Jahrgang 
1900
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Gymnasiasten für den Ankauf des Schillerhauses in Marbach a. N. gaben*)(vgl. Jahresbericht von 1899 Seite 19 u. f.) Er ist leider nicht alt geworden. Er starb am 13. Mai 1867 als Gerichts- Referendar in Hanau.

Am bedeutsamsten sind wohl die Beziehungen, die der Urgroßvater des Herrn Pedro Jung zum Gymnasium hatte. Er war von 1713 bis 1737 Rektor des Gymnasium inferius zu Hanau. Die hohe Landesschule zerfiel damals in zwei Teile, eine Universität Gymnasium illustre oder Schola illustris und ein unteres Gymnasium Gymnasium inferius. Dieser Rektor namens Friedrich Jung war vor der Übernahme der Rektorstelle des Hanauer Gymnasiums in Mannheim thätig und zwar als Verbi Domini Minister und Rektor des dortigen Kurpfälzischen Gymnasiums. Da er in einem Schreiben vom 12. März 1713, in dem er sich zur Übernahme der ihm durch die Gnade des Grafen Johann Reinhard von Hanau angebotenen Rektorstelle des reformierten Gymnasiums bereit erklärt, und in einem Briefe an Professor Cregut Hanau seineVaterstadt und seinVaterland nennt. so wird man nicht daran zweifeln können, daß er derselbe Friedrich Jung ist, der im Album der Universität Hanau am 4. April 1693 immatrikuliert worden ist.(Vgl. Beilage zum Jahres- bericht von 1895, Leges et Album Civium Academicorum, part. I, S. 13. No. 321). Die unver- kennbare Ahnlichkeit zwischen der eigenhändigen Unterschrift, durch welche der neue Student den akademischen Gesetzen Gehorsam versprach, mit der Handschrift und der Unterschrift des Rektors Friedrich Jung läßt keinen Zweifel an der Identität aufkommen. Da auch, was die Zeit anlangt. keine Schwierigkeiten vorliegen, so wird man beide Träger des Namens für dieselbe Person halten müssen. Nun ist aber nach der bei den Akten befindlichen Matrikel des Gymnasiums inferius, in welcher vom Jahre 1648 an genau die halbjährigen Versetzungen der Schüler in die nächsthöhere Klasse eingetragen sind, am 31. März 1693 ein Friedrich Jung aus der obersten Klasse des Gym- nasium inferius zur Universität entlassen worden(ad lectiones publicas promotus). Dieser läßt sich rückwärts verfolgen bis zu seinem Eiutritt ſin die 5. Klasse des Gymnasiums. der am 22. April 1686 stattfand. Er wird bei seinem Eintritt alsTjähriger Knabe und als Sohn des Bürgers und Ratsherrn der Altstadt Konrad Jung bezeichnet.(Fridericus Jungius Domini Conradi Jungii Civis et Senatoris vet. urbis filius 7 annorum puer ad 5tam classem receptus.) Über den Lebensberuf des Vaters wird an dieser Stelle nichts Genaueres mitgeteilt, doch ist es sehr wahrscheinlich, daß er identisch ist mit dem Vater zweier Söhne, die nach dem Album ein halbes Jahr früher in die 4. Klasse eintraten, nämlich Johann Paulus und Wilhelm Jung. Von ihnen heißt es bei ihrem Eintritt: Fratres et Filii Domini Conradi Jungii, Senatoris et Pistoris filii, quorum prior 13 annorum, posterior 12 annorum, ambo ad 4tam classem relati 28. Septembr. A. 1685. Man wird wohl nicht fehlgehen mit der Annahme, Friedrich Jung sei ein jüngerer Bruder der beiden Ge- nannten. Dann wäre sein Vater Konrad dem Berufe nach Bäcker gewesen. Entweder ist bei der Notiz in betreff des Eintritts des Friedrich Jung das Gewerbe des Vaters neben dem ehrenvollen Amte des Ratsherrn verschwiegen, oder der Vater hatte sich von seinem Gewerbe Ostern 1686 schon zurückgezogen und widmete sich nur seinem Ehrenamte..

Wiederum ist es sehr wohl denkbar, daß dieser Ratsherr und Bäckermeister Konrad Jung in seiner Jugend gleichfalls Schüler der hohen Landesschule gewesen ist, wenn er es auch nicht zu akademischen Studien gebracht hat.

*) Ein hier lebender Verwandter(Bruderssohn) des Herrn Petro Jung, Herr Alexander Jung, der Ostern 1875 das hiesige Gymnasium mit dem Zeugnis der Reife verlassen hat, war als Vollstrecker des Testamentes der Frau Pedro Jung so freundlich, aus dem Nachlasse dieser dem Gymnasium die Papiere des Schillerkränzchens von 1859 zu überlassen. Dafür sage ich ihm namens der Anstalt auch hier besten Dank.