Jahrgang 
1900
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In der Matrikel des Gymnasium inferius wird nämlich im Jahre 1655 als eingetreten ange-

führt Conradus Jungius Hanoviensis, Nicolai pistoris N. C.(= novae civitatis) filius 10 ½ annorum

a patre praesentatus et quintae classis(Sc. discipulis) assignatus die 12. Martis A. 1655. Dieser

Konrad Jung, Sohn des Bäckers Nikolaus Jung, kann recht wohl, wenngleich der Vater als Bürger der Neustadt angeführt wird, mit dem obenerwähnten Bäcker und Ratsherrn der Altstadt Konrad Jung, dem Vater des Rektors Friedrich Jung, identisch sein. Sein Aufrücken lässt sich durch die verschiedenen Gymnasialklassen bis zur Prima verfolgen. Er gelangte Herbst 1655 in die Quarta. Herbst 1656 in die Tertia, Herbst 1657 in die Sekunda. Frühliug 1659 in die Prima. Da er beim Aufsteigen in die Sekunda und Prima als Offenbachensis bezeichnet wird. so scheint sein Vater Nikolaus Jung von dort nach Hanau eingewandert zu sein. In den nächsten Jahren wird Konrad Jung nicht mehr erwähnt. Bei der Frühjahrsversetzung 1660 heißt es. es sei aus bestimmten Gründen certis de causis niemand zur Universität entlassen worden. Vvielleicht hat ihm dies Veran- lassung gegeben, die Studien aufzugeben und sich dem Gewerbe seines Vaters zu widmen.(Das Album der Universität Hanau ist uns erst von ihrer Neugestaltung im Jahre 1665 ab erhalten.)

Sollten diese Vermutungen richtig sein(sicheren Aufschluß können vielleicht die Kirchenbücher geben), so wären seit dem Jahre 1655 Zugehörige der Familie des Stifters des neuen Stipendiums als Schüler des Gymnasiums nachweisbar. Da die ersten Schülerlisten aus dem Jahre 1648 stammen, so gingen sie also fast bis zum Anfange dieser Aufzeichnungen zurück. Vor 1655 wird nur noch ein Schüler des Namens Jung erwähnt. nämlich 1649 ein Johannes Jung Hanoviensis Sebastiani Palatini militis Hanovici filius a patre adductus annorum 6. 5tae addictus 28. 7bris. Ob dieser mit Konrad Jung verwandt ist und wie, darüber läßt sich kaum etwas mutmaßen. In betreff des Rektors Friedrich Jung sei noch bemerkt, daß ihm im März des Jahres 1736, als er krank geworden war.(er litt infolge halbseitiger Lähmung an Gedächtnisschwäche und suchte Heilung seiner Leiden im Schlangenbad) vom Konsistorium auf Ansuchen seines Sohnes. des Hofgerichts- advokaten J. F. Jung, die Stellung eines Substituten erlaubt wurde. Wenn auch der Familie nach ihren Erinnerungen, von denen mir Herr privatdocent Dr. Erich Jung in Gießen freundlichst Mitteilung gemacht hat, über den Hofgerichtsadvokaten J. F. Jung nichts bekannt ist, so kann es doch nach den Akten kaum einem Zweifel unterliegen, daß er ein Sohn des Rektors Jung war, da er von ihm mehrmals als von seinem Vater spricht, auch ausdrücklich als sein Sohn bezeichnet wird. Nachdem 1736 die Grafschaft Hanan mit dem Tpode des letzten Grafen Johann Reinhard an Hessen-Cassel gefallen war, ward Rektor Friedrich Jung unter dem 30. September 1737 durch Erlaß des Statthalters Wilhelm, des späteren Landgrafen Wilhelm von Hessen, mit einem Gnaden- gehalt pensioniert. Er starb nach den Aufzeichnungen, die, sich am Schluste der Matrikel finden, am 19. August 1745.

Daß er ein sehr tüchtiger Gelehrter war, bezeugen verschiedene Auszüge aus dem Ratsprotokolle der Altstadt Hanan(vom 16. September und 11. Dezember 1712). In diesen wird zu seiner Empfehlung bei der bevorstehenden Wahl zum Rektor u. a. gesagt, es spreche für ihn nicht nur, daß er ein Landeskind sei, sondern er habe auch bekanntlich so vortreff- liche Studien gemacht, daß er schon mehrmals zur Professur der Philosophie an der Hanauer Schola illustris in Vorschlag gebracht worden sei. Nach dem Schreiben, das er am 5. November 1712 an den Professor Cregut in Hanau richtete, wardie Nutzung seiner Bestellung zu Mann- heim um ein merkliches besser als die zu Hanau, aber es ermahnte ihn nach 14jährigem Wegsein innerlich schon lange ein heimlicher Trieb, seinem Vaterlande seine Dienste aufzuopfern. Er unterrichtete als Rektor die oberste Klasse in der lateinischen, griechischen und hebräischen Sprache.