, daß die G'ſterreicher in Böhmen auf der inneren Operationslinie zwiſchen der Mark Brandenburg und Schleſien ſtanden, daß Berlin und Breslau durch ſelbſtändige Armeen geſchützt werden mußten. Die Vereinigung beider konnte nur nach vorwärts zweckmäßig bewirkt werden; dieſe Richtung führte aber auf feindliches Gebiet, ſie führte unmittelbar zum Kriege. Sehr achtungswerte Stimmen waren laut geworden, welche ausſprachen, daß bei einem Kampfe von Deutſchen gegen Deutſche Preußen nicht den erſten Schuß thun dürfe. Allein der König und ſeine Räte erkannten, daß jedes weitere Huwarten den Staat in Gefahr brachte. Oſterreich hatte die Initiative der Rüſtungen ergriffen. Preußen erfaßte die des Handelns und ſchrieb dadurch für die ganze Folge dem Gegner das Geſetz vor. Hätte man das Über⸗ ſchreiten der ſächſiſchen Grenze um vierzehn Tage verſchoben, ſo würden wir heute aller Wahrſcheinlichkeit nach die Schlachtfelder des Urieges auf der Landkarte von Schleſien zu ſuchen haben. Wenige Märſche genügten, um die beiden Hauptheere auf der Linie Bautzen— Glatz an der böhmiſchen Grenze zu verſammeln, aber die ſchließliche Vereinigung konnte nun nur durch Verdrängung des Feindes, durch Gefechte, erreicht werden. Mit welcher Tapferkeit und welch gutem Erfolge dieſe geſchlagen wurden, iſt bekannt. Zehn Tage genügten, um die Oſterreicher zur Entſcheidungsſchlacht zu nötigen. Am Morgen dieſes Tages ſtanden die diesſeitigen Streitkräfte auf einer Front von vier Meilen; ſie durften ſich in dieſer Ausdehnung nicht angreifen laſſen. Das offenſive Vorgehen hingegen vereinigte alle Korps auf dem


