21 Oberprimaner Fritz Schraub. dem Unterprimaner Georg Schleckser, dem Obersekundaner Walter Bückmann und dem Untersekundaner Adam Kirechner je ein Exemplar des von dem Hauptmann Bayer herausgegebenen Buches„Der Krieg in Südwestafrika und seine Bedeutung kür die Entwickelung der Kolonien als Geschenk des Herrn Mlinisters.
Am 24. Januar war nachmittags„eisfreie. Auch in den folgenden Tagen wurde den Schüler durch früheren Anfang. Zusammenlegung und Verkürzung des Nachmittagsunterrichts wiederholt Gelegen- heit geboten, sich dem Schlittschuhlaufen hinzugeben. Diese Gelegenheit wurde auch ausgiebig von ihnen benutzt.
Die schriftliche Reifeprüfung fand am 23., 24., 25. 28. und 29. Januar statt. Die mündliche wurde am 12. Februar unter dem Vorsit⸗ des Herrn Provinzial-Schulrates Dr. Kaiser und am 13. unter dem Vorsitz des mit der Stellvertretung betrauten Direktors abgehalten. Sämtliche 17 Oberprimaner bestanden die Prüfung. S wurden von der mündlichen Prüfung befreit.
Der 5. Februar ist ein in der Geschichte der Anstalt wichtiger Tag. Denn am 5. Februar 1607 erließ der damalige Landesherr, Graf U'hilipp Ludwig II. von Hanau, von Windecken aus die sog. Subsidienordnung, in der die Steuern und Ahgaben festgesetzt wurden, die der neuzugründen- den Hohen Landesschule regelmäßig zutallen und zur Bestreitung ihrer Bedürfnisse dienen sollten. Deshalb berief der Direktor zu Beginn der letzten Vormittagsschule des 5. Februar die Lehrer und Schüler in die Aula, wo sie das im Besitze der Anstalt bpefindliche grobe Olbild des Gründers vor dem Katheder mit Grün geschmückt und von einer Gruppe von Pflanzen umgeben vorfanden. Nit Choral- und Chorgesang wurde die Feier eingeleitet, darauf wies der Direktor in einer kurzen An- sprache auf die hohe Bedeutung des Tages hin und führte dabei ungefähr folgendes aus:„Die Schule, deren eigentliche Stiftungsurkunde vom 18. Juli 1607 datiert. die also eigentlich am 18. Juli 1907 ihr dreihundertjähriges Stiftungsfest begehen Ssollte, konnte in den ersten Jahrzehnten ihrer Gründung zu keiner rechten Daseinsfreudigkeit kommen. Die ihr zugedachten Gefäülle gingen spärlich oder gar nicht ein. Die höhere Schule, das Gymmasium superius, ein akademischer Kurs, der den Unter- bau, das Gymnasium inferius, cine ursprünglich nur aus einer Unterklasse und 3 Oberklassen be- stehende Lateinschule, krönen sollte, konnte lange nicht ins Leben treten. Und als im Jahre 1622 von Katharina Belgika, der Witwe des Gründers, der Schon am 9. August 1612 das Zeitliche gesegnet hatte, ohne ein Emporkommen seiner Schöpfung erlebt zu haben, der Versuch der Er- weiterung der Schule zu einer Universität gemacht wurde, ein Versuch, der besonders durch den damaligen Verfall der Universität Heidelberg nach der Einnahme von lleidelberg durch Tilly aus- sichtsvoll erschien, da zeigte sich pald. daß die schlimmen Zeitverhältnisse des 30 jührigen Krieges mächtiger waren als die edelsten Bestrebungen der Menschen. Die neugegründete Universität verfiel, die Lehrer verzogen oder starben und auch das Gymnasium inferius wird wohl nur ein kümmerliches Dasein gefristet haben. Auch spätere Bemühungen einer vormundschaftlichen Regentin. der Gräfin Sibylla Christine. in dem Jahre 1640 um Neuorganisation und Hebung der Schule blieben ziemlich erfolglos.*)
*) Anmerkung. Vom Jahre 1648 an, dem Jahre des Westfälischen Priedens, besitzen wir regelmäßige Auf- zeichnungen der Lehrer und Schüler des Pädagogiums, d. i. des Untergymnasiums. Die Aufzeichnungen begannen am 31. März 1648 unter dem Rektor Paul Wolff aus Umstadt, der damals 63 Jahre alt war. Die Schule zerfiel in 4 Lateinklassen(curiae von S, 9, 13. 22 Schülern) und in eine Schola Germanica. Diese letztere hatte wiederum 16 Lateinschüler(wahrscheinlich solche Schüler, die neben den Fächern der Elementarschule auch die ersten Anfangs- gründe des Lateinischen erlernten) und 43 Deutschschüler. Da ausdrücklich am Schlusse des Verzeichnisses auch die am 5. April 1648 neu in die Klassen eingetretenen Schüler aufgezählt werden, 19 an der Zahl, von denen 14 aus- drücklich als in die 5. Klasse eintretend bezeichnet werden, so wird es klar, daß die Eröffnung dieses Pädagogiums, wenn auch das Schülerverzeichnis, die Matrikel, von 1648 datiert, doch schon früher, wahrscheinlich 1640 stattge- funden hat. Eingehendere Mitteilungen über diese Matrikel, die von 1648—1748 reicht, werden vorbehalten.


