Jahrgang 
1902
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die Herbstferien vom 29. September bis 14. Oktober, die Weihnachtsferien vom 23. Dezember mittags bis zum 6. Januar einschließlich.

Am 6. Juni fiel der Nachmittagsunterricht großer Hitze wegen aus.

Vom 5. bis zum 24. August war Professor Wackermann zur Herstellung seiner Gesundheit beurlaubt.

Vom 12. bis zum 16. August fand der schrittliehe Teil der Reifeprüfung, der sich fünf Ober- primaner unterzogen, statt. Von diesen bestanden vier am 4. September unter Vorsitz des Herrn Provinzial-Schulrat Dr. Kaiser die mündliche Prüfung. Sie wurden am 19. September in Gegen- wart ihrer Klassengenossen vom Direktor feierlich entlassen.

Am 2. September ward in der Aula des Gymnasiums mit einer Andacht, mit Chorgesängen und Vorträgen der Schüler der Sedantag festlich begangen. Bei dieser Gelegenheit wurde ein Exemplar des Prachtwerkes von Doepler-Ranisch, Walhall, die Götterwelt der Germanen, das von dem Herrn Minister der Anstalt zugewiesen war, durch den Direktor dem Untersekundaner Eduard Noll als Anerkennung für Fleiß und tüchtige Leistungen im Zeichnen übergeben.

Mit dem Schlusse des Sommersemesters hörte die Benutzung der Störgerschen Turnanstalt, in der das Gymnasium lange Jahrzehnte hindurch seine turnerischen Übungen vorgenommen hat, auf, weil der Platz, wo die Turnhalle stand, für den Neubau eines Kreishauses dienen soll. Das

Gymnasium fand ein vorläufiges Unterkommen in der alten, in der Fischergasse gelegenen Turn-

halle der hiesigen Turngemeinde. Vom kommenden Frühjahr an wird es aller Wahrscheinlichkeit nach die neuerbaute glänzend ausgestattete Turnhalle, welche diese Vereinigung an der Maulbeer- allee errichten läßt, als Mieter mitbenutzen. Verbandlungen, die mit der Stadt Hanau wegen UÜberlassung des städtischen Viehhofs in der Absicht geführt wurden, daß dort eine Gymnasialturn- halle und später auch einmal ein Gymnasialneubau errichtet werden sollten, haben sich zerschlagen, weil die Forderungen, die an das Gymnasium gestellt wurden, zu hoch waren. Der Vertrag mit der Turngemeinde, der indessen noch der Genehmigung des Herrn Ministers bedarf, läuft bis zum 31. März 1913 und zwar ist er seitens der Turngemeinde unkündbar.

Das Winterhalbjahr ward am 15. Oktober feierlich eröffnet.

Am 11. November wohnten drei Oberprimaner der Anstalt der Schillerfeier in Marbach a. N. bei und legten namens der Schüler der Anstalt einen Lorbeerkranz an der Schillerbüste im Schiller- hause nieder.

Am 23. November beehrte der Herr Geheime Ober-Regierungs-Rat Gruhl aus Berlin in Begleitung des Herrn Provinzial-Schulrat Dr. Kaiser die Anstalt mit seinem Besuche und wohnte dem Unterricht sämtlicher Lehrer bei und zwar in der Weise, dass er auch alle Klassen besuchte.

Am 27. Januar ward der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs in der festlich geschmückten Aula mit Gebet, Gesängen und Vorträgen der Schüler begangen. Die Festrede bielt professor Dr. Wackermann. Er unterzog die kolonisatorische Thätigkeit der Griechen und der Deutschen einem Vergleiche.

Der schriftliche Teil der Reifeprüfung, zu der 12 Schüler der Oberprima zugelassen waren, fand vom 3. bis zum 8. Februar statt. Leider brachte der Tag, auf den die mündliche Prüfung angesetzt worden war, der 19. Februar, der Mehrzahl dieser Schüler eine arge, wenn auch wohl- verdiente Enttäuschung. Es war bekannt geworden, daß das Unwesen verbotener Schülerver- bindungen an unserer Anstalt seit geraumer Zeit unvermerkt wieder Platz gegriffen hatte. Der Königliche Kommissarius nahm am Tage, der für die mündliche Prüfung bestimmt war, statt dieser