Jahrgang 
1912
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dankung bringt vielen Großen Enttäuschung: bestürzt und fast erbittert sind der von der Hoffnung auf einen Königsthron herbeigelockte Abenteurer Comte Jean de Monaldeschi und sein Landsmann und Nebenbuhler Senti- nelli. Sie sind beide zu feige, der Königin, die von Anfang an ihre Absichten durchschaut, ihr Vorhaben zu bestätigen. Sie ziehen nun mit dem kleinen Gefolge der Königin aufs Festland hinüber, an den Höfen umher, und kommen auch nach Fontainebleau. Der Comte de Monaldeschi, der die Königin liebt oder es wenigstens heuchelt, ist dabei immer be- gleitet von Paula, einem jungen Mädchen, das sich als seinen Pagen ausgibt. Sein Schatten will sie sein und ihn immer an seine Untreue erinnern. Der Königin kehrt die Lust am Herrschen wieder; sie knüpft unter anderm auch mit dem Lord Protector Verbindungen an und hat Monaldeschi als Gesandten nach London ausersehen. Unter den Briefen, die aus Stockholm eintreffen, ist auch einer, aus dem sie zu ihrem Erstaunen ersieht, daß sich so, wie sie sich gegen Karl-Gustav, ihr Be- gleiter und Vertrauter Monaldeschi auf eigne Faust gegen sie verschworen hat und seine Absendung nach London als willkommene Gelegenheit betrachtet, von ihr loszukommen. Als Lohn für die Auslieferung ihrer Pläne an Karl-Gustav hofft der Graf auf gütige Auf- nahme am schwedischen Hofe. Gerade als er nach England abreisen will, wird er im Auftrage der Exkönigin von Sentinelli ge- fangen genommen. Im Augenblick, da er sich Verzeihung von Christine erwinselt hat, stirbt im Nebengemach Paula. Sie hat Gift ge- nommen, den Rest aus dem hohlen Ringe, den sie dem feigen Monaldeschi überlassen hatte, mit der Bitte, ihn zurückzusenden, noch bevor er stürbe. Monaldeschi übergibt ihn der Königin, sie möchte ihn an Paula zurück- geben. Das Mädchen, nun vom Tode des Geliebten überzeugt, geht frei und entschlossen

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in den Tod, aber offenbart noch im Sterben der Königin, was sie bisher ängstlich vor ihr hütete. Christine hört sie kaum zu Ende; sie eilt, den Mordbefehl zu erneuern, und Monal- deschi fällt.

Rome: Die Königin ist auf dem Toten- bett; die Gesandten der schwedischen Stände sind gekommen, sie zu bitten, nach dem Tode des zweiten Karl Krone und Szepter zurück- zunehmen. Das will sie nicht. Aber nach einem heiligen Manne verlangt sie, von dem die Leute in Rom reden. Der kommt, und es ist Sentinelli, jetzt ein Büßer. Nun kommt auch eine Nonne, die das Gerücht: die Königin stirbt! herbeigetrieben hat. Es ist Paula, der Page, im Tode fast von einem berühmten Arzt vom Tode errettet. Die Königin stirbt beruhigt, nachdem sie die Ver- gebung Paulas erhalten.

Die Figur des Monaldeschi scheint Fiesco nachgebildet. Monaldeschi ist der ehrgeizige Verschwörer, der seine Geliebte betrügt, sie mit allerlei schönen Worten hin- hält und schließlich zum Tode bringt, der seine Herrin hintergeht, seinen Helfershelfer und Plänemacher Sentinelli zu täuschen glaubt und endlich sich selber betrügt. Doch NMonal- deschi ist nicht Fiesco. Dieser ist immer noch groß, auch wo er die verwerflichsten Mittel anwendet, jener ist nur gemeincomme un lépreux, Fiesco betrügt eine Betrügerin in der stolzen Schwester des Doria, Monaldeschi betrügt Paula, die wir bewundern könnten, wenn sie von Fleisch und Blut und nicht gar so romantisch wäre. Fiesco täuscht den Herzog, nicht weil er seine Person haft, sondern seine Würde; Monaldeschi hinter- geht die Königin aus Ehrgeiz und Feigheit; Fiesco ist groß, auch wenn er Verrina täuscht, Monaldeschi ist erbärmlich in seinen Ränken gegen Sentinelli. Fiesco betrügt sich selbst, wenn er, schon auf dem Wege zu seinem Verderben zu Verrina spricht: Sei mein

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