Jahrgang 
1912
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die den englischen Geschichtsschreiber aus- zeichneten. Chénier kennt zwei Übersetzungen des deutschen Werkes, eine sehr mangelhafte, die in Bern erschienen ist, und eine des Herrn de Chamfeu, der Eleganz und Energie des Ausdrucks nicht abzusprechen ist.

Sein Philipp II, tragédie en cing actes, findet sich Oeuvres posthumes I, p. 89 bis 181.

Der Inhalt ist folgender:

I. 1: Der König und der Herzog von Alba: Der König weiß, daß sein Sohn Carlos sein Wider- sacher ist; jetzt muß er erfahren, daß auch die Königin ihre eignen Wege geht. Carlos liebt die Königin; der Vater hat ihn, um ihn von Madrid zu entfernen, an die Spitze eines Heeres gestellt, das gegen die Mauren zu Felde ziehen soll. Alba zeigt ihm an, daß Egmont am Hofe eintreffen werde, um gegen ihn, Alba, Klage zu führen.

I, 2: Die Königin bittet, Egmont anzuhören; der König will ihr die Bitte gewähren.

I, 3: Spinola beredet den König, den Prinzen zurückzurufen; ein Verräter an der Spitze eines Heeres sei doppelt gefährlich. Der König weiß, daß Carlos unzufrieden ist und auf Irr- wegen geht; aber er sei kein Verräter, kein Verbrecher:

Je connais ses erreurs, j'ignore encore ses

crimes...

I, 4 und 5: Der Infant kehrt als Sieger heim; der König und die Königin beglück- wünschen ihn.

II, 1 und 2: Carlos bekennt der Königin die unglückselige Leidenschaft, die ihn ganz erfüllt. Die Königin bittet und beschwört ihn, seine Liebe zu vergessen, wie sie habe ver- gessen müssen.

II, 3: Gomes hat dem König von der Liebe des Infanten berichtet; der Argwohn des Königs ist geweckt.

IIl, 4: Egmont erscheint stolz und frei vor dem König und bittet nicht um Gnade, sondern

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um Recht für seine Landsleute. Vor allem fordert er Gewissensfreiheit. Philipp ist nicht bereit, Zugeständnisse zu machen. Egmont findet einen Fürsprecher in Carlos, der Alba einen Henker nennt. Der König weist ihn kurz ab.

III, 1 und 2: Epmont beredet den Infanten, sich zum Herzog von Brabant zu machen. Das Volk, der Adel, das gemeinsame Wohl aller, sein eignes Wohl verlange, daß er dieser Bitte nachgebe.

III, 3 und 4: Carlos überlegt nicht lange. Er ist bereit, nach Brüssel zu gehen. Die Königin überredet ihn, seinen Vater um seine Einwilligung zu bitten. Carlos ist bereit, dem Rate der Königin zu folgen. Er will noch mehr; seinen Aufenthalt in Brabant will er als eine Verbannung vom Hofe zu Madrid an- sehen und will versuchen, in dem Bestreben, ein Volkk groß und glücklich zu machen, seine Leidenschaft zu vergessen.

III, 5: Der König bleibt allem Flehn des Infanten gegenüber taub. Auf die Bitten Carlos':

Laissez-moi vous donner le premier bien,

la paix;

Le plus grand des trésors, l'amour de vos

sujets

Mon pere, exaucez-moi; mon triomphe est

certain.. antwortet er kurz und schroff:

Jamais.

IV, 1: Der König hat erfahren, daß Egmont eine Unterredung mit dem Infanten gehabt hat. Er weiß noch nicht, welche Rolle die Königin bei der ganzen Sache gespielt hat.

IV, 2: Der Großinquisitor, Spinola, ver- langt vom König unnachsichtliche Bestrafung des Infanten, der ein Rebell und ein Feind der Kirche sei.

IV, 3 und 4: In einer Unterredung mit dem König bittet die Königin um Nachsicht für den

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