Jahrgang 
1927
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Zu der Feier aus Anlaß des hunderljaährigen Iodestages Pestalozzis am 16. Februar war die Elternschaft eingeladen; Studienrat Dr. E. A. Müller hielt den Festvorftrag, der einge- rahmt und durchflochten war von Darbietungen des Orchesters und Chors und von Gedichtvorträgen.

Am 22. Februar erlitt die Oberrealschule zum 3. Male einen schweren Verlust durch den Tod des Oberstudienrats J. Rausenberger. Wenn er auch seit einigen Jahren im Ruhestande lebte, so war er uns doch immer ein treuer Freund und Berater geblieben. Seine reiche Sammlung an physikalischen Geräten, eine große mathematisch-naturwissenschaffliche Bücherei und sein ganzes Kapitalvermögen, das, leider durch die Geldentwertung stard« zusammengeschrumpft, zu Gunsten des naturwissenschaftlichen Unterrichts verwendet werden soll, hat er in seinem letzten Willen der Schule zum Eigentum vermacht. Auch er hatfte, wie sein Freund Arendt, gewünscht, so lauflos wie möglich von dieser Erde zu gehen. Sein Körper ist ebenfalls in Offenbach ein- gedschert worden. Wir hielten zu seinen Ehren eine schlichte Feier ab, bei der der Direktor den Nachruf sprach.

Am 28. März wurden die Reifeprüflinge entlassen; ihr Klassenleiter Oberstudienrat Ebeling hielt ihnen die Abschiedsrede.

Das Schuljahr schloß am 9. April. Rüdkblickkend muß auch diesmal festgestellt werden, daß durch den schlechten Gesundheifszustand im Lehrerkollegium, der zahlreiche Vertretungen erforderte, und durch den Tod zweier erfahrener füchliger Lehrer der Unterricht sehr geschädigt und der ordnunqsmäßige Gang des Schulbetfriebes empfindlich gestört wurde. Es darf auch gesagt werden, daß im verſiossenen Schuljahre die allgemeine Erhöhung der Pflichtstunden- zahl, die Ueberfülle der oberen Klassen, die Umstellung, die die Neuordnung des gesamten Unterrichts im Lehren und Lernen verlangt, im Verein mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage der Beamtfen, die auch die Lehrer drückt, überaus starke Anforderungen an die seelische und körperliche Spannkraft gerade der gewissenhaften Lehre stellten.

Die wichtigsten Erlasse und Verfügqungen der Behörden.

(M. E.= Erlaas des Ministers fur Wissenschaft, Kunat und Volksbildung; P. S. K.= Provinzialschulkollegium Kassel).

1. M. E. v. 9. 1. 26. Die Betragensnote im Schulzeugnis. Die Begründung für Betragensnoten, die schlechter als im ganzen gut sind, und der Grund des Abganges sind auf den Abgangszeugnissen nicht mehr

anzugeben. 2. Ferien. Schluß Beginn des Unterrichts Ostern Sonnabend 9. 4. 27 Dienstag, 26. 4. 27 Pfingsten Freitag 3. 6. 27 Dienstag, 14. 6. 27 Sommerferien Freitag 1. 7. 27 Dienstag, 2. 8. 27 Herbstferien Dienstag 27. 9. 27 Mittwoch, 12. 10. 27 Weihnachten Nittwoch 21. 12. 27 Donnerstag 5. 1. 28

Schluß des Schuljahres 1927/28: Sonnabend 31. 3. 1928.

3. M. E. 25. 2. 26. Das Schulgeld beträgt jährlich 200 M., für Ausw. 250 Mk. Es ermäßigt sich für das zweite Kind um 25 v. H., für das dritte Kind um 50 v. fH., alle folgenden Kinder sind schulgeldfrei. Die Er- mäßigung erfolgt nur auf Antrag, aber ohne weitere Nachprüfung. 20 v. H. stehen zur Verfügung für Schulgeldbefreiung von begabten und dürftigen Schülern. Nur solche Schüler kommen in Betracht, deren Leistungen und Persönlichkeit die Aufwendung öffentlicher Mittel rechtfertigen.

4. M. E. v. 28. 1. 25. Warnung vor dem Zuzug Jugendlicher nach Berlin

5. M. E. v. 29. 5. 26. Vorbereitung für das technische Studium. Schüler der Oberprima, die eine technische Hoch- schule besuchen wollen, sind darauf hinzuweisen, daß eine praktische Ausbildung in Werkstätten oder auf Baustellen vorgeschrieben ist. Sie sollen sich deshalb schon 6 Monate vor der Reifeprüfung

bei ihrer Hochschule nach den Richtlinien für die praktische Ausbildung erkundigen und sich eine geeignete Stelle sichern.

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