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„Es trägt wohl mancher Alte, Des Aug' längſt nicht mehr flammt, Noch auf der Stirn' die Falte, Die aus der Kindheit ſtammt.“
Uber den ſechsjährigen Aufenthalt in der däniſchen Akademie haben wir einige Außerungen von Moltke ſelbſt. Im März 1829 ſchrieb er an ſeinen Bruder Ludwig:„Da ich keine Erziehung, ſondern nur Prügel erhalten, ſo habe ich bei mir keinen Charakter ausbilden können. Das fühle ich oft ſchmerzlich. Dieſer Mangel an Halt in ſich ſelbſt, dies beſtändige Rückſichtnehmen auf die Meinung anderer, ſelbſt die Präponderanz der Vernunft über Neigung verurſachen mir oft einen moraliſchen Katzenjammer, der bei anderen gerade aus dem Gegenteil einzutreten pflegt.“ Im Februar 1842 heißt es in einem hochintereſſanten Briefe an ſeine Braut:„Mein ganzes Auftreten iſt nur eine mit Zuverſichtlichkeit und usage du monde übertünchte Blödigkeit. Die langjährige Unterdrückung, in welcher ich aufgewachſen, hat meinem Charakter unheilbare Wunden geſchlagen, mein Gemüt niedergedrückt und den guten, edlen Stolz geknickt. Spät erſt habe ich angefangen, aus mir ſelbſt wieder aufzubauen, was umgeriſſen war, hilf Du mir fortan, mich zu beſſern.“ So ſchrieb er an die Sechzehnjährige. Im Jahre 1844 ſagte Moltke zu einem Jugendfreunde aus der Akademie, dem ſpätern däniſchen General⸗Lieutenant von Hegermann⸗ Lindencrone:„Es war eine wahrhaft ſpartaniſche Erziehung, die den Kadetten durch ſtrenge, ja ich glaube, viel zu ſtrenge Behandlung zu teil wurde; der Ton war ſehr hart, von Tiebe und Teilnahme merkte man keine Spur, eine ſorgſame Erziehung in moraliſcher Richtung gewährte dieſe Inſtitution nicht... SEins aber muß betont werden, daß tüchtige und in jeder Richtung militäriſch denkende Soldaten aus dieſer ſpartaniſchen Schule hervorgingen. Das Anſprechendſte für uns war das Kameradſchaftsgefühl und die unverbrüchliche, tief innerliche Treue, die ſich vom erſten bis zum letzten die Uadetten gegenſeitig bewahrten. Keine Härte konnte irgend einen dazu bringen, dieſe Treue zu brechen.“ Und 1866 ſagte Moltke:„Ohne Verwandte und Bekannte in einer fremden Stadt, brachten wir dort eine recht freudloſe Kindheit zu. Die Behandlung war ſtreng, ſelbſt hart, und heute, wo mein Urteil doch unparteiiſch darüber geworden iſt, muß ich ſagen, ſie war zu ſtreng, zu hart. Das einzige Gute, was dieſe Behandlung mit ſich brachte, war, daß wir uns früh an alle Art Entbehrungen gewöhnen mußten.“— Wenig über ſiebzehn Jahre alt beſtand Moltke im Januar 1818 die Offiziersprüfung und gleichzeitig


