Jahrgang 
1892
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Die schriftliche Herbstreifeprüfung fand vom 10. bis 13. August statt, die mündliche Reifeprüfung ward am 27. August unter dem Vorsitze des Herrn Geh. Rat Dr. Lahmeyer abgehalten.

Im Laufe des Sommersemesters wurde die neue städtische Wasserleitung in die Anstalt eingeführt.

Am 2. September wurde das Sedanfest von der Anstalt feierlich begangen. Vormittags beteiligten sich die Lehrer und Schüler an dem Festzuge nach dem Friedhofe und an der Feier an den Gräbern der Krieger, die in hiesiger Stadt den Wunden, die sie im Feldzuge des Jahres 1870/71 empfangen hatten, erlegen waren. Nachmittags 12 ½ Uhr führte wie in den Vorjakren ein Sonderzug Lehrer und Schüler mit vielen ihrer Angehörigen nach Aschaffenburg, von wo die Festgenossen nach dem nahen, herrlichen Park Schönbusch zogen. Dort verliefen nur allzu rasch die Stunden bei heiterer, ungetrübter Festesfreude. Abends gegen 8 Uhr trafen die Teilnehmer an dem Feste wieder hier mit Sonderzug ein.

Die Entlassung der Abiturienten fand am 11. September statt.

Mittwoch den 23. September ward mit einer nichtöffentlichen Schulfeier der hundertjährige Geburtstag des deutschen Sängers und Helden Theodor Körner in der Zeit der letzten Unterrichts- stunde festlich begangen.

Donnerstag den 24. September fand nachmittags in der Störger'schen Turnhalle eine öffent- liche Turnprüfung statt. Im Anschlusse daran ward abends im Saale der Centralhalle eiue musi- kalisch-theatralische Abendunterhaltung für die Schüler und ihre Angehörigen abgehalten, mit der sich ein Tanzvergnügen für die Schüler der obersten Klassen verband.

Durch Verfügung Kgl. Provinzial-Schulkollegiums war dem Lehrerkollegium ein Exemplar des SammelwerkesHottinger, Die Welt in Wort und Bild, ein Geschenk des Verfassers, des Kaiserlichen Bibliothekars Dr. Hottinger in Strassburg i. E. übersandt worden mit der Bestimmung, dass dasselbe bei geeigneter Gelegenheit an einen Schüler verschenkt werde, der zu einer erusteren Lektüre herangereift sei und einer Familie angehöre, in der manDie Welt in Wort und Bild als ein Haus- und Familienbuch mutmasslich schätzen werde. Das Werk ward durch Be- schluss des Lehrerkollegiums dem Obersekundaner Gustav Boos zuerkannt und ihm vom Direktor am Schlusse des Sommersemesters vor der gesamten Anstalt übergeben.

Am Beginn des Wintersemesters, am 12. Oktober, hiess der Direktor gelegentlich der Er- öffnungsfeier den an Stelle des nach Hersfeld versetzten wissenschaftlichen Hülfslehrers Baumann unserer Anstalt zugewiesenen wissenschaftlichen Hülfslehrer Albert Schmitt willkommen und führte ihn in sein Amt ein. Gleichzeitig trat der Kandidat des höheren Lehramts Adam Schaaf sein Probejahr an unserer Anstalt an. Zu gleicher Zeit begann auch der neuernannte Schuldiener

Peter Dill seinen Dienst.

Albert Schmitt, geb. am 30. Juli 1861 in Weilburg. Sohn des Oberschulrats Dr. Schmitt, Kgl. Gym- nasial-Direktors a. D., katholischer Konfession, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und das Gymnasium zu Marburg, wo er Michaelis 1882 das Zeugnis der Reife erhielt. Nachdem er die Universitäten Leipzig, Berlin und Marburg besucht und am 22. Juli 1887 das Examen in der Geschichte, im Deutschen und in der klassischen Philologie vor der wissenschaftlichen Prüfungskommission zu Marburg bestanden hatte, wurde er zur Ableistung des Probejahres dem Gymnasium zu Hadamar überwiesen. Von Michaelis 1888 ab unterrichtete er kurze Zeit am Realgymnasium zu Wiesbaden, dann bis Ostern 1891 am Gymnasium zu Montabaur. Michaelis 1891 wurde er von dem Kgl. Provinzial- Schulkollegium zu Cassel dem Gymnasium zu Hanau als Hülfslehrer überwiesen.

Adam Schaaf, geb. am 22. Februar 1861 zu Camberg, Sohn des konomen W. Schaaf, katholischer Konfession, besuchte das Gymnasium zu Hadamar und wurde Herhst 1881 mit dem Zeugnis der Reife entlassen. Nach-