Das Lehrerzimmer ist ein so enger Raum, daß es für einen Lehrkörper von 23 Mitgliedern ganz unzureichend ist und weder als Beratungszimmer noch als Erholungs- raum den geringsten Anforderungen der Gesundheitspflege entspricht. Im Zimmer für die Lehrerbücherei kann nur ein Teil der Bücher untergebracht werden; es ist so beschränkt, daß sich selbst eine einzelne Person kaum darin umdrehen kann. Ein Raum für die Schülerbücherei ist überhaupt nicht vorhanden; desgleichen fehlt ein Saal für den Gesang- unterricht. Die Turnhalle entspricht zwar an Flächeninhalt einigermaßen dem Bedürfnis; es mangelt aber an Ankleideräumen. Die Schüler tragen besonders im Winter den Straßenschmutz in die Halle mit hinein. Die Folge ist eine überaus schädliche starke Staubentwicklung bei den Uebungen.
Die Stadtverwaltung hatte in Aussicht gestellt, durch Anbau eines Flügels der Raumnot im vergangenen Sommer zu steuern. Dieser Plan ist aber, wie leider schon so viele andere Umbaupläne für unsere Oberrealschule seit 15 Jahren, wieder zurückgestellt. Erst kurz vor Ostern hat man begonnen durch Ausquartierung des Hausmeisters zwei neue Räume zu gewinnen, damit wenigstens die beiden Klassen, die bisher in der Hilfs- schule untergebracht waren, im neuen Schuljahre wieder im Anstaltsgebäude unterrichtet werden können. Allerdings kann auf die Dauer der Zustand nicht bestehen bleiben, daß der Hlausmeister nicht in oder dicht bei der Schule wohnt.
b) Lehr- und Lernmittel. Im Haushaltsplan standen für Lehrmittel und Büchereien 5575.— Mk.; für Lernmittel für bedürftige Schüler 500.— Mk. zur Verfügung.
c) Die Hilfsbücherei für bedürftige Schüler hat sich einen neuen Grundstock bilden können dank des Entgegenkommens der Verlagsbuchhandlungen, die für jedes Hach einige Freistücke der benutzten Bücher lieferten. Der starken Nachfrage nach solchen Büchern von Seiten der Eltern und Schülern kann damit aber nur in beschränktem Maße
genügt werden. Geschichte der Anstalt.
Das Schuljahr begann am 26. April 1927. Am 13. Mai gab Herr Studienrat littermaier vor einer Elternversammlung einen Bericht über seine Schülerfahrt nach Frankreich in den Osterferien. Oberstudiendirektor Ost nahm vom 23. bis 25. Mai teil an der Dircktorenversammlung der Provinz Hessen-Nassau in Kassel. Die Hauptgegen- stände der Verhandlungen waren: 1. Die Schulstrafen als Erziehungsmittel mit besonderer Berücksichtigung der Jugendpsychologie. 2. Die freien Arbeitsgemeinschaften der Oberstufe und die Jahresarbeiten, beide nach ihrer Eigenart und ihrem Zusammenhanpg betrachtet. Studienrat Dr. Brodt nahm einen mehrwöchigen Studienaufenthalt in England; Studienrat Hofacker in Frankreich Studienrat Dr. Hartmann beteiligte sich an den Lehr- gängen zur Förderung des Musikunterrichtes. An den Reichsjugendwettkämpfen am 18., 19. und 25. Juni beteiligte sich die Oberrealschule mit großem Erfolg. Am 11. August begingen wir die Verfassungsfeier; Studienrat Hofacker hielt die Festrede. Das sommerliche Schulfest der Oberrealschule am 10. September wurde diesmal ausgestaltet zu einem Werbefest des„Vereins für das Deutschtum im Auslande“ und begann morgens mit einer Werbefahrt auf blumen- und wimpelgeschmückten Rädern durch die Stadt unter Begleitung der Schülermusikkapelle, die auf einem von der Firma Dunlop freundlichst zur Verfügung gestellten Lastwagen saß. Am Nachmittag fand in Wilhelmsbad die Wimpelweihe der Oberrealschule-Ortsgruppe des V. D. A. statt. Der Wimpel ist für die Schule von Frau Waldmann gestiftet. Die Weiherede hielt der Direktor. Daran schloß sich eine stimmungsvolle Freilichtaufführung„Der Notring“, deren Spielleiter und Hauptdarsteller Studienrat Jung war. Am 11. September starb der Untersekundaner Paul Rostantowsky Die Schüler und Lehrer der Oberrealschule gaben dem Verstorbenen das letzte Geleit. Am 19. September, dem 80. Geburtstage des Reichspräsidenten von Hindenburg vereinigten wir uns zu einer schlichten Feier; Studienrat Hellmuth hielt die Ansprache, Oberstudienrat Dr. Ebeling nahm vom 26. September bis 8. Oktober teil an den Lehrgängen der Haupt- stelle für mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht in Berlin. Am 19. Novbr. gedachten wir unserer Toten; Studienrat Dr. Rasch hielt die Gedächtnisrede. Gelegentlich der General-Kirchenvisitation im Kirchenkreis Hanau 1, besuchte der Landespfarrer Dr. Fuchs aus Kassel am 28. November den evangelischen Religionsunterricht und hielt mit den
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