Jahrgang 
1897
Einzelbild herunterladen

6

weilen nur auftragsweiſe, grundherrliche Gerichtsbarkeit, wodurch ihnen Gelegenheit wurde, den Wirkungs⸗ kreis des benachbarten Märkergerichts Köbel ¹) einzuſchränken und im Amte Bücherthal, das im Wildbann lag, Hoheitsrechte zu erwerben. Etwa hundert Jahre mögen die Herren von Hanau hier die Vogtei im Auftrage des Mainzer Stiftes ausgeübt haben, dann erwarb Reinhard I. 1277 mit Genehmigung des Erz⸗ biſchofs Werner von Mainz von dem genannten Stifte durch Tauſch gegen andere Beſitzungen die Wälder Hanau und Bulau²); aber noch 1597, gelegentlich der Gründung der Neuſtadt, machte, wie wir ſehen werden, der Kurfürſt von Mainz ſeinen Wildbann geltend. 1 d

So viel von der Gegend, in der die Stadt Hanau erwuchs. Ihre Anlage geht, wie ſchon er⸗ wähnt, auf ein Jagdſchloß, eine Burg zurück, die Burg zu Hanauwe, wie ſie in den ſeit 1414 vor⸗ handenen Reichslehenbriefen durchweg bezeichnet wird. Wir ſprachen bereits die Vermutung aus, daß die Herren von Buchen⸗Hanau dieſe Burg erbaut hätten. Erwähnt wird ein castrum Hagenowe) zwar erſt in der geſchichtlich bedeutſamen Teilungsurkunde des Jahres 1234; doch dürfte die Erbauung des Herren⸗ ſitzes, dem Hanau ſeine Entſtehung verdankt, bereits vor die Mitte des 12. Jahrhunderts, etwa in das Jahr 1140, zu ſetzen ſein. Mit gutem Bedacht hatten die Erbauer ihr Jagdhaus mehr wird es wohl anfangs nicht geweſen ſein auf einer Kinziginſel, im Wildbaun der Bulau, errichtet, mitten drin im dichten Forſt, aus Gründen der Sicherheit natürlich, wie auch der Bequemlichkeit. Wie die Burg urſprüng⸗ lich ausgeſehen, iſt gänzlich unbekannt. Den Mittelpunkt ſcheint der 1605 von Philipp Ludwig II. zum Teil niedergelegte und dann bedeutend erhöhte ſog. Heidenturm gebildet zu haben). In ihr befand ſich eine Kapelle, deren Altar 1344 erwähnt wird⁵); ihr Schutzpatron war der heil. Martin), der im Hauſe Münzenberg in hohem Anſehen ſtand, und deſſen Verehrung wohl durch Adelheid, Reinhards I. Gemahlin, nach Hanau gekommen war. Nach der Weiſe der damaligen Zeit war die Burg durch einen breiten Waſſergraben abgeſperrt, über den eine hölzerne Brücke den Verkehr mit dem Dörſchen Hanau vermittelte. Sie beſaß eine 1457 urkundlich erwähnte Vorburg, die ſich bis in die Gegend der ſpäteren Johanneskirche) erſtreckte und von den adligen Burgmannen und Beamten der Grafen bewohnt war)..

¹) Solcher Gerichte gab es in der ehemaligen Provinz Hanau eine ganze Anzahl(Bornheimer Berg, Köbel, Kaichen, Sel⸗ bold, Alzenau u. ſ. w.). Ihre Entſtehung geht in die älteſten Zeiten germaniſchen Rechtslebens zurück. Richter waren anfangs alle rechtsfähigen Männer einer Mark(Märkergericht), ſpäter erwählte Schöſſen(Schöfſengericht), die ſich unter dem Vorſitz eines ange⸗ ſehenen Edlen(Gaugrafen dc.) an beſtimmten Tagen an der Malſtatt verſammelten.

²) Die Urkunde über dieſe wichtige Erwerbung ſiehe bei Reimer, H. U. I. No. 551. Wir müſſen annehmen, daß 1277 zunächſt nur ein Teil dieſer Waldungen Eigentum der Herren von Hanau wurde, die andern Erwerbungen allmählich vor ſich gingen.

³) Der Name ging von dem Wald auf die Burg, von dieſer auf Dorf und Stadt über.

) Er ſtand hinter dem jetzigen Schloß, etwa in der Mitte des Schloßgartens, und trug die Jahreszahl 1375; im Jahre 1829 ließ ihn Kurfürſt Wilhelm II.(1821 31) ſamt dem alten Schloſſe(bis auf den Kanzleibau und den Waſſerturm) abbrechen, um an deſſen Stelle ein neues Schloß zu errichten.

) Reimer, H. U. II. No. 642.

) Reimer, H. U. III. No. 89.

¹) Sie wurde 165862 als lutheriſches Gotteshaus von dem Grafen Friedrich Caſimir erbaut. Der offizielle Name warEvangeliſche Kirche(im Volke auch wohlLutheriſche Kirche); ſeit 1818(Union) heißt ſieJohanneskirche zu Ehren des Kurfürſten Johann Georg II. von Sachſen, der am 25. Mai 1658 der Grundſteinlegung beiwohnte.

³) Die Burgmannen trugen Häuſer und Güter der Herren von Hanau zu Lehen und waren dafür in Zeiten der Not zur Verteidigung der Burg wie auch zur Heeresfolge verpflichtet; ihre Namen ſind aus den Lehenbriefen zum Teil erſichtlich: Specht von Bubenheim, Brendel von Homburg, die von Dorfelden, Rüdigheim, Kronberg, Bellersheim u. a. Außer den Burgmannen wohnten um die Burg Hörige: kleine Handwerker und Ackerbauer.