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Erst im Jahre 1665. nachdem Stadt und Land sich von den Stürmen des dreibigjährigen Krieges einigermaben erholt hatten und nunmehr auch das Schulgebäude, wesentlich So. wie es heute noch steht. errichtet worden war lange Jahrzehnte hindurch hatten nur die Fundamente aus der Erde emporgeragt, und das hergerichtete Baumaterial war vieltach von der Baustätte weggestohlen worden— wurde von dem Grafen Friedrich Casimir das lang unter- brochene Werk in Seinem vollen Umfange neu gegründet. tüchtige Lehrer wurden berufen, und nachdem der Graf am Montag, dem 20. Februar, die Bestätigungsurkunde, durch welche die Stittungs- urkunde P'hilipp Ludwigs II. in allen Stücken bekräftigt Wurde, unterzcichnet hatte, fand Dienstag den 21. Februar 1665 die feierliche Einweihungz der Gesamtanstalt. des Gymmnsium illustre Statt.
Die Schule ist Somit in gewisem Sinne zweimal gegründet worden, sie hat zwei Geburtstage, den 18. Juli 1607 und den 20. Fehruar 1665. Es ist nichts überliefert, ob man im Jahre 1707 der 1807 eine Hundert- besw. Zweihundertjahrfeier der Anstalt am 18. Juli begangen hat. Wahr- Scheinlich ist es nicht. Denn in den kriegerischen Zeiten des Jahres 1707, wo von dem panischen Erhbfolgekrieg und dem großen nordischen Krieg auch unser Vaterland heimgesucht wurde, wird man nicht an eine solche Feier gedacht haben, noch weniger im Jahre 1807, wo nnch der für unser Vaterland so unglücklichen Schlacht bei Jena ganz Deutschland dem Eroberer Napolcon zu Füßen lag und der angestammte hessische Landesfürst aus Seinem Lande vertricben war. Wir ind auch niecht davon unterrichtet, ob des zweiten Gründungstages, des 20. Pebruars 1665 hundert- jährige Wiederkehr im Jahre 1765 feierlich begangen worden ist. Aus dem Schweigen der Akten darüber kann man wohl entnehmen, daß es unterlassen blieb.
Dic erste grobe Jubelfeier, von der wir Kenutnis haben, füllt in das Jahr 1865., wo man die „weihundertste Wiederkehr des 20. Februar 1665 mit Zustinnnung der vorgesetzten Behörde feier- ſich beging. Es war dies unter der Aitsführung des um die Wissenschaft und die Schule hoch- verdienten Direktors Piderit, der damals auch einen Teil der älteren Schulgeschichte in Fest- chriften veröffentlichte. Die volle Berechtigung dieser Feier können wir Nachlebenden nicht anfechten. Deun so verloekend es auch sein mag. den erhabenen Schimmer der Altehrwürdigkeit einer Anstalt dadurch zu erhöhen, daß man ihre Anfäünge möglichst weit zurückführt, o läßt doch sich nicht verkennen. dab die Geschichte der Schule von 1607— 1665 zusummenhanglos. gestört und unterbrochen ist. Es würde auch gegenüher den Männern, die im Jahre 1865 die Zweihundertjahrfeier ins Werk setzten, ein gewisser Mangel an l'ietät darin erblickt werden können, wenn wir in diesem Jahre eine große Dreihundertjahrfeier veranstalten wollten. Auf der anderen Seite aber würde es verkehrt zein, wollte man den Tag, an dem das Werk wenigstens beschlossen und festgesetzt wurde. wenn auch die guanze Vollendung noch Jahrzchnte auf sich warten ließ. ganz ohne Sang und Klang vor- übergchen lassen. Dagegen müßte sich auch der gesunde historische Sinn auffehnen, den wir hegen und auch in unserer Jugend zu erwecken und zu pflegen bemüht sind. Wir werden also in bescheidener und doch würdiger Weise in diesem Jahre den dreihundertsten Stiftungstag begehen. da dieser aber in die großen Sommerferien fällt. So wird die Feier voraussichtlich auf den Schluß des Sommerhalbjahres, auf Sonnabend den 28. September, verlegt werdent.
Voraussichtlich wird eine Einladung dazu nach auswärts nur an die früheren Schüler und Lehrer der Anstalt ergehen.
Zur Feier des 300. Jubeltages des Erlasses der Subsidienordnung Wurde den Schülern der Nachmittagsunterricht freigegeben. Da ihnen auch alle Schulaufgaben für den anderen Tag erlassen wurden— eine Mitteilung, die besonders freudig aufgenommen wurde, So hatten sie Gelegenheit.


