Jahrgang 
1912
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soit assurée que la loi vous est parvenue, et que vous comptez également les Français parmi vos freres. Le Ministre de l'Intérieur de la République Française Roland. X Mr. Gille, publiciste allemand.

(Herrigs Archiv, XXX, 83 ff., Schillers Beziehungen zur französischen und englischen Literatur.)

Die Räuber entfernen sich am weitesten vom Typus des französischen Dramas; hier Geschnürtheit und Geziertheit, dort kraft- genialer UÜberschwang. Was hat Schiller nicht alles in diese Geschichte vom verlornen Sohn hineingedichtet! Die Räuber sind ein großes Bekenntnis, und Herzensbekenntnisse sind in- kommensurabel. Immerhin haben die Räuber mehr als eine leere Gastrolle auf dem fran- zösischen Theater gespielt. Den Tiraden des tugendhaften und erhabnen Verbrechers haben die Männer und Jünglinge Beifall gezollt, die hernach das gewaltige Drama der französischen Revolution inszenierten.

Mit seinem republikanischen Trauerspiel: Die Verschwörung des Fiesco zu Genua, schloß sich Schiller an Shakespeare an. Auch der Fiesco gehört in die Lehr- und Wanderjahre des jugendlichen Dichters. Fiesco und Catilina hatten schon auf der Militär- akademie seine Einbildungskraft beschäftigt. Die Geschichte kannte er aus den Mêmoires du cardinal de Retz, aus der Histoire générale des conjurations, conspirations et révolutions célèbres, par M. Duport de Tetre, der Histoire de la Rèépublique de Gèenes von de Mailly und Robertsons Geschichte Karls V. Außerdem empfiehlt er sein Stück, indem er in einer Erinnerung an das Mannheimer Publikum hervorhob, daß J. J. Rousseau seinen Heldenim Herzen trug. Schiller ist also den Franzosen ver- pflichtet, aber er hat ihnen reichlich wieder-

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gegeben, indem er ihnen das Muster einer historischen Tragödie vorstellte, in der sich das Allgemein Menschliche in Nationalen wiederspiegelt.

Der Fiesco ist 1790 von dem uns bereits bekannten La Martelière übersetzt worden: La conjuration de Fiesque, tragédie en cinq actes et en prose, par Schiller. Die Übersetzung hat nicht viel Erfolg gehabt, ebenso wenig wie einer großen dreiaktigen Oper: Doria, on la tyrannie deètruite, Erfolg beschieden war. Den Text zu dieser Oper lieferte d'Avrigny, von dem noch später die Rede sein wird, zusammen mit Legouvé; die Musik stammt von Méehul.

Aus der Zeit, in der der Ausgang der Fehde zwischen Klassizismus und Romantismus schon nicht mehr zweifelhaft war, nachdem bereits Victor Hugo seine Odes et Balla- des hatte erscheinen lassen, stammt der Fiesque von Ancelot; das Stück erlebte seine Erstaufführung am 5, Dezember 1824. Es ist eine Nacharbeitung des Fiesco. Der Verfasser, der das französische Theater von den Griechen und Römern befreien wollte, sagt, die Tatsache, daß sie im Kreise seiner Freunde Beifall gefunden, hätte ihn bewogen, sie auf die Bühne zu bringen. Für ihn gilt vieles als pas digne d'ètre représenté. Mehr als ein Achtungserfolg war dem Werk nicht beschieden.

M. Sauvo schreibt in einem kritischen Nachwort zum Fiesque(Oeuvres complètes de M. Ancelot, Paris 1855): Il y avait, dans l'ouvrage allemand, les éléments d'une tragédie française régulière... Partout l'imitation de Schiller est visible... Nous ne comparons ici ni Schiller à Ennius, ni notre jeune auteur au prince des poètes latins; mais, toute pro- portion gardée, en comparant le Fiesque frangçais à l'ouvrage original, les perles trou- vées par Virgile s'offrent naturellement à la pensée.

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