Jahrgang 
1900
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In dänischen Diensten.

G achdem die Brüder Fritz und hHelmuth von Moltke beim 4 Pfarrer Anickebein, einem wackern Lehrer und Erzieher, in V Hohenfelde bei Itzehoe zwei ſchöne Jahre verlebt hatten,

brachte der Vater, der mittlerweile KCommandant von Kiel geworden war,

Ende 1811 ſeine Söhne nach Kopenhagen auf die Landkadettenakademie,

damit ſie dort für den däniſchen Militärdienſt herangebildet würden.

Im Hauſe des alten Generals Lorenz wohnten die Anaben einſtweilen,

bis ſie ſpäter in die Anſtalt zogen. So heimiſch und gemütlich wie

in Hohenfelde war es nicht. Ihr Zimmer war ein kleines Gelaß über dem Thorweg. Dort haben die beiden Anaben gefroren und gehungert; denn der geizige General kümmerte ſich nicht um ihr Wohl und Wehe, ſondern überließ ſie ganz einer alten, zankſüchtigen Haus⸗ hälterin, die ihnen weder gehörige Nahrung, noch im Winter Wärme zukommen ließ. Als Moltke am Typhus erkrankte und ins Lazarett kam, erſchien ihm dieſes wie ein Paradies. Karg und einſam ver⸗ floſſen ſo die Tage, freudlos und liebeleer. Dem von Matur ſonnigen

Gemüt des jungen Helmuth fehlte die wärmende Luft des Elternhauſes.

Früh ſchon ward er in ſich gekehrt, ſchweigſam und ernſt, früh auch

ſelbſtändig, in ſich gefeſtigt und willensſtark. Tiefer Ernſt, nicht ſelten

gepaart mit ſtiller Wehmut, war unſerm Moltke ſein ganzes Leben eigen; auch für ihn gilt das Dichterwort:

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