im Hochgefühle wachſender Kraft, dann gedeiht die Freude. Und umgekehrt, die Freude iſt die Sonne, die Wachſen und Gedeihen ſchafft, die Blüten und Früchte zur Entfaltung bringt. Zur Arbeit muß ſich die Freude
geſellen, wenn ſie Erfolg haben ſoll. Darum wollen wir den belebenden und wärmenden Strahl der Freude in unſere Schulräume hineinfallen laſſen. Der Geiſt fröhlicher Arbeit ſoll in dieſem Hauſe ſeine Stätte haben.
Aber wem dienen wir mit unſerer Arbeit, für wen wollen wir arbeitsfreudige Menſchen erziehen? Für
wen anders, als für unſer deutſches Vaterland! Geſtern haben wir das Ehrendenkmal für 77 Schüler b
dieſer Anſtalt geweiht, die ihre vaterländiſche Treue mit dem Tode beſiegelt haben. Ihre Namen, die den Ein⸗ tretenden grüßen, ſollen uns eine ſtete Mahnung ſein, den gleichen Geiſt der Vaterlandsliebe, der Treue bis in den Tod in dieſem Hauſe zu pflegen. Unſere Schüler ſollen es wiſſen, daß ſie ſich nicht ſelbſt gehören, ſondern ihrem Lande. Sie ſollen ſtolz darauf ſein, dem Volke Luthers, Goethes und Bismarcks anzugehören. Sie ſollen, trotz Schimpf und Unfreiheit, die heute auf dem deutſchen Namen laſten, ihr Haupt hochtragen, aber ſie ſollen es
auch wiſſen, daß es mit vielen Reden, klingenden Worten und ſchönen Gefühlen nicht getan iſt, ſondern daß das. Vaterland Taten von ihnen verlangt, daß ſie ihre Vaterlandsliebe zu beweiſen haben in ſelbſtloſer Erfüllung der täglichen Pflicht, und wenn es einmal ſein muß, mit dem Opfer ihres Lebens. Einen ſolchen Geiſt tätiger
Vaterlandsliebe wollen wir in dieſem Hauſe pflegen.
Und endlich: auch über dieſem Hauſe ſoll das Wort ſtehen:„Wo der Herr nicht das Haus bauet, da arbeiten umſonſt, die daran bauen.“ Unſere Erziehungs⸗ und Bildungsarbeit erhält ihre letzte Weihe erſt dann, wenn ſie in den Dienſt der höchſten Idee geſtellt wird, in den Dienſt des Gottesglaubens. Was iſt er anderes, als die Ehrfurcht, welche nach dem Goetheſchen Wort die Grundlage aller Erziehung iſt! Nur der Gottesglaube kann uns letzthin erlöſen von dem Fluch des Materialismus, der unſer Volk um ſeine beſten Eigenſchaften be⸗ trügt, und breite Schichten oben und unten wurzel⸗ und haltlos gemacht hat. Wir wollen nicht nur allerlei Wiſſen pflegen, nicht nur Berufsmenſchen heranziehen, ſondern Charaktere, Menſchen mit geſchloſſener Welt⸗ anſchauung, Menſchen, die feſt im Leben ſtehen, aber ihr Ziel im Reiche der höchſten Werte haben.
Wenn es uns gelingt, dieſes Haus zu einer Pflegeſtätte pflichttreuer Arbeit, der Vaterlandsliebe und der Gottesfurcht zu machen, dann dürfen wir hoffen, daß es wie das alte Haus eine Stätte des Segens ſein wird für unſere engere Heimat und für das deutſche Land. Das walte Gott!
Anſchließend an die Feſtrede trug Herr Dr. Frank Limbert Bach'’s Chromatiſche Phan⸗
taſie auf dem neu für die Anſtalt erworbenen, koſtbaren Blüthner⸗Flügel vor.
Als erſter der Ehrengäſte ergriff Herr Regierungsrat von Bamberg das Wort, der
die Glückwünſche des Herrn Oberpräſidenten und des Provinzialſchulkollegiums der Provinz Heſſen⸗Naſſau überbrachte. Er ſprach:
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Hochverehrte Anweſende!
Ich habe den ehrenvollen Auftrag, der Hohen Landesſchule zum heutigen Tage die Glückwünſche des zu ſeinem Bedauern am Erſcheinen verhinderten Herrn Oberpräſidenten und des Provinzialſchulkollegiums der Provinz Heſſen⸗Naſſau zu überbringen. Sie geſtatten mir, dabei einen kurzen Rückblick auf die Vorgeſchichte der heutigen Feier zu werfen. Gewiß iſt es von allen Beteiligten als ein ſchweres Unglück für das ſtaatliche Gymnaſium zu Hanau empfunden worden, als im Jahre 1912 das ehrwüxdige Anſtaltsgebäude durch Feuer zerſtört wurde und doch hat damals niemand geahnt, daß die Schule ſo viele Jahre ohne eigenes Heim bleiben werde. Im Jahre 1015
waren die Pläne für den Neubau fertig geſtellt und es wurde die erſte Baurate in den preußiſchen Staatshaushalt
eingeſtellt. Der Krieg verhinderte jedoch die Ausführung des Baues. Bald nach Beendigung des Krieges wurden die Fundamente dieſes Hauſes gelegt. Aber die Finanznot des Staates zwang bald zur Einſtellung der Arbeiten. Schwere Jahre der Ungewißheit kamen über die Schule, ja ihr Beſtand ſelbſt war zeitweilig gefährdet. Dann wurde von höchſter Stelle entſchieden, daß die Schule ſich dauernd im alten Landgerichtsgebäude behelfen ſolle. Es mußten ernſthafte Verhandlungen uber die endgültige Unterbringung der Schule in dieſem Gebäude mit der Stadt geführt werden. Je näher aber die Behörden ſich mit dieſem Plane befaßten, deſto klarer wurde, daß damit den Intereſſen der Schule nicht gedient werden konnte.
Es liegt mir daran, heute auszuſprechen, daß wir es als das beſondere Verdienſt des Anſtaltsleiters, des hieſigen Preußiſchen Hochbauamtes und des Herrn Regierungspräſidenten in Caſſel anſehen, daß ſie zähe an dem Neubaugedanken feſtyielten und ihm ſo gewiſſermaßen in letzter Stunde doch noch zum Siege verholfen haben.
Durch Miniſterialerlaß vom 12. Juni 1923 wurde die Weiterführung des Baues angeordnet. Selbſt⸗ verſtändlich waren mit Rückſicht auf die ungünſtige Finanzlage des Staates eine Einſchränkung des Bauprogramms und eine Vereinfachung der Bauausführung notwendig. Aber wir dürfen heute mit Genugtuung feſtſtellen daß gleichwohl mit dem Neubau, der heute ſeiner Zweckbeſtimmung übergeben wird, eine Art Meiſterwerk geſchaffen worden iſt. Schlicht und edel in ſeiner äußeren Form und in ſeiner inneren Ausgeſtaltung, befriedigt das neue
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