II. Der Lehrkörper.
Am Schluß des Schuljahres 1926 ſchied aus dem Kollegium der bisherige Leiter der An⸗ ſtalt, Studiendirektor Zeller, um das Direktorat des Staatl. Realgymnaſiums in Wiesbaden zu übernehmen. Er hat die Hohe Landesſchule ſeit 1919 geleitet, in den ſchwierigen Jahren der Inflation und des Abbaus ihre Erhaltung durchgeſetzt, die notwendig gewordene Umwandlung in eine Anſtalt realen Charakters begonnen und ſchließlich mit großer Hingabe die Einrichtung des Neubaus gefördert. Ihm gelang es, trotz der Ungunſt der Zeiten eine würdige Ausgeſtaltung des Feſtraumes und der Gedenktafel zu erreichen. So hat er die Schule durch eine ſchwierige Zeit, die für ihre äußere und innere Geſchichte von beſonderer Bedeutung bleiben wird, glücklich hin⸗ durchgeleitet und ſich dauernden Dank aller an der Anſtalt intereſſierten Kreiſe erworben. Seine beſonderen Verdienſte wurden vom Dezernenten der Anſtalt, Herrn Oberſchulrat Profeſſor Dr. Zühlke, bei der Einführung des Unterzeichneten gewürdigt.
Zu Beginn des Schuljahres traten in das Kollegium neu ein Studiendirektor Dr. Gaede als Leiter, Studienrat Freudenbergerals Nachfolger des in den Ruheſtand getretenen Prof. Thieme und Studienaſſeſſor Dr. Gelhard für den nach Kaſſel verſetzten Studienrat
Wagner.
Dr. Wilhelm Gaede, geb. am 26. Mai 1891 in Danzig, beſuchte das Gymnaſium in Danzig, Schwetz a. W., Strasburg i. Wpr. und Münſter i. W. und ſtudierte ab Oſtern 1909 romaniſche und germaniſche Sprachen in Mar⸗ burg, Montpellier und Münſter. 1912 war er Hauslehrer in Dänemark, 1913 in der franzöſiſchen Schweiz. Er promo⸗ vierte im Mai 1913 in Münſter und beſtand dort Januar 1914 die Staatsprüfung. Ab Oſtern 1914 genügte er ſeiner Dienſtpflicht beim Inf.⸗Regt. 13, wurde im Auguſt 1914 verwundet und im März 1915 als Kriegsbeſchädigter entlaſſen. In den Schuldienſt war er ſchon im November 1914 eingetreten, er unterrichtete bis zur Erlangung der Anſtellungs⸗ fähigkeit im Herbſt 1916 am Schillergymnaſium in Münſter, dann ein Jahr an der Oberrealſchule in Bielefeld. Herbſt 1917 wurde er als Leiter des Gymnaſiaſtenheims an die Waiſen⸗ und Schulanſtalt in Bunzlau(Schleſ.) verſetzt, wo er zugleich ab Oſtern 1918 als Studienrat am Gymnaſium angeſtellt war. Nachdem er ab Herbſt 1919 zur Errichtung einer Volkshochſchule auf Antrag des Magiſtrats zu Bunzlau beurlaubt worden war, wurde er Oſtern 1920 als Oberſtudien⸗ rat und Internatsleiter an die Staatl. Bildungsanſtalt(vormals Kadettenhaus) in Wahlſtatt(Schleſ.) berufen, von dort Herbſt 1921 als Direktor an die Staatl. Oberrealſchule in Suhl verſetzt. Herbſt 1923 folgte er einem Ruf der thüringiſchen Regierung, um die Leitung des Gymnaſiums mit Realſchule in Rudolſtadt und zugleich als Oberſchulrat die Aufſicht über die höheren Schulen des dortigen Bezirkes zu übernehmen. Als Oſtern 1924 die mittlere Schul⸗ verwaltung in Thüringen abgebaut wurde, verblieb er als Leiter ſeiner Anſtalt in Rudolſtadt bis Herbſt 1925. Den folgenden Winter verbrachte er als Lehrer in der Freien Schulgemeinde Wickersdorf und trat Oſtern 1926 in den preußiſchen Staatsdienſt zurück.
Karl Freudenberger, geboren am 22. Oktober 1885 zu Frankfurt a. M., beſuchte das Goethegymnaſium ſeiner Vaterſtadt und ſpäter das Lehrerſeminar zu Friedberg. Im Januar 1905 legte er die Entlaſſungsprüfung ab. Nach kurzer Tätigkeit als Lehrer in Heſſen⸗Darmſtadt trat er in preußiſche Dienſte über, wurde 1908 Präparandenlehrer zu Dillenburg, beſtand die Mittelſchul⸗ und Rektorprüfung zu Kaſſel und wurde nun kommiſſ. Seminarlehrer zu Dillen⸗ burg. Von 1911—1925 war er ordentl. Seminarlehrer und ſpäter Seminaroberlehrer zu Frankenberg an der Eder. Von 1915— 1918 nahm er am Feldzug in Rußland und Frankreich teil, wurde zum Offizier befördert und erhielt das Eiſerne Kreuz I. und II. Klaſſe und das Ritterkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen. Infolge Auflöſung der Lehrer⸗ ſeminare wurde er am 1. 4. 1925 in den einſtw. Ruheſtand verſetzt. Nach Vertretungsdienſten an der Aufbauſchule zu Frankenberg und am Lyzeum zu Eſchwege erfolgte am 1. 4. 1926 ſeine Berufung an die Hohe Landesſchule.
Dr. Joſef Gelhard, geboren am 22. Jan. 1893 in Dortmund, erhielt das Reifezeugnis am Gymnaſium zu Pader⸗ born Oſtern 1913, widmete ſich dem Studium der Neueren Sprachen, der Germaniſtik und der Philoſophie an den Univerſitäten Münſter und Breslau. Von 1915 bis Februar 1919 nahm er am Feldzuge an der ruſſiſchen Front teil, erhielt das Eiſerne Kreuz und wurde zum Offizier befördert. Im Auguſt 1920 wurde er in Münſter zum Dr. phil. promoviert. Nach beſtandenem Staatsexamen war er als Studienreferendar an der Helmholtz⸗Oberrealſchule in Frankfurt a. M. tätig, wo er 1922 die Aſſeſſorprüfung ablegte. Nach kurzer Tätigkeit an dem Staatl. Gymnaſium in Wiesbaden und dem Städt. Reform⸗Gymnaſium in Limburg(Lahn) wurde er im April 1926 der Hohen Landes⸗ ſchule überwieſen.
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