uns den Einzug in das neue Haus gefeiert hätten, die aber ihre Treue mit dem Tode für das Vaterland bezahlt haben.
Wir wollen heute nicht alte Wunden wieder öffnen. Wir wollen nicht ſchmerzliche Erinnerungen wieder wecken. Die Zeit hat ihren Troſt gebracht, der Schmerz iſt heute zur ſtillen Wehmut geworden. Nein, was uns heute bewegt, wenn wir an ſie zurückdenken, iſt freudiger Stolz und Dankbarkeit.
Wir ſind ſtolz auf ſie. Wir werden nie vergeſſen, wie ſie vom Sturm vaterländiſcher Begeiſterung fort⸗ geriſſen, manche noch mit Kinderaugen, Schule und Hörſaal verließen, um ihr junges Leben dem Vaterlande zu weihen. Und wie ſelbſtverſtändlich fanden ſie das alles. Wie waren ſie frei von großen Worten und prahleriſcher Geberde. Wie einfach waren ihre Briefe in die Heimat, und doch wie groß ihre Taten in der Feuerhölle von Verdun, an Aisne und Somme, in den flandriſchen Sümpfen, auf den ruſſiſchen Steppen. Überall das gleiche ſchlichte Heldentum, überall die gleiche deutſche wortloſe Treue.
Ja, wir ſind ſtolz auf ſie. Und wir ſind ihnen dankbar. Für uns haben ſie gekämpft und derungen⸗ gedarbt und gefroren, für uns haben ſie gelitten und ſind ſie geſtorben.
Ihre Heimat wollten ſie ſchützen vor Brand und Verwüſtung, ihre Eltern und Geſchwiſter verteidigen gegen den Anſturm der feindlichen Horden, ihre Volksgenoſſen retten aus Schmach und Vernichtung, wollten kämpfen für die Größe und Ehre des Vaterlandes.
Dieſes Bewußtſein, für Familie und Heimat, für Volk und Vaterland zu kämpfen, hat ihnen Kraft und Mut gegeben und hat ihnen den Tod leichter gemacht.
Aber iſt ihr unvergleichliches Heldentum nicht umſonſt geweſen, war ihr Opfertod nicht vergeblich? Iſt er Sieg, an den ſie unerſchütterlich glaubten, nicht ausgeblieben? Nein, ihr edles Blut iſt nicht umſonſt gefloſſen.. Das deutſche Land, das rings von feindlichen Heeren umbrandet war, iſt von den Schrecken des Krieges ver⸗ ſchont geblieben. Die Dome am Rhein ſtehen unverſehrt, die deutſchen Fluren blieben unverwüſtet, weil eine Mauer treuer Männer ſich ſchützend um ſie geſtellt hatte.
Und ſie haben auch die Ehre des deutſchen Namens gerettet.
Heute iſt unſer Volk entwaffnet, entrechtet, mit dem Brandmal des Schuldigen gezeichnet. Heute iſt das deutſche Land zerſtückt und geknechtet.
Wenn wir trotz des Schimpfes der Gegenwart, trotz Untreue und Vaterlandsloſigkeit eigener Volks⸗ genoſſen das Haupt hochtragen und den Glauben an unſere Ehre und an unſere Zukunft bewahren, was anders gibt uns ein Recht hierzu als die Erinnerung an die Helden von 1914. Ein Volk, deſſen Jugend ſo zu ſterben wußte, hat noch eine Aufgabe in der Geſchichte zu erfüllen.
Die ſittlichen Kräfte, die in dem Heldentod unſerer Gefallenen ſich offenbarten, zeugen vor dem Stuhle Gottes für Deutſchlands Berechtigung zu leben. Sinnlos vergeudet wären ſie erſt in dem Augenblick, wo das Bewußtſein für ihren Wert in uns Nachlebenden erſtorben wäre. Dann erſt wäre unſer Untergang in einem tieferen Sinne von uns ſelber beſiegelt, wenn wir ſtumpf und treulos unſere Gefallenen vergäßen. So aber iſt es nicht und wird es nimmermehr ſein. Sie leben und leiden und ſtreiten mit uns weiter, bis die Morgenröte, der Freiheit anbricht. Von ihren ſtillen Gräbern geht ein Hauch belebender Kraft und Zuverſicht durch das deutſche Volk. Ihr Beiſpiel rüttelt die Schlafenden wach, gibt den Verzagten Mut, den Zweifelnden Glauben an eine deutſche Zukunft.
Wir haben auf einer Tafel ihre Namen verzeichnet als Zeichen der Dankbarkeit und des Stolzes auf ſoviel herrliche Jugend und ſoviel edles Mannestum, das einſt zu den Unſeren zählte.
Aber wir wollen mehr. Wenn unſere Schüler an dieſem Ehrenmal vorbeiziehen und die Namen der Helden leſen, dann ſoll ihnen der Gedanke vaterländiſcher Pflicht wie ein Feuermal in der Seele brennen, ſie ſollen ſich geloben, ihrer gefallenen Mitſchüler wert zu ſein und nicht zu ruhen, bis das Vaterland, für das ſie gefallen ſind, wieder ein Deutſchland hoch in Ehren iſt. 1
Mit dieſem Gelöbnis in dem Herzen und auf den Lippen laſſen wir nunmehr die Hülle fallen. Die zur Ehrentafel führenden Türen öffneten ſich, in gedämpfter Ferne erklang der„Ge⸗ ſang der Athener“ von Jean Sibelius, vorgetragen vom Schülerchor. Vertreter der Klaſſen legten
Blumenſpenden am Denkmal nieder. Dann traten die Angehörigen der Gefallenen heran, um in ſtiller Sammlung ihrer gefallenen Söhne und Brüder zu gedenken.
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