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„ganzen Reihe ungünstiger Umstände blieb der Gedanke an die Errichtung eines Schillerdenkmals „in dem Geburtsorte des Dichters unausgeführt, und als sein 100 jähriger Geburtstag herannahte, „War er noch nicht verwirklicht.
„Schon am 18. Juli 1835 hatte der Marbacher Schillerverein sich mit einem Aufrufe an das „deutsche Volk, insbesondere an die Schillerverehrer gewendet mit der dringenden Bitte um „kräftige Unterstützung bei der Errichtung eines einfachen Denkmals in der Geburtsstadt des „Dichters. Die Mittel aber waren nur spärlich geflossen und hatten eben ausgereicht zur An- „Pflanzung der sogenannten Schillerhöhe bei Marbach, auf der man das Denkmal später zu er- „richten dachte. Da richtete im Mai 1858 der Marbacher Schillerverein einen zweiten Aufruf an „das deutsche Volk, der nunmehr in der sich mächtig regenden Teilnahme für die Jubelfeier eine „kräftige Stütze fand. Aus den damals gesammelten Mitteln von 10539 Gulden konnte zunächst „das Geburtshaus Schillers dem Privatbesitz entzogen, in seiner ursprünglichen Gestalt unter Zu- „grundelegung einer alten Zeichnung wiederhergestellt und„zu einem Tempel der Erinnerung“ „für das ganze deutsche Volk gestaltet werden. Am Tage der 100 jährigen Geburtsfeier Schillers „wurde es eingeweiht, und gleichzeitig ward der Grundstein des Denkmals auf der Schillerhöhe „gelegt, das freilich erst viele Jahre später aufgestellt wurde. Hergestellt ward es aus dem Metall „im großen Kriege 1870/71 erbeuteter Kanonen, die den Marbachern als kaiserliches Geschenk „»vom hochseligen Kaiser Wilhelm I. überwiesen wurden. Die Enthüllung fand erst am 9. Mai 1876, „also 71 Jahre nach dem Tode des Dichters statt.
„Die Jubelfeier im Jahre 1859 aber brachte verschiedene Stiftungen für den Marbacher „Verein mit sich. Unter diesen sei besonders hervorgehoben ein Beitrag von 1424 Gulden 24 Kr., „den sieben Hanauer Gymnasiasten gesammelt und dem Verein mit der Bestimmung übergeben „hatten, daß aus der Summe 100 Gulden ausgeschieden und angelegt, das Zinsenerträgnis aber „dazu verwendet werden möge, alljährlich einen frischen Lorbeerkranz zu beschaffen, der von der „Schuljugend Marbachs an passender Stelle im Innern des Schillerhauses aufgehängt werden solle“.
Für die Feier in Marbach am 10. November 1898 nun fand sich in der oben erwähnten ge- druckten Einladung u. a. folgendes vorgesehen:
Morgens 11 Uhr Schulfeier der Lateinschüler im Geburtshause Schillers: Fest- rede des Herrn Präceptor Lauer über„Wie feiern wir Schiller am würdigsten“, Deklamationen und Gesänge der Schüler, Ansprache und Bekränzung der Schillerbüste durch einen Lateinschüler namens der deutschen Jugend(Stiftung der Gymnasiasten von Hanau etc), Verteilung des Wiener und Hanauer Preises.
Zu der gleichen Stunde nun, für welche die Marbacher Schulfeier angesetzt war, versammelte der Unterzeichnete die Lehrer und Schüler der Anstalt in der Aula. setzte ihnen in kurzen Worten die oben erwähnten mannigfaltigen Wechselfälle auseinander, die zu überstehen waren, bis endlich in dem Geburtsorte unseres großen Dichters die pietätvollen Erinnerungen sichtbaren Ausdruck fanden, hob den rühmlichen Anteil hervor, den Hanauer Gymnasiasten dabei gehabt hatten, machte Mitteilung von der Einladung zu der zu gleicher Stunde stattfindenden Marbacher Schulfeier und las seine Zuschrift an den Herrn Stadtschultheißen Haffner vor, in der er für die Zusendung der das hiesige Gymnasium sehr interessierenden Einladung und der übrigen Druckschriften dankt und ihn benachrichtigt, daß er am 10. November, zur Zeit der Schulteier in Marbach, vormittags 11 Uhr, die jetzigen Schüler der Austalt in der Aula versammeln und sie auf die Beziehungen dieser Feier zu dem Hanauer Gymnasium hinweisen werde.


