Jahrgang 
1897
Einzelbild herunterladen

5

Dieſer kurze Überblick über die älteren Herren von Hanau war nötig, um zu zeigen, wie die Anfänge der Geſchichte dieſer Stadt im engſten Zuſammenhange ſtehen mit der Hausgeſchichte ſeiner Beſitzer!).

Alſo im Jahre 1143 wird Hanau zuerſt erwähnt. Der Name bedeutet urſprünglich die Au am oder im Hagen, d. h. in dem Gehege, wo dem Kaiſer das Jagdrecht zuſtand. Die Hagenowa*, ſpäter die Hanaus), noch ſpäter der Hegwald genannt, ein alter Reichsforſt, lag auf dem rechten ufer der unteren Kinzig und erſtreckte ſich von der Mündung der Gründau in die Kinzig bis zum Einfluß der Braubach in den Main, während im Norden die Hohe Straße die Greuze bildete. Im Oſten ſchloß ſich an die Hanau der Waldbannforſt des Büdinger Waldes*), im Weſten die Dreieich, im Süden die Bulau, die von Kinzig, Main und Kahl begrenzt war. In dieſem Waldgebict, Hauau wie Bulan, war ſchon frühzeitig dem Erz⸗ ſtift Mainz durch kaiſerliche Belehnung der Wildbanns) übertragen worden*). Das Erzſtift ſeinerſeits verlieh ihn dem Stifte St. Maria ad Gradus in Mainz), und dieſes beſtellte die Herren von Dorfelden⸗Hanau zu ſeinen Vögten). So erhielten jene nicht nur Jagdrecht in dieſen Wäldern, ſondern, wenn auch einſt⸗

¹) Ein weiterer Grund, dieſe genealogiſchen Dinge etwas näher zu berühren, als die Darlegung des Urſprungs von Hanau an und für ſich verlangt, lag darin, daß in Bezug auf die Vorfahren des Hanauer Grafengeſchlechts zahlreiche Irrtümer im Um⸗ lauf ſind; dieſen, an der Hand der zuverläſſigſten Forſchungsreſultate, berichtigend entgegenzutreten, wollte Verfaſſer die Gelegenheit nicht unbenützt laſſen.

²) Eine silva Hagenowe wird zuerſt 1160 genannt. Siehe Reimer, H. U. I. No. 99.

²) So 1311 genannt(Hanauwe). Siehe Reimer, H. U. II. No. 106.

) Die Rechtsverhältniſſe dieſes Wildbannforſtes ſind aus einem Weistum des Jahres 1380 genau zu erſehen. Vergl. Arnd, Geſchichte der Provinz Hanau und der unteren Maingegend. S. 79 ff. Ofſenbar, weil Gelnhauſen, beſonders ſeit Bar⸗ baroſſa dort einen Palaſt erbaut und 1170 die Stadt Gelnhauſen gegründet hatte, der bedeutendſte Ort des Büdinger Waldes war, wurde dieſer Wildbann auch der Gelnhäuſer genannt und unter dieſem Namen ſogar über die Hanau ausgedehnt. In Gelnhauſen erhielt Reinhard I. von Hanau von Rudolf von Habsburg 1277 ein Burglehen. Siehe Reimer, H. U. I. No. 543.

³) Bann, ein altgermaniſcher Rechtsbegriff, bedeutet nach Grimm, Deutſches Wörterbuch: 1) die dem geiſtlichen oder weltlichen Richter und Bannherrn zuſtehende Gewalt und Gerichtsbarkeit(Gerichtsbann); 2) den Bezirk, durch den die Ge⸗ walt des Bannherrn und Richters ſich erſtreckt; häufig die geiſtliche Diözeſe, den Bezirk des weltlichen Richters, den gehegten Umfang eines Forſtes oder Waldes, zuweilen nur den jungen Forſt, der geſchont, in den weder gegangen noch getrieben werden ſoll; 3) das Ausgeſprochene, Gebotene und Verbotene(edictum, interdictum); den Frieden, in den Land, Wald und Leute geſetzt werden, den Aufruf des Heeres(Heerbann); 4) die gegen den Säumigen erkannte Strafe, vorzugsweiſe Verbannung aus dem Gebiet, bei der Kirche Erkommunikation, Ausſchluß aus ihrer Gemeinſchaft. Einen Forſt oder Wald bannen heißt dieſelben für heilig, unverletzlich erklären, der gewöhnlichen Benutzung entziehen; auch wurden einzelne Bäume oder das hohe Wild in Bann gethan. Forſt⸗(Wild⸗)bann war das urſprünglich den Königen zuſtehende Recht, in einem Walde jede Eigentumshandlung zu unterſagen; dieſes Recht, das bei uns in der Beſitzergreifung durch die Franken wurzelt, mag ſich anfangs in erſter Linie auf den für hohe Herren wichtigſten Beſtandteil des Waldes, das Wild, erſtreckt haben, wurde dann aber, zumal da es im Laufe der Zeit vielfach an geiſtliche und weltliche Herren verliehen wurde, durch Ausdehnung auf andere Nutzungen(Holz, Weide) und Gerechtſame, vor allem das Vogteirecht(Gerichtsbarkeit), häufig die Veranlaſſung, daß aus ehemals königlichen Forſten landesherrliche Waldungen und Gebiete wurden.

) Wann? iſt unbekannt.

*) Dieſe Verleihung muß ſchon vor 1150 ſtattgefunden haben. Siehe Reimer, H. U. I. No. 85.

³¹) Vogt(von vocatus⸗advocatus) iſt der mittelalterliche Beamte, der die einem Stift mit der Immunität(Befreiung von öffentlicher Gerichtsbarkeit und Laſten) verliehenen Rechte handhabte, in erſter Linie Schirmherr und Richter der dem Stifte zuge⸗ hörigen Leute war. Er wurde von dem Vorſteher des Stifts ernaunt; den königlichen Bann, zumal den Blutbann, erteilte ihm, da die Kirche nach kanoniſcher Satzung keine Blutgewalt haben durfte, der König. Außer dieſen Vögten in geiſtlichem Dienſt gab es auch weltliche: Reichsvögte, Landvögte, Stadtvögte u. a. Vergl. E. Götzinger, Reallexikon des deutſchen Altertums. Leipzig 1881. Artikel:Bogt undImmunität. Die Ernennung der Herren von Dorfelden⸗Hanau zu Vögten des Mainzer Stiftes fand vor 1216 ſtatt. Siehe Reimer, H. U. I. No. 128.