Jahrgang 
1911
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gleich nach dem Glockenzeichen zu begeben hat, und dadurch, daß regelmäßig in genauer Folge dieſelben übungen gemacht wurden(bei uns die in§ 24 des amtlichen SchriftchensAnleitung für das Knabenturnen in Volksſchulen ohne Turnhalle empfohlenen), wurde erreicht, daß die Übungen in kurzer Zeit faſt ohne jegliches Kommando nur nach Zählen ſich abwickeln konnten und, wie es heißt, gut klappten. Sie wurden abwechſelnd geleitet von den Herren Thieme, Humpf, Rexrodt, Kühlewein und Milow. Von Vornahme der übungen im geſchloſſenen Raum bei ſchlechtem Wetter mußte abgeſehen werden.

Am 29. Auguſt fand eine Reviſion des Zeichenunterrichtes durch Herrn Profeſſor Jung von der Königl. Kunſtakademie in Caſſel ſtatt.

Am 2. September fand eine nichtöffentliche Sedanfeier in der Aula ſtatt. Am 4. September beteiligte ſich das Gymnaſium an dem Feſtzug und der großen öffentlichen Sedanfeier, die vor⸗ mittags auf dem hieſigen Friedhofe ſtattfand. Nachmittags nahmen viele unſerer Schüler an den Schülerwettkämpfen, die gelegentlich des Volksfeſtes in Wilhelmsbad ſtattfanden, teil. Dem Unter⸗ zeichneten war der ehrenvolle Auftrag zugefallen, an der Bismarckſäule die Feſtrede zu halten.

Sonnabend den 10. Dezember fand in den Sälen der Turngemeinde ein wohlgelungenes Schülerfeſt ſtatt, bei dem Geſangsvorträge des Schülerchors, turneriſche Aufführungen der oberen Klaſſen und Inſtrumentalvorträge der Schülervereinigung zur Pflege der Muſik dargeboten wurden. Zuletzt kam ein von Schülern(meiſt Mitgliedern des Schillerkränzchens) recht friſch geſpieltes kleines Luſtſpiel zur Aufführung. Hieran ſchloß ſich für die Schüler der unteren Klaſſen ein gemeinſames Schokoladetrinken, für die übrigen Feſtteilnehmer ein einfaches Abendeſſen mit Tanz an. Eltern und Angehörige der Schüler und Freunde der Anſtalt erfreuten uns bei dem Feſte in großer Zahl durch ihre Anweſenheit.

Anfang Dezember wurden von den Oberprimanern die Tentamensarbeiten geſchrieben.

Das Geburtsfeſt Sr. Majeſtät wurde am 27. Januar in der Aula feierlich begangen. Die Feſtrede hielt Oberlehrer Rexrodt über Alexander von Humboldt. Am Schluſſe der Feier über⸗ reichte der Direktor den Oberprimanern Ernſt Thiel und Werner Noll je ein Werk als Geſchenk Sr. Majeſtät, und zwar jenem das Bohrdt'ſche WerkDeutſche Schiffahrt in Wort und Bild, dieſem das Wislicenus'ſcheDeutſchlands Seemacht.

Die ſchriftliche Reifeprüfung fand vom 30. Januar bis zum 3. Februar ſtatt, die mündliche, bei der der Direktor mit der Verſehung der Geſchäfte des Königlichen Kommiſſarius beauftragt war, am 21. März. Es traten ſämtliche 14 Oberprimaner in die Prüfung ein und beſtanden ſie. Sieben wurden von der mündlichen Prüfung befreit. Die Abiturienten wurden am 25. März von dem Direktor feierlich entlaſſen.

In ſehr dankenswerter Weiſe lud die hieſige Wetterauiſche Geſellſchaft für die geſamte Naturkunde die Schüler der 3 oberen Klaſſen zum unentgeltlichen Beſuche der in dieſem Winter ſtattfindenden wiſſenſchaftlichen Vereinsvorträge ein.

In den letzten Wochen des Schuljahres fanden die herkömmlichen nichtöffentlichen Prüfungen ſämtlicher Klaſſen(außer I') in Gegenwart des Lehrerkollegiums ſtatt.

. In dieſem Schuljahre wurden Verſuche mit der ſog. Selbſtverwaltung der Schüler gemacht, die ſich bis dahin gut bewährt haben. Weiteres ſoll mitgeteilt werden, wenn mehr Erfahrungen damit geſammelt worden ſind.

Dieſer Selbſtverwaltung dienen auch einige an unſerer Schule beſtehende geſellige Ver⸗ einigungen unſerer Schüler zu freiwilliger Pflege der Wiſſenſchaft, Kunſt und zu körperlicher Aus⸗ bildung. Es wird den Schülern grundſätzlich möglichſt große Bewegungsfreiheit gewährt. Die