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Lehrer haben das Vertrauen, daß die Schüler bei ihren Vereinigungen nur ſchöne und edle Ziele verfolgen, und hüten ſich vor jeder Einmiſchung oder ängſtlicher überwachung. Auf der anderen Seite können die Schüler vertrauen, daß ſie ſtets des Rates und der Hilfe der Lehrer ſicher ſein können. Es ſind dies:
1. Die literariſche Vereinigung„Schillerkränzchen“. Sie iſt geſtiftet worden 1858 und, nachdem ſie lange geruht hatte, wieder ins Leben gerufen 1905. Sie bezweckt die Beſchäftigung mit der deutſchen Literatur und daneben freundſchaftliche, edle Geſelligkeit. Es gehörten ihr an in dieſem Jahre 3 Oberprimaner, 5 Unterprimaner und 4 Oberſekundaner. Die früheren Mitglieder der Vereinigung ſtehen treu zu dem jungen Nachwuchſe. Im laufenden Jahre wurden Dichtungen, beſ. Dramen von Grillparzer, Goethe, Freytag, Björnſon und Klinger geleſen und beſprochen. Außerdem wurden freie Vorträge gehalten. Die regelmäßigen Zuſammenkünfte fanden ab⸗ wechſelnd in den Wohnungen der einzelnen Schüler ſtatt. Genuß geiſtiger Getränke iſt dabei ausgeſchloſſen.
2. Die naturwciſſenſchaftliche Schülervereinigung„Naturfreunde“. Zweck der Vereinigung iſt die Weiterbildung in den Naturwiſſenſchaften durch Vorträge, Beobachtungen, Verſuche, gemein⸗ ſame Lektüre und Beſprechung naturwiſſenſchaftlicher Vorgänge und Abhandlungen, Anlegung von Sammlungen, gemeinſame Ausflüge in die Natur oder zur Beſichtigung von Sammlungen und techniſchen Werken. Der Vereinigung gehörten an 4 Oberſekundaner, 5 Unterſekundaner, 1 Ober⸗ tertianer. Die Mitglieder nahmen als Zuhörer teil an den Vorträgen der Wetterauiſchen Geſell⸗ ſchaft, auch wohnten ſie einer Verſammlung derſelben Geſellſchaft bei. Es hielten Mitglieder Vor⸗ träge über: die mechaniſchen Sedimente, die chemiſchen Sedimentärgeſteine und über das Glas. Beſucht wurde gemeinſam das hieſige Gaswerk. Verſuche wurden gemacht über Feſtſtellung des ſpezifiſchen Gewichts und an der Luftpumpe; außerdem wurden Röntgenaufnahmen gemacht.
Den Schülern wurde für ihre Zuſammenkunft ein Lehrzimmer des Gymnaſiums zur Ver⸗ fügung geſtellt, auch wurde ihnen eine größere Anzahl von naturwiſſenſchaftlichen Lehrbüchern, die der Anſtalt als Anſichts⸗ und Empfehlungsexemplare zugegangen waren, überwieſen.
Mit Rat und Hilfe ſteht der Vereinigung zur Seite Herr O. L. Rexrodt.
3. Der Schülerverein zur Pflege der Muſik:„Muſikvereinigung“. Die regelmäßigen Zuſammenkünfte zur Ausübung von Inſtrumentalmuſik fanden Sonnabend abend im Muſikzimmer des Gymnaſiums ſtatt. Bis jetzt waren vertreten Klavier(3), Violine(9) und Cello(1). Im ganzen nahmen 13 Schüler teil(3 aus I!, 3 aus 1“, 1 aus II', 3 aus II², 3 aus III). Geſpielt wurden Stücke, z. T. in geänderter Stimmbeſetzung, von Pleyel, Mazas, Schubert, Mendelsſohn, Schumann, Mozart, E. Bach, Bizet, Eilenberg und Händel. Die Muſikvereinigung trat auch auf bei dem Schülerfeſt am 10. Dezember, wo ſie viel zur Verſchönerung des Abends beitrug, und bei der Schlußfeier vor Weihnachten. Herr Profeſſor Henkel ſtand den jungen Leuten ratend und helfend zur Seite.
4. Der Schülerturnverein. Er hat ſich zur Aufgabe geſtellt, Sport, Turnen und Wandern in vernünftiger Weiſe zu pflegen. Die Mitglieder kamen bis jetzt jeden Mittwoch gegen Abend in der ihnen freundlichſt für ihren Zweck unentgeltlich zur Verfügung geſtellten Turnhalle der Turngemeinde zu ein⸗ bis einundeinhalbſtündigem Turnen zuſammen. Es begann mit Kür⸗ turnen, dann folgte ordnungsmäßiges Gerätturnen, zum Schluſſe Kürturnen. Nach den Satzungen verpflichten ſich die Mitglieder, keine Ubung ohne die nötige Hilfsſtellung zu machen. Es gehörten
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