21
In seinem Briefe hatte der Direktor, da aus den Gymnasialakten die Namen jener sieben Schüler nicht ersichtlich waren, gebeten, falls sie aus den Akten des Schillervereins sich ermitteln ließen, sie ihm mitzuteilen. 3
Nach Verlesung des Briefes schloß der Direktor seine Ansprache an die Schüler etwa mit folgenden Worten:
„Unser Schulgebäude ist alt und hier und dort recht eng, unsere Schülerzahl ist nicht groß. aber nicht ein Prachtbau giebt einer Schule Ansehen, nicht die Schülerzahl verleiht ihr Wert oder Unwert, auf den Geist kommt es an, der in einer Schule lebt. Der kann eine große Anstalt tief herunter drücken, der Geist kann aber auch einer kleinen Schule Ruhm und Ehre verleihen.
Jene 7 Schüler von 1859 haben sich für alle Zeit den Dank der ihnen nachfolgenden Schüler- geschlechter gesichert. Möge man nach weiteren Jahrzehnten und noch lange hinaus, wenn Ihr der- einst diese Anstalt verlassen habt, auch von Euch sagen, wie wir es von Jenen sagen:„Sie waren würdige Söhne ihres Vaterlands, fern stehend allem Niedrigen und Gemeinen, begeistert, mitten im wüsten Getriebe dieser Alltagswelt, für das Ideale, Schöne und Gute, sie haben dem Gym- nasium Ehre gemacht. Möget auch Ihr in Opferwilligkeit für edle Bestrebungen Euern Vorgängern nicht nachstehen“.
Am 26. November ging vom Herrn Stadtschultheißen Haffner an den Direktor folgendes Schreiben ein:
Euer Hochwohlgeboren!
Bei der Schulfeier in Schillers Geburtshaus am 10. November hat es bei Lehrern, Schülern und Zuhörern große Freude gemacht, als ich Ihre warme Zuschrift vom 9. November zur Ver- lesung brachte gleichzeitig mit der Zuschrift Ihres Herrn Kollegen Heußner in Cassel(einer der „Sieben Hanauer Gymnasiasten“).—
Alle Jahre bei unserer Schillerfeier sind die„7 Hanauer Gymnasiasten“ in unserem Mund; von den vielen Tausenden von Gaben hat uns 1859 eben die Hanauer am besten gefallen und wir sehen scharf darauf, daß von dem damaligen Beschluß
alle Jahre an Schillers Geburtstag(neben den anderen Festveranstaltungen) in des Dichters Geburtshaus eine Schulfeier der Lateinschule zu veranstalten, bei welcher einer der Schüler„namens der deutschen Jugend“ die Schillerbüste mit einem frischen, aus den Zinsen eines kleinen Teiles der auf Anregung von 7 Hanauer Gymnasiasten zu- sammengebrachten Gabe von 55 höheren Lehranstalten Deutschlands angeschafften Lor- beerkranz zu schmücken habe und bei welcher Feier der Schillerverein aus seinen laufenden Mitteln einem Schüler einen Preis unter dem Namen„Hanauer Preis“ verab- tolgen werde, nicht abgebröckelt wird. Und rührend schön ist es alle Jahre, wenn der Schüler mit dem Lorbeer- kranz vortritt und spricht: „Unter den vielen Gaben, welche auf das Jahr 1859 dem hiesigen Schillerverein zugeflossen sind, giebt es wohl keine schönere und herzerfreuendere als die, welche auf Anregung von 7 Hanauer Gymnasiasten von 55 höheren Lehranstalten Deutschlands zusammengebracht worden ist. 1 Aus der damals überwiesenen Summe sollte nach dem Wuusche der Stifter ein kleiner Teil zurückbehalten und aus den Zinsen derselben alljährlich am Geburtstage Schillers von Marbachs Jugend ein frischer Lorbeerkranz an passender Stelle niedergelegt werden.


