Jahrgang 
1928
Einzelbild herunterladen

II. Der Lehrkörper.

Zu Beginn des Schuljahres trat Studienaſſeſſor Fiedler in das Kollegium ein.

Otto Fiedler, geb. am 6. Oktober 1891 in Eiſenbach, Kr. Limburg, beſuchte die Realſchule zu Geiſenheim am Rhein und die Oberrealſchule in Wiesbaden, wo er 1911 die Reifeprüfung beſtand. Vor und nach dem Kriege ſtudierte er neuere Sprachen an den Univerſitäten Freiburg, München, Bonn und Frankfurt a. M. In den Jahren 19161918 ſtand er im Heeresdienſt. Nach dem Staatsexamen trat er in den Vorbereitungsdienſt und beſtand im Jahre 1922 die pädagogiſche Prüfung am Wöhler⸗Realgymnaſium in Frankfurt a. M. Von 1922 1925 wirkte er an der Aufbauſchule in Fulda, 1925 1926 in Eſchwege am Gymnaſium, 1926 1927 an der Aufbauſchule in Fulda, ſeit 1927 an der Hohen Landesſchule in Hanau.

Sechs Wochenſtunden evangeliſchen Religionsunterrichts, die vom Kollegium nicht erteilt werden konnten, übernahm in dankenswerter Weiſe Herr Pfarrer Walther von der hieſigen Marienkirche. Mit Wirkung vom 1. April wurde Zeichenlehramtskandidat Chriſt, der ſeit 1925 an unſerer Anſtalt unterrichtet, als Oberſchullehrer angeſtellt. Studien⸗ aſſeſſor Knöll wurde mit Wirkung vom 1. Oktober zum Studienrat an der Hohen Landes⸗ ſchule ernannt. Der Geſundheitszuſtand des Kollegiums war gut: es war nur an 14 Tagen Vertretung nötig.

Vom 2. Juni bis 6. Auguſt weilte Studienaſſeſſor Dr. Gelhard zum Zwecke eines Studienaufenthaltes in England. Der Direktor nahm im Mai an der 2. amtlichen Direktorenkonferenz der Provinz Heſſen⸗Naſſau, im Juli an einem von der Preußiſchen Hochſchule für Leibesübungen in Spandau veranſtalteten Einführungslehrgang in den Betrieb neuzeitlicher Leibesübungen teil. Am 10. März fand in Frankfurt eine deutſch⸗ kundliche Tagung ſtatt, die ſich mit der Wahl der Aufgaben für den deutſchen Aufſatz beſchäftigte; an ihr nahmen ſämtliche Deutſchlehrer der Anſtalt teil. In einer größeren Zahl von Fachkonferenzen wurde der Anſtaltslehrplan, beſonders für die die neu auf⸗ zubauende Realprima, durchberaten. über die Aufnahme der Grundſchüler in die Sexta wurde mit den andern in Frage kommenden Schulen der Stadt folgende Richtlinien, zunächſt als Verſuch, feſtgelegt:

1. Die höheren und mittleren Schulen ſind bereit auf eine Prüfung zu verzichten in den Fällen, wo die Leiſtungen ohne Einſchränkung genügend ſind und die Lehrer durch ihr Gutachten ſich dafür verbürgen, daß die Lehrziele der Grundſchule erreicht ſind und die Begabung des Schülers nicht zweifelhaft erſcheint.

2. wich Erteilung der Weihnachtszeugniſſe werden die Direktoren den Schulleitern eine Überſicht zu⸗ ſtellen, inwieweit die Herbſt⸗ und Weihnachtszeugniſſe dieſe Gutachten beſtatigt haben.

3. Über die Aufnahme wird von der weiterführenden Schule beſchloſſen, der auch vorbehalten bleibt, inwieweit ſie Schüler aufnimmt, denen der Lehrer ein poſitives Gutachten verſagt hat.

4. Zur Förderung des geregelten Zuſammenwirkens wird auf Wunſch Vertretern der höheren und mittleren Schulen vor Oſtern, den an der Vorbereitung beteiligt geweſenen Lehrern der Volksſchule im neuen Schuljahr wechſelſeitiger Beſuch der in Frage kommenden Klaſſen ermöglicht.

Mit Schluß des Jahces legt Herr Profeſſor Thieme, Studienrat i. R., aus Geſund⸗ heitsrückſichten die Geſchäfte des Bibliothekars nieder, die er über 20 Jahre, zuletzt noch zwei Jahre im Ruheſtande, in vorbildlicher Weiſe geführt hat. Die Anſtalt und in beſonderem Maße das Kollegium, dem ſeine Tätigkeit eine nicht geringe Entlaſtung brachte, ſind ihm zu wärmſtem Dank verpflichtet.

13