Jahrgang 
1929
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11 Uhr ſah man ſchon Scharen von Spaziergängern am Ufer des Traunſees, der ſich langſam enthüllte, während am Nachmittag vorher nur ein paar Quadratmeter ſchmutziges Waſſer von ihm zu ſehen geweſen waren. Am Nachmittag aber befuhr der Landesverband Heſſen⸗Naſſau⸗Waldeck in ſtrahlendem Sonnenſchein auf zwei voraus gemieteten Dampfern unter klingendem Spiel den See, der nun ſeine ganze wunderbare Schönheit inmitten der neuſchneebedeckten ſchroffen Felſengipfel ſeiner Ufer entfaltete. Am Ufer aber ſtanden Tauſende von Menſchen und ärgerten ſich, daß ſie keine Schiffe mehr hatten. Und nun rollte die ganze V. D. A.⸗Tagung in herrlicher Natur unter wolken loſem Himmel ab. Höhepunkte waren wieder die ergreifend ſchöne Morgenfeier auf der Wieſe mit ihrem feierlich⸗ſchönen, farbenprächtigen Bilde und der Feſtzug, der in ſchier endloſer Fülle ſchöner Gruppen und Einzelgeſtalten das Leben an den Ufern des Traunſees bis auf die Steinzeit herab zeigte, aber auch manches andere Schöne aus Vergangenheit und Gegenwart Öſterreichs und Deutſch⸗ lands. Wohltuend berührte die herzliche Teilnahme am Feſt und das Entgegenkommen, das alle Schichten der Bevölkerung in Gmunden zeigten. Noch zwei ſchöne Tagesausflüge unternahm unſere kleine Gruppe nach Schluß der offiziellen Tagung von Gmunden aus, dann ging es nach Salzburg und zum Königsſee, den wir leider wegen der vorgerückten Tageszeit nur noch bis Bartholomä befah⸗ ren konnten. Während der ganzen Reiſe zeigte uns der Wettergott nach dem trüben Anfang ſein freundlichſtes Geſicht, ſicherlich war er ſelbſt überzeugt, daß er uns im vorigen Jahr im Harz etwas zu ſchlecht behandelt hatte. Der Abend vereinigte den Landesverband in fröhlicher Feier auf dem Stigl⸗ keller in Salzburg, der nächſte Vormittag wurde der Stadt gewidmet, wobei die Katakomben und das enge uralte Felſenkirchlein der älteſten dortigen Chriſtengemeinde nicht vergeſſen wurden. Solche Stätten reden eine ganz eigenartige, eindringliche Sprache. Mittags entführte uns der Zug nach Nürnberg, das nun mit ſeinen ſtolzen Kirchen, ſeinen feſſelnd⸗ſchönen Patrizierhäuſern, mit ſeiner Stadtbefeſtigung und eigenartigem Straßenbild ſtolze deutſche Vergangenheit dem Auge erſtehen ließ. Auch die Dürerausſtellung wurde nicht vergeſſen. Auf Hin⸗ und Rückfahrt bot ſtundenlanger Aufent⸗ halt in Würzburg Gelegenheit, auch dieſe alte Biſchofsſtadt mit ihren Kirchen und Kapellen, aber auch mit dem Marienberg und dem Ratskeller gut kennen zu lernen.

Schulſport, Schulorcheſter ſiehe an anderen Stellen des Berichtes.

Aufgabenfreier Nachmittag wie üblich.

Wanderungen. Die Monatswanderungen wurden wie üblich durchgeführt. Die Konferenz beſchloß, wenn möglich, in jedem Jahr die Quarta auf 4 Wochen zum KinderlagerWegſcheide zu ſchicken und die großen Wanderungen der Oberklaſſen weiter auszubauen.

Große Jahrt der Oberprima. Vom 7.12. September machte die Oberprima unter Leitung ihres Klaſſenleiters Herrn Studienrat Kühlewein einen größeren Ausflug nach Thüringen. Die Fahrt war in erſter Linie als eine Wanderung gedacht, ſie ſollte nicht, wie es oft zu geſchehen pflegt, eine Städte⸗ und Muſeenbeſichtigung werden. Am Freitag morgen 411 Uhr konnte man eine buntgewürfelte Schar Oberprimaner vor dem Hauptbahnhof ſehen mit hochgeſchnallten Ruckſäcken und flatternden Gitarrebändern. Der Zug brachte uns nach Eiſenach. Der Nachmittag war der Wartburg gewidmet mit ihrem luftigen Sängerſaal und ihrem traulichen Lutherzimmer. Doch was auf die meiſten den größten Eindruck machte, das war wohl der herrliche Blick über den Thüringer Wald, die wilden, ſchwarzen Schluchten und die zerzackten, endloſen Wälder. Der Sonnabend war mit einer Wanderung ausgefüllt, die durch die Drachenſchlucht empor zum Rennſtieg und dieſen entlang zum Inſelsberg führte. Der nächſte Tag brachte einen 33 Kilometer⸗Marſch nach Oberhof, immer auf der Kammhöhe dahin. Stille Stunden droben am Rennſtieg, fern von allen Menſchen, allein in einſamer Höhe ver⸗ lebt, wunderſchöne Blicke hinunter in die fernen Täler und über die weiten, blauen Wälder, das war das Schöne, Unvergeßliche dieſer Rennſtiegwanderung. Von Oberhof ging es weiter den Rennſtieg entlang, über die Schmücke und den Schwalbenſtein hinunter nach Ilmenau. Manche hätten gerne den Kickelhahn geſehen, auf dem Goethe ſein ſchönes Abendlied gedichtet hat. Er lag leider drüben auf der anderen Talſeite. In der Frühe des Dienstag brachte uns der Omnibus bis auf die Höhe kurz vor Schwarzburg. Ein wunderſchöner Blick vom Trippſtein hinunter ins Schwarzatal mit dem Städtchen,

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