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kauft worden. Daher bewirtſchaftete Moltkes Vater nach ſeinem Scheiden aus dem Soldatenſtand zwei Jahre lang das als Eigentum erworbene Gütchen Liebenthal in der Priegnitz; dann zog er im Sommer 1790 mit ſeinem Weib und ſeinen Söhnen Wilhelm und Friedrich nach Darchim und wohnte dort im Hauſe ſeines Bruders Helmuth, der mecklenburgiſcher Hauptmann und Kommandant von Parchim war. Hier in des Oheims Hauſe erblickte unſer Moltke das Licht der Welt. In welch eine Heit fiel doch ſeine Jugend! Ehernen Trittes, ihre eignen Kinder gierig zuerſt verſchlingend, hatte die franzöſiſche Revolution das alte Frankreich zu Boden geſtreckt. Über das Chaos triumphierte bald der Säbel. Siegreich drangen die neuen Ideen über die Landesgrenzen; Waffenruhm umſtrahlte, glänzender als je zuvor, die galliſchen Adler. Ein neuer Attila war emporge⸗ kommen, der blutigen Zeit gewaltiger Sohn, Korſe von Geburt, Franzoſe von Erziehung, ein Plebejer an Gemüt und Sitten, aber ein Genie in ſeiner Weiſe, furchtlos und beharrlich, willensſtark und thatkräftig, vom Geſchicke dazu auserſehen, das alternde Europa aus ſeinem feudal⸗romantiſchen Schlummer aufzurütteln und vor ſittlicher Fäulnis zu bewahren. Von ihm hat Moltke 1841 geſagt:„Napoleon verdankt die Bewunderung der Franzoſen ſeinem Genie, aber ihre Liebe verdankt er nur ſeiner tiefen Immoralität.“ Moltkes Eltern wanderten, nachdem ſie zwei Jahre das Rittergut Gnewitz in Mecklenburg⸗Schwerin bewirtſchaftet hatten, 1803 nach Lübeck, der alten Hanſaſtadt, und hier hatte der Unabe Helmuth, bald nachdem das Preußen Friedrichs des Großen bei Jena morſch zuſammengebrochen war, Gelegenheit, die welſchen Krieger kennen zu lernen. Am 6. November 18006 erſtürmten die Franzoſen Lübeck, wo ſich Blücher mit ſeinem kleinen Korps feſtgeſetzt hatte, und nun wälzten, ſengend, plündernd, mordend, ſich die Feinde durch die Gaſſen, rohe Horden, durch lange Blutarbeit verwildert und entmenſchlicht. Wer hätte ahnen können, daß der bleiche, ſtille Knabe, der den frechen Räubern ſchüchtern bangend zuſah, an den Enkeln einſt die Sünden ihrer Väter furchtbar, furchtbar rächen werde!
Durch den Ankauf des Gutes Auguſtenhof in Holſtein war Moltkes Vater däniſcher Unterthan geworden, und als ihm nun im Herbſte 1806 das Gut abbrannte, trat er als Offizier in die Dienſte Dänemarks, die er erſt 1839 als General⸗Lieutenant verließ, um bis zu ſeinem 1845 erfolgten Tode den Reſt ſeiner Tage in Wandsbeck zu verleben.


