Jahrgang 
1886
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dem Gymnasium zu Hersfeld als beauftragter Lehrer thätig und wurde, nachdem er sich die philosophische Doktor- würde erworben hatte, im April 1865 zum Hülfslehrer an dem Gymnasium zu Cassel ernannt. Hier wirkte er, seit April 1873 als Oberlehrer, bis zum Herbst 1878. Im Juli d. J. zum Königlichen Gymnasialdirektor ernannt, wurde er von dem Herrn Minister vom 1. Oktober ab mit der Leitung des unter preussischer Verwaltung stehenden Wal- deckischen Landesgymnasiums zu Corbach beauftragt. Nach 6 ½jähriger Thätigkeit an demselben erfolgte seine Beru- fung an das hiesige Gymnasium. Von seinen Schriften mögen hier Erwähnung finden: 1. Die Hofschule des Land- grafen Moritz(Diss. inaug.). 2. Der Anschluss Hessens an Preussen im siebenjährigen Kriege, Schulprogramm, Cassel 1868. Der Übertritt des Erbprinzen Friedrich von Hessen-Cassel zum Katholicismus, Cassel 1870. 4. Aus dem Leben des Prinzen Christian von Waldeck, Programmabhandlung, Corbach 1882.

Das neue Schuljahr begann am 13. April.

Am 14. April führte Herr Provinzial-Schulrat Dr. Lahmeyer den Direktor in sein neues Amt ein. Der Direktor sprach in seiner Antrittsrede über die Aufgabe, welche das humanistische Gymnasium in der Gegenwart zu lösen habe, und richtete hierauf Worte der Begrüssung an die Lehrer und Schüler der Anstalt.

An Stelle des während der Ferien schwer erkrankten Oberlehrers Dr. Wolff übernahm der dem Gymnasium als commissarischer Hülfslehrer überwiesene Kandidat H. Wiegand, seither am Realgymnasium zu Wiesbaden beschäftigt, eine Anzahl Stunden. Gleichzeitig begann der Probekandidat Hermann Neubourg aus Lippe-Detmold seine Thätigkeit am hiesigen Gymnasium.

Die Pfingstferien dauerten vom 23. bis 27. Mai, die Sommerferien vom 6. Juli bis zum 2. August.

Von sämtlichen Classen wurden im Sommer unter Führung ihrer Ordinarien Ausflüge nach den benachbarten Waldgebirgen unternommen.

Am 2. September führte der Direktor in ausführlichem Vortrage die Ereignisse des Sedan- tages den Schülern vor die Seele. Hierauf nahmen Lehrer und Schüler der Anstalt an dem von dem Kriegerverein veranstalteten Festzuge teil. Nachmittags machte das Gymnasium unter zahlreicher Beteiligung von Angehörigen unserer Schüler mit Extrazug eine Fahrt nach Gelnhausen. Von dem herrlichsten Wetter begünstigt, entwickelte sich auf dem mitten in einem unweit der Stadt gelegenen Walde unter dankenswerter Mitwirkung des Herrn Bürgermeisters der Stadt hergerichteten Platze ein schönes, allen Teilnehmern in ungetrübter Erinnerung stehendes Fest. Vorher hatte der Di- rektor in den Ruinen der Kaiserburg, eine Ansprache an die Schüler gerichtet, in welcher er, anknüpfend an die an der Stätte haftenden Erinnerungen, das neu erstandene Kaiserreich und seinen Begründer feierte..

Am 11. und 12. September fand unter dem Vorsitz des Herrn Provinzialschulrats Dr. Lahmeyer die mündliche Reifeprüfung von 11 dem hiesigen Gymnasium überwiesenen auswärtigen Aspiranten statt, welche vom 24. 28. August mit 5 Abiturienten des Gymnasiums sich der schrift- lichen Prüfung unterzogen hatten. Das Zeugnis der Reife erhielten 7 Externe. Die Schüler des Gymnasiums wurden nach der am 19. September unter dem Vorsitze des Direktors abgehaltenen mündlichen Prüfung für reif erklärt. Am 25. Sept. wurden dieselben vor versammelten Schülern entlassen.

An demselben Tage beendeten die wissenschaftlichen Hülfslehrer Jos. Stanger und H. Wiegand(S. o.) ihre Thätigkeit an der Anstalt. Der erstere, welcher seit Herbst 1880 mit rühmenswerthem Pflichteifer und günstigem Erfolge an der Anstalt gewirkt hatte, war durch Ver- fügung Königl. Prov.-Schulkollegs vom 7. September zum ordentlichen Lehrer an dem Königlichen