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Die Verwaltung der Stiftung soll durch einen Ausschuß erfolgen, in welchem die städtischen Körperschaften, die Handelskammer und der Lehrkörper der Oberrealschule gleich- mäbig vertreten sind. Der Stiftungsbetrag ist mündelsicher anzulegen und der Stadtverwaltung zur Verwahrung zu übergeben. Es soll der Bestimmung der Stiftungsverwaltung vorbehalten bleiben, von den eingehenden Zinsen kleinere Beträge der Stiftungssumme zuzuführen. Auch sollen etwa spätere, nach der Jubelfeier eingehende Zuwendungen, zur Erhöhung der Stiftungs- summe benutzt werden. Die Stiftung soll dazu dienen, den Schülern der Anstalt in den Klassen Obertertia bis Prima Beihilfen zu gewähren für Wanderungen und Reisen nach solchen Gegenden und Orten, die durch Gegenwärtiges und Vergangenes die Jugend anzuregen und zu fördern geeignet sind, so daß damit eine Ergänzung der unterrichtlichen Tätigkeit der Anstalt verbunden ist. Insbesondere sollen Werke der Industrie und Technik, Museen und Kunst- sammlungen, Stätten mit hervorragenden Naturschönheiten u. dgl. den Schülern zu- gänglich gemacht werden.
lm Namen des Festausschusses für die Jahrhundertfeier der Städtischen Oberrealschule zu Hanau. .(Folgen die Unterschriften). Hlanau am 14. März Neunzehnhundertdreizehn, dem Tage der akademischen Feier in der Johanneskirche.
Wir wollen der Stiftung noch den Wunsch beifügen, daß durch ihren Einfluß auf die Schüler künftighin viele starke Männer erzogen werden, die zum Wohle der Allgemeinheit und zum Wohle des Vaterlandes ihre Kräfte nützen, und so hoffen wir, daß sich dann noch Männer finden, die unsere Stiftung erhöhen und erweitern, zur Ehre und zum Segen für die Schule.
Darauf stattete der Direktor für die dargebrachten Glückwünsche und Geschenke den gebührenden Dank ab.
Insbesondere dankte er für die Stiftung, die es eriögliche, die Schüler ihr Vaterland kennen zu lehren und dadurch die Liebe zum Vaterlande zu wecken und zu stärken; für die Orgel, die mit um so gröbßerer Freude begrüßt werde, als das der Schule gehörige Harmonium, das im Jahre 1848 angeschafft worden sei, mithin im Jahre 1913 das 65. Lebensjahr vollende und damit ein Anrecht auf Versetzung in den Ruhestand habe, auch wenn es nicht an einem häufigen Ge- bresten des Alters, starker Atemnot, litte; für die Kaiserbüste, die immer daran erinnern möge, daß gerade die Oberrealschule Sr. Majestät dem Kaiser zu Danke verpflichtet sei, da es seiner kraftvollen Anregung zu danken sei, daß die Anerkennung der Gleichwertigkeit der auf den 9stufigen Anstalten erworbenen Bildung ausgesprochen worden sei; und die ferner uns stets das Wort ins Gedächtnis rufen möge, das der Kaiser bei seinem Regierungsantritt gesprochen habe: Ich bin des Staates erster Diener, das uns mahne, daß wir alle einander dienen sollen. Er schloß mit den Worten: Und wenn man nach abermals 100 Jahren auf vergilbten Blättern lesen wird, was wir in unserer Schwachheit versucht haben, so wird man hoffentlich uns das Zeugnis nicht ver- sagen, daß auch wir unsere Ehre darein gesetzt haben, unsere Pflicht zu tun, zum Besten der uns anvertrauten Jugend, zum Besten der Vaterstadt und des geliebten deutschen Vaterlandes!
Mit den feierlichen Klängen des„alleluja“ aus Händels„Messias“, das der Schülerchor vortrug, und dem gemeinsamen Gesang des Chorals„Großer Gott wir loben diche war die Feier beendet.
Ein Festmahl vereinigte am Nachmittage desselben Tages eine große Zahl der Festteil- nehmer in der Centralhalle. Am Schlusse desselben regte Herr Direktor Dr. h. c. Walter von der Musterschule in Frankfurt a. M. zur Gründung eines Oberrealschulvereines an, zu dem im Laufe des Nachmittags und des Abends etwa 200 chemalige Schüler ihren Beitritt erklärten und der sich hoffentlich zum Wohle der Anstalt entwickeln wird.
Am Abend bewegte sich ein stattlicher Fackelzug der Schüler durch die Straßen der Stadt nach dem Marktplatze, wo die Fackeln zusammengeworfen wurden.


